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Nierentransplantation und das Leben danach

Ist der ersehnte Anruf eingetroffen, muss alles sehr schnell gehen – die Spenderniere wird spätestens 24 Stunden nach der Entnahme transplantiert. Der Betroffene darf nichts mehr essen und trinken und muss sofort in die Klinik aufbrechen. Dort wird er nochmals sorgfältig untersucht.

Die eigentliche Operation wird in Vollnarkose durchgeführt und dauert etwa 2 bis 3  Stunden. Die Spenderniere mit Blutgefäßen und dem Harnleiter wird im Bereich der rechten oder linken Leistenregion eingepflanzt, da dort die großen Beckengefäße des Patienten besonders gut zugänglich sind. Dazu wird etwa 10 cm unterhalb und seitlich des Nabels ein ca. 20 cm langer Hautschnitt gesetzt. Die Nierengefäße der Spenderniere werden mit den Beckengefäßen verbunden, der Harnleiter des neuen Organs mit der Harnblase.

Die alten Nieren werden in der Regel belassen, da sie nicht stören und der zusätzliche Eingriff die Gefahr von Komplikationen erhöhen würde. Die neue Niere liegt im Beckenraum zwar recht geschützt, aber näher an der Bauchdecke als die alte und ist dort sogar tastbar. Sie nimmt ihre Funktion normalerweise innerhalb 2 bis 7 Tagen, spätestens nach 2 Wochen auf. Der Patient erholt sich meist rasch. Die Hautklammern werden nach etwa 10 Tagen entfernt, der Krankenhausaufenthalt beträgt insgesamt 3 bis 8 Wochen.

Welche Komplikationen können auftreten?

Komplikationen treten vorwiegend direkt im Anschluss an die Operation auf. Dazu gehören Verschlüsse der Nierengefäße durch Blutgerinnsel und undichte Stellen an den Verbindungsnähten. Am meisten gefürchtet sind jedoch die Transplantatabstoßung und Infektionen. Vielfach lassen sich die Schwierigkeiten mit einer adäquaten Therapie rechtzeitig in den Griff bekommen, ohne dass der Betroffene das neue Organ verliert.

Mit der neuen Niere leben

Direkt im Anschluss an die Operation wird mit der medikamentösen Therapie begonnen, die eine Abstoßungsreaktion verhindert. Diese Immunsuppressiva müssen lebenslang und nach einem starren Schema eingenommen werden. Da sie das Immunsystem unterdrücken, sind die Betroffenen anfälliger für Infektionen.

Andere Medikamente dürfen nur in Absprache mit dem Arzt zum Einsatz kommen – selbst Kopfschmerztabletten oder homöopathische Mittel können fatale Folgen haben. Extrem wichtig sind auch regelmäßige Kontrolluntersuchungen, um die Funktion der neuen Niere und die Medikamentendosierung zu prüfen und frühzeitig Komplikationen zu erkennen.

Eine spezielle Diät ist nicht notwendig, die Ernährung sollte allerdings ausgewogen und salz-, cholesterin-, fett- und zuckerarm sein. Arbeiten, Sport, Reisen, Schwangerschaft – prinzipiell ist alles möglich, solange Extrembelastungen vermieden werden.

Die Aussichten, lange mit einer fremden Niere zu leben, sind aufgrund der potenten Medikamente mittlerweile recht gut. Bei einem von zehn Patienten wird die Niere im ersten Jahr abgestoßen und der Betroffene muss wieder zur Dialyse. Nach fünf Jahren arbeitet bei 70 bis 80% der Patienten die Spenderniere noch reibungslos. Mittlerweile gibt es Betroffene, die bereits seit mehr als 30 Jahren mit ihrer neuen Niere leben!

Aktualisiert: 23.01.2017 – Autor: Dagmar Reiche

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