Lifeline Logo

Welche Dialyseformen gibt es?

Welche Dialyseformen gibt es?

In Deutschland überwiegt mit 86,1% die Hämodialyse (HD). Dabei wird direkt an den Blutkreislauf eine "künstliche Niere"(= Hämodialysator) angeschlossen, die zwar keine optische Ähnlichkeit mit den richtigen Nieren hat, aber in gewissen Grenzen deren Funktion nachahmen kann. Allerdings entspricht ihre Entgiftungskapazität nicht mehr als 10–15% gesunder Nieren.
Der Hämodialysator besteht aus einem System mehrerer Kunststoffmembranen, an denen das gerinnungsunfähig gemachte Blut mittels einer Pumpe vorbeigeführt wird. Auf deren anderen Seite befindet sich eine Salzlösung, in welche die Schlackenstoffe durch den Konzentrationsunterschied übertreten. Zusätzlich wird Wasser abgepresst ("Ultrafiltration"). Eine Maschine überwacht den genauen Ablauf, die Funktionen, Temperatur, Blutdruck u.a. Parameter. Die Prozedur dauert 3–5 Stunden und benötigt etwa 120 l Wasser.

Was ist ein Shunt?

Da sich die Giftstoffe nach und nach wieder im Blut ansammeln, muss die Behandlung etwa 3-mal pro Woche durchgeführt werden. Da dafür regelmäßig ein Zugang zum Blutsystem des Patienten nötig ist, bekommt dieser einen sog. Shunt gelegt – eine ständige Verbindung zwischen einer Arterie und Vene, in der Regel am Unterarm, wodurch sich die Vene stark weitet und deshalb gut punktiert werden kann.

Die Behandlung wird meist in speziellen Dialysezentren durchgeführt, ist aber auch als Heimdialyse möglich. Relativ häufige Nebenwirkungen der HD sind Kreislaufstörungen mit Blutdruckabfall und Übelkeit, Muskelkrämpfe und Herzrhythmusstörungen sowie Infektionen und Verschlüsse des Shunts.

Hämofiltration (HF)

Bei dieser Form passieren die Abfallstoffe die Membran nicht passiv, sondern werden aktiv hindurch gepresst. Die entfernte Flüssigkeit wird durch eine Infusionslösung ersetzt. Die HF kommt nur in 0,1% bis 1,3% der Fälle zum Einsatz.

Hämodiafiltration (HDF)

Wie der Name vermuten lässt, ist dieses Verfahren eine Kombination der beiden oben genannten Verfahren. Es wird – je nach Bundesland – zwischen 5 und 24% eingesetzt.

Peritonealdialyse (PD)

Dieses Verfahren macht sich die halbdurchlässigen Eigenschaften des Bauchfells (Peritoneum) und der Gefäßwände zunutze. Dem Patienten wird ein dauerhaft liegender Kunststoffkatheter eingepflanzt, über den 4- bis 6-mal täglich die sterile Spülflüssigkeit in die Bauchhöhle eingeleitet, dort 5–8 Std. belassen und wieder abgelassen wird. Die Giftstoffe aus dem Blut wandern durch das Bauchfell dort hinein und können so entfernt werden.

Das Verfahren kann in verschiedenen Modifikationen und mit zusätzlichen Geräten durchgeführt werden und zwar vom Patienten selbst. Das hat den Vorteil der Unabhängigkeit und Flexibilität, eine gleichmäßigere Konzentration der Giftstoffe im Blut und weniger strikte Diäterfordernisse. Damit ist die PD besonders für Kinder geeignet. Nachteil ist, dass die Gefahr einer Bauchfellentzündung erhöht ist. Durch die Zugabe von Zuckerstoff in der Spülflüssigkeit wird zwar das überflüssige Wasser aus dem Körper entfernt, allerdings besteht die Gefahr von Stoffwechselstörungen. In Deutschland wird die PD bei etwa 1–7% der Patienten angewendet.

Aktualisiert: 30.10.2017 – Autor: Dagmar Reiche

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?