Zahnschmerzen – Zu recht gefürchtet und verhasst

Mit Zahnschmerzen beim Zahnarzt © istockphoto, vadimguzhva

Wer einmal unter Zahnschmerzen litt, weiß genau, warum Zähne, ihre Behandlung – und sei es nur die halbjährliche Kontrolle durch einen Fachmann – und ihre Krankheiten ein empfindliches Thema sind: Zahnschmerzen werden zu den unangenehmsten Körperempfindungen gezählt.

Wie entstehen Zahnschmerzen?

Zähne haben in ihrem Inneren starke und sehr empfindliche Nervenendigungen, die normalerweise durch das harte und unempfindliche Zahnäußere hervorragend geschützt werden. Diese Nervenfasern leiten alle Empfindungen über den dreiteiligen Gesichtsnerv, den Nervus trigeminus, in das nahegelegene Gehirn weiter. Der Trigeminus enthält auch Nervenenden, die für die Kaumuskulatur und die Schleimhaut von Mund und Nase zuständig sind. So können Schmerzen an einem Zahn leicht in die Umgebung ausstrahlen.

Wenn das Zahnäußere, der harte Zahnschmelz, durch Verletzungen, Bakterien, Druck oder Chemikalien beschädigt wird, werden die Nervenfasern gereizt und bohrende, dumpfe, stechende oder klopfende Schmerzen entstehen – dabei variiert der Schmerzcharakter je nach Ursache.

Erste Anzeichen und Folgen von Zahnschmerzen

Die Schmerzen strahlen oft in den Ober- oder Unterkiefer aus, können sich Richtung Schläfen hochziehen und als Kopfschmerzen erscheinen. Die Schmerzen führen oft zu einer massiven Gesundheitsbeeinträchtigung und werden vom Betroffenen nicht lange toleriert: Glücklicherweise ist das so, denn oft sind Entzündungen an den Schmerzen Schuld und diese können sich auf dem Blutweg schnell in Richtung Gehirn ausbreiten.

Meist geht starken Zahnschmerzen eine Phase voraus, in der ein einzelner Zahn besonders empfindlich reagiert, etwa auf

  • Kälte
  • Hitze
  • Druck oder
  • Süßes

Diese Anzeichen sollten Sie immer als Warnsignal deuten, dass der Zahnschmelz Ihrer Zähne angegriffen ist und Sie dringend etwas für Ihre Zähne tun sollten.

Welche Gründe für Zahnschmerzen gibt es?

Neben fehlendem oder angegriffenem Zahnschmelz ist die häufigste Ursache für Zahnschmerzen Karies. Karies ist die häufigste Krankheit der Menschheit, wobei sie unter bestimmten Umständen sogar ansteckend ist. Von Karies werden die Zahngewebe Zahnschmelz und Dentin befallen – Löcher entstehen.

Damit Karies entsteht, müssen verschiedene Faktoren zusammenwirken: So bildet sich Plaque aus Bakterien und zuckerhaltigen Nährstoffen je nach Zahnputzverhalten unterschiedlich stark, auch die Speichelzusammensetzung und die Struktur der Zähne spielen eine wichtige Rolle. Wenn eine Karies unbehandelt bleibt (weil sie erst keine Schmerzen verursacht), kann sie sich ausdehnen und das Zahninnere, die Zahnpulpa, angreifen, in der die Versorgungsstrukturen des Zahns, also Nerven und Blutgefäße, verlaufen.

Pulpitis und apikale Ostitis

Eine Pulpitis, also eine Entzündung der Pulpa, kann neben der Karies auch andere Ursachen haben, zum Beispiel eine thermische oder chemische Reizung durch eine ausgedehnte Zahnreparaturbehandlung. Sie kann äußerst schmerzhaft, aber auch schmerzlos verlaufen und spontan ausheilen, wenn der ursprüngliche Reiz erlischt.

Wenn sie sich zu einer apikalen Ostitis weiterentwickelt, breitet sich die Entzündung über das Zahninnere bis zu den Zahnwurzeln aus und führt zum Absterben des Zahngewebes.

Zahnschmerzen: Parodontitis als Ursache

Neben einer Karieserkrankung und ihren Folgen treten auch bei einer Parodontitis – also einer Entzündung des Zahnhalteapparats, nämlich des Zahnfleischs – Schmerzen auf. Bei leichteren Zahnfleischentzündungen sind brennende Schmerzen häufig, eine ausgeprägte Parodontitis hingegen verläuft tückischerweise oft schmerzlos: Nur die scheinbare Verlängerung der Zahnhälse zeigt an, dass sich das Zahnfleisch zurückbildet.

Wachstumsbeschwerden und Fehlstellungen

Bei Babys treten Zahnschmerzen als Zahnungsbeschwerden auf, wenn die Zähne aus dem Zahnfleisch durchbrechen – bei Erwachsenen werden die gleichen Beschwerden beim Durchtritt der Weisheitszähne beobachtet. Bei Kindern können Zahnschmerzen auch auf eine Zahnfehlstellung hindeuten oder auf eine falsch eingestellte Zahnspange.

Aber auch Fehlstellungen des Kiefergelenks können ausgeprägte Zahnschmerzen verursachen. Oft äußern sich solche Fehlstellungen durch nächtliches Zähneknirschen, wovon der Betroffene jedoch nichts mitbekommen muss. Allerdings stellt er nach dem Aufwachen oft fest, dass seine Kaumuskulatur verspannt ist und seine Zähne schmerzen. Übrigens kann stressbedingtes Zähneknirschen zu Kieferfehlstellungen führen und umgekehrt kann eine Kieferfehlstellung am Zähneknirschen Schuld sein!

Atypische Zahnschmerzen

Als weitere Kategorie kennen Zahnärzte sogenannte atypische Zahnschmerzen, bei denen die teils starken Schmerzen nicht einem bestimmten Zahn und seiner Umgebung zugeordnet werden können. Die Schmerzen halten teilweise lange an und können auch immer mal an einer anderen Stelle auftreten.

Zahnschmerzen als Folge anderer Erkrankungen

Daneben können auch Erkrankungen anderer Körperregionen Schmerzen an den Zähnen auslösen. So können Mittelohr- oder Nasennebenhöhlenentzündungen in den Mundraum ausstrahlen, starke Kopfschmerzen wie Migräne auch zu Zahnschmerzen führen und sogar eine Verengung der Herzkranzgefäße (Angina pectoris) oder ein Herzinfarkt kann sich allein durch Zahnschmerzen bemerkbar machen.

Aktualisiert: 05.06.2019 - Autor: Nathalie Blanck

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