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Ischiassyndrom - Wenn Rückenschmerz ins Bein ausstrahlt

Frau mit Ischiassyndrom © istockphoto, monkeybusinessimages

"Ich hab’s wieder mit dem Ischias" - wenn früher Tante Käthe wie üblich im Winter klagte, ahmte man hinter ihrem Rücken kichernd ihre schiefe Haltung nach. Jahrzehnte später taucht diese Kindheitserinnerung wieder auf, während beim Kistenschleppen ein plötzlicher Schmerz ins Bein zieht. "Ischias" ist zunächst einmal eine Kurzform für den Nervus ischiadicus, der längste und dickste Nerv des Menschen. Er entspringt beidseitig aus dem Plexus lumbosacralis, einem Nervengeflecht, das aus vielen Rückenmarksnerven in Höhe des Kreuzbeins gebildet wird. Der Ischias zieht am Gesäß und der Rückseite des Oberschenkels – dessen Beuger er versorgt – entlang zur Kniekehle, wo er sich in den Schienbein- und Wadennerv aufteilt und damit die Muskeln und Haut von Unterschenkel und Fuß versorgt. Nicht selten kommt es zu Störungen im Verlauf des Nervus ischiadicus, die zu typischen Schmerzen und Ausfällen führen können. Dies wird als Ischiassyndrom bezeichnet, im Volksmund abgekürzt ebenfalls als "Ischias".

Wie entsteht ein Ischiassyndrom?

Mit Abstand die häufigste Ursache sind Störungen im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule. Die Knochenfortsätze an den Wirbelkörpern verbinden die benachbarten Wirbel beweglich miteinander. Dazwischen liegen Aussparungen, durch welche die Rückenmarksnerven heraustreten; diese Stellen werden auch als Nervenwurzel bezeichnet.

Kommt es zu Verschleißerscheinungen der Bandscheiben (wie bei einem Bandscheibenvorfall) und/oder der Wirbelkörper, können sich diese Zwischenwirbellöcher so verengen, dass die Nervenwurzeln dort gequetscht werden. Aufgrund der anatomischen Gegebenheiten ist der Bereich am Übergang von Lendenwirbelsäule zum Kreuzbein besonders häufig betroffen, also dort, wo die Nervenwurzel des Ischiasnervs liegt. Besteht eine Verengung, können abrupte Bewegungen, Drehungen oder Heben einer schweren Last eine Beschwerdeattacke hervorrufen.

Weitere Auslöser für die Nervenreizung sind kühle Zugluft, insbesondere nach Durchnässung (z.B. wenn man mit einer feuchten Badehose auf einem kalten Stein sitzt) oder auch der Druck auf die Nervenfasern durch einen Tumor im kleinen Becken bzw. durch das Ungeborene während einer Schwangerschaft. Seltenere Ursachen sind Nervenentzündungen z.B. durch Infektionen wie die Gürtelrose, Schädigungen im Rahmen chronischer Krankheiten wie Diabetes mellitus und Rheuma oder Knochenverletzungen der Hüfte.

Aktualisiert: 22.01.2016 – Autor: Dagmar Reiche

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