Migräne bei Kindern

Kind mit Migräne © Karolina Grabowska / Kaboompics

Wenn Kopf und Bauch bei den Kleinsten der Familie einmal weh tun, denken sich die meisten Eltern nichts Schlimmes dabei. Doch manchmal steckt Migräne dahinter, und das öfter, als man annimmt. Zwischen drei und zehn Prozent beziffern Fachleute die Anzahl der Kinder, die hierzulande an Migräne leiden. Migräne sind nicht einfach nur Kopfschmerzen. Es vielmehr eine Erkrankung, die den gesamten Menschen betrifft. Zum Krankheitsbild gehören neben den anfallsartig auftretenden, heftigen Kopfschmerzen auch Übelkeit und/oder Erbrechen, sowie eine hohe Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen. Das Leiden selbst ist ein altbekanntes: Schon Hildegard von Bingen, die im Mittelalter als Heilkundige von sich reden machte, litt an dieser Krankheit.
 

Kinder und Migräne: Symptome

Wie erkenne ich, ob mein Kind an Migräne leidet? Zu den wichtigsten Symptomen gehört, dass die Kinder plötzlich aufhören zu spielen, keinerlei Interesse mehr an ihrer Umwelt zeigen und in vielen Fällen versuchen, Licht und Geräusche zu meiden. Übelkeit und Erbrechen oder einfach nur starke Bauchschmerzen sind auch typisch für die kindliche Migräneform, der bei Erwachsenen vorherrschende Kopfschmerz kann sogar ganz fehlen.

Oft überkommt die kleinen Patienten nach dem Erbrechen eine starke Müdigkeit. „Den Schmerz ausschlafen“ nennen Mediziner diese bleierne Müdigkeit im Anschluss an eine Krankheitsattacke. Nach dem Aufwachen ist die Migräne meist vergessen und die Kinder verhalten sich wieder normal. Je nach Alter wirkt sich die Migräne anders aus. So erbrechen sich fast alle Migränepatienten, die jünger als zehn Jahre sind. Ihre Anfälle dauern oft sechs Stunden oder weniger, selten mehr als 24.

Ältere Kinder können von Migräneattacken geplagt werden, die sich über mehrere Tage hinziehen. Die Häufigkeit von Brechanfällen nimmt mit zunehmendem Alter ab, viele Patienten leiden als Jugendliche und Erwachsene eher unter so genannten Spannungskopfschmerzen.

Ursachen und Auslöser von Migräne

Die Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig erforscht. Eine familiäre Veranlagung ist aber wahrscheinlich. Ausgelöst wird der Anfall bei vielen Patienten durch so genannte „Triggerfaktoren“. Zu ihnen zählen helles, flimmerndes Licht, Sonne, zuviel oder zuwenig Schlaf und auch bestimmte Nahrungsmittel: Schokolade, Käse, Rotwein, Kaffee und Tee. Für die Vermeidung von Migräneanfällen bei Kindern ist natürlich das Weglassen der Schokolade wichtig.

Auch hektische, stark flackernde Computerspiele stehen unter dem Verdacht, Migräne zu begünstigen. Eltern von kleinen Migränepatienten sollten darum darauf achten, dass der Nachwuchs nicht zu lange und zu häufig vor den flimmernden Bildschirm sitzt. Stress ist und bleibt aber einer der Hauptauslöser. Schon in der Schule geraten viele Kinder so sehr unter Leistungsdruck, dass sie regelmäßig von Kopf- oder Leibschmerzen mit Brechattacken geplagt werden. Kommen Belastungen im privaten Bereich hinzu – sei es eine Familienkrise oder anspruchvolle Hobbies, die Leistungsdruck erzeugen – verschärft sich die Problematik. Auch positiver Stress, wie die Vorfreude auf einen Ausflug oder ein Fest, kann Migräne auslösen.

Wichtig für die betroffenen Familien ist eine gute Diagnostik und Beratung von Seiten des Haus- oder Facharztes. Andere Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden, ehe die Diagnose Migräne wirklich feststeht.

Was können Eltern tun?

Zu Beginn der Diagnostik sollten die Eltern über mehrere Wochen ein Tagebuch führen, in dem die genaue Anzahl der Anfälle, die Dauer und die möglichen Auslöser (Klassenarbeit, Sport, Kindergeburtstag usw.) verzeichnet werden. Auch was und wieviel gegessen wurde, ist ein wichtiger Punkt. Wenn ein Anfall erfolgt, sollten die Kinder die Möglichkeit bekommen, sich in ein ruhiges, dunkles Zimmer zurückzuziehen und den Schmerz "wegzuschlafen". Oft reicht dies aus, ohne dass Medikamente zum Einsatz kommen müssen.

Zur Vorbeugung ist eine gutes Schlafmanagement wichtig: regelmäßige Schlafzeiten, das Bett nur zum Schlafen aufsuchen - nicht etwa zum Fernsehen, Videospielen oder für die Hausaufgaben. In einigen Fällen können spezielle Medikamente helfen, wenn eine Migräneattacke auftritt. Ob und welche Wirkstoffe eingesetzt werden, muss aber der Facharzt entscheiden.

Aktualisiert: 22.06.2016 - Autor: Susanne E. Kaiser

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