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(Pseudo-)Krupp – Schreck in der Nacht ?

Kind mit Krupp © istockphoto, Portra

Eltern, die bei ihrem Kind einen Krupp-Anfall mit Atemnot erlebt haben, werden das so schnell nicht vergessen. Und haben natürlich Angst vor einem erneuten Auftreten. Hier erfahren Sie, wie Sie ihrem Kind bei einem Anfall schnell helfen können. Was ist denn nun echt am Echten Krupp und falsch am Pseudokrupp? Oder bezeichnen beide Begriffe dasselbe? Um den Krupp gibt es eine richtige Begriffsverwirrung.

Die Erklärung

Beim so genannten Echten Krupp handelt es sich um eine schwere Ausprägung der Diphtherie, bei der vor allem der Kehlkopf betroffen ist. Aufgrund von Schleimhautschwellungen kommt es zu einer Verengung des Luftröhreneingangs mit Luftnot und Erstickungsanfällen, die von heftigem, bellendem Husten begleitet werden.

Der Begriff Pseudokrupp – was so viel heißt wie "falscher" Krupp – entstand, um die nächtliche Atemnot bei Kindern vom beschriebenen Diphtherie-Krupp zu unterscheiden. Dank frühzeitiger Impfungen schon im Kleinkindalter ist die Diphtherie heute fast verschwunden. Sodass der Pseudokrupp nun häufig auch als Krupp oder Kruppsyndrom bezeichnet wird.

Was ist Pseudokrupp?

Pseudokrupp ist eine Erkrankung, bei der sich die Schleimhaut des Kehlkopfs entzündet und meist unterhalb der Stimmbänder stark anschwillt. Besonders häufig tritt er bei Kleinkindern zwischen 18 Monaten und sechs Jahren auf. In diesem Alter ist der Kehlkopfspalt noch sehr eng und die Schleimhaut reagiert besonders stark auf akute Entzündungen. Durch die Schwellung wird der Spalt noch enger und droht sich zu verschließen.

Ausgelöst wird der Pseudokrupp meist durch Erkältungsviren. Deshalb tritt er vor allem in den erkältungsintensiven Jahreszeiten Herbst und Winter auf. Umwelteinflüsse wie nasskaltes Wetter, Luftverschmutzung und Passivrauchen begünstigen die Erkrankung zusätzlich. Selten kann es aber auch eine allergische Ursache geben, oder es sind Bakterien beteiligt.

Welche Symptome treten auf?

Oft geht einem Anfall eine simple Erkältung voraus. Wenn es dann zu einem Kruppanfall kommt, geschieht dies sehr plötzlich und ohne warnende Vorzeichen; meist in der Nacht. Das Kind wird anfallsartig von heftigem, bellendem Husten geplagt, seine Stimme ist heiser, das Einatmen deutlich erschwert. Das Atemgeräusch hört sich rasselnd, fauchend oder pfeifend an.

Das Kind hat Atemnot bis hin zu Erstickungsängsten und ist deshalb sehr unruhig. Diese Unruhe steigert noch die sowieso reduzierte Sauerstoffaufnahme. Bedingt durch den Sauerstoffmangel können sich Lippen und Fingernägel blau färben und eine allgemeine Blässe auftreten.

Erste Hilfe im Anfall

  • Nehmen Sie ihr Kind in den Arm, beruhigen und wiegen Sie es.
  • Gehen Sie mit ihm ans offene Fenster oder auf den Balkon (auch im Winter).
  • Lassen das Kind keine trocken-staubige Luft mehr einatmen (Heizung abstellen). Besser ist feucht-kühle Luft; sie lässt die Schleimhäute abschwellen. Lassen Sie z.B. kaltes Wasser in der Dusche laufen oder hängen Sie feuchte Tücher im Kinderzimmer auf.
  • Das Kind sollte viel trinken (schlückchenweise Wasser in Zimmertemperatur).
  • Lagern Sie es mit leicht erhöhtem Oberkörper.
  • Falls vorhanden, geben Sie die vom Arzt (!) verordneten Medikamente (zum Beispiel Kortisonzäpfchen oder Epinephrin-Spray).

Wann zum Arzt?

Bei einem leichten Kruppanfall wird mit den genannten Maßnahmen schon sehr bald eine Besserung eintreten. Wenn dies der erste Anfall war, sollten Sie bald einen Termin mit ihrem Arzt machen, um sich für einen möglichen nächsten Anfall mit Notfallmedikamente auszurüsten. Kinder, die einmal einen Kruppanfall hatten, neigen auch zu weiteren.

Bei schwereren Anfällen, wenn trotz der Gabe von Kortison noch Atemnot besteht, müssen sie einen Notarzt rufen.

Welche Komplikationen können auftreten?

Der Pseudokrupp verläuft meist harmlos. Er kann sich allerdings auf Mittelohr, Luftröhre oder Lungen ausbreiten. Bei einer zusätzlichen bakteriellen Besiedlung kann es zu einer Lungenentzündung kommen.

Kann man Kruppanfällen vorbeugen?

Als Allgemeinmaßnahmen sollten Sie auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung achten und durch ausreichend Bewegung an der frischen Luft das Immunsystem ihres Kindes trainieren. Bei Kindern, die schon öfter Anfälle hatten, sollten immer Notfallmedikamente im Haus sein.

Gut vorbeugen lässt sich auch mit einem Luftbefeuchter, der in der Erkältungszeit die Raumluft feucht hält. Eltern sollten außerdem darauf achten, dass in der Wohnung nicht geraucht wird.

Aktualisiert: 02.02.2017 – Autor: Ina Mersch

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