Unterleibsschmerzen als Alarmsignal

Frau mit starken Unterleibsschmerzen und Wärmflasche © istockphoto, AndreyPopov

Unterleibsschmerzen wurden früher als typisches Frauenleiden abgetan. Dabei können auch Männer – wenn auch seltener – von Unterleibsschmerzen betroffen sein. Die Ursachen für Unterleibsschmerzen sind äußerst unterschiedlich, denn die Schmerzen sind keine Krankheit, sondern ein Symptom.

Unterleibsschmerzen: wann, wo, wie stark?

Ebenso verschiedenartig sind die Arten der Beschwerden: Ob sehr starke Unterleibsschmerzen oder ein leichtes Unterleibsziehen, krampfartig oder pochend, links, rechts oder mittig – all diese Merkmale dienen der Anamnese und sollten deshalb genau beobachtet werden.

Auch wird der Arzt danach fragen, ob die Unterleibsschmerzen beim Gehen, nach dem Essen oder dem Genuss bestimmter Getränke wie Alkohol auftreten, ob diese Schmerzen im Unterleib erstmalig in Erscheinung treten oder ein chronisches Problem darstellen.

Starke Unterleibsschmerzen als Alarmsignal

Unterleibsschmerzen können als harmloses Symptom auftreten, wie zum Beispiel während einer akuten Magen-Darm-Verstimmung oder der Periode. Starke Unterleibsschmerzen können jedoch auch ein Hinweis auf ernsthafte Erkrankungen sein. Hier sind vor allem die Begleitsymptome ausschlaggebend, wie:

  • Blut im Stuhl
  • Blut im Urin
  • Übelkeit
  • Durchfall
  • Erbrechen
  • Fieber

Wichtig ist auch zu klären, ob die Unterleibsschmerzen in andere Regionen ausstrahlen, wie den Oberbauch, den Rücken, die Oberschenkel oder die kompletten Beine.

Viele Ursachen möglich

Mögliche Ursachen und Erkrankungen, die mit Unterleibsschmerzen einhergehen, könnten sein:

  • Verdauungsbeschwerden wie Verstopfung, Blähungen oder Durchfall
  • Erkrankungen des Darmtraktes: Darmkrebs, Darmverschluss, Verschluss von Darmgefäßen, Darmpolypen, Divertikelentzündungen und -abszesse, Blinddarmentzündung, akute Darminfektion, Reizdarmsyndrom oder entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa
  • Leistenbruch oder Abszess im Lendenmuskel
  • Tumoren
  • Bauchaortenaneurysma
  • Nierenerkrankungen: Nierenkolik, Nierensteine oder Nierenbeckenentzündung
  • Harnwegsprobleme: Harnleitersteine, Blasensteine, Blasenentzündung, neurogene Blasenfunktionsstörung und Reizblase
  • Verwachsungen und Vernarbungen vorrangegangener Operationen
  • Depressionen, Stress, Burn-Out-Syndrom
  • sexuelle Störungen, Missbrauch und Traumata, Persönlichkeitsstörungen
  • Bandscheibenvorfall
  • Fibromyalgie
  • Wirbelsäulenschäden

Plötzlich einsetzende starke Unterleibsschmerzen sind dabei oft Zeichen einer akuten Entzündung, zum Beispiel des Blinddarms, der Harnwege oder der Eierstöcke.

Unterleibsschmerzen rechts

Haben Sie Schmerzen in der rechten Leistengegend und leiden zudem unter Übelkeit, Erbrechen, Schwäche oder Fieber, liegt möglicherweise eine Entzündung des Blinddarms vor. Besonders häufig kommt dies bei Kindern und Jugendlichen vor. Eine Blinddarmentzündung muss schnellstens behandelt werden, da der Blinddarm im Extremfall platzen kann.

Ist die Gallenblase entzündet, strahlen die Schmerzen ebenfalls oftmals in den rechten Unterleib aus. Besonders oft berichten Patienten mit einer Gallenblasenentzündung über Unterleibsschmerzen nach dem Essen – vor allem nach fettigen Speisen oder Kaffee.

Unterleibsschmerzen links

Bei älteren Menschen hingegen ist eine Entzündung des Dickdarms typisch. Hierbei stülpt sich die Darmschleimhaut durch Schwächen der Darmmuskulatur nach außen. Entzünden sich diese sogenannten Divertikel, entstehen meist linksseitige Unterleibsschmerzen. Bilden sich in einem weiteren Schritt der Entzündung Abszesse oder Löcher im Darm, besteht eine lebensbedrohliche Situation. Denn unter Umständen kann sich in einem solchen Fall die gesamte Bauchhöhle entzünden.

Der linke Unterbauch ist darüber hinaus häufigste Schmerzlokalisation bei Colitis ulcerosa, einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung.

Unterleibsschmerzen rechts und links

Beidseitige Schmerzen in den Flanken können auf eine Nierenbeckenentzündung hinweisen. Nierensteine hingegen lösen erst Schmerzen aus, wenn ein Stein in den Harnleiter gelangt. Dann nehmen die Schmerzen ein sehr starkes Ausmaß an und ziehen aus den Seiten in den Unterleib.

Auch Harnweginfekte, eine Eileiterentzündung oder eine Eileiterschwangerschaft lösen dumpfe bis stechende Schmerzen oder ein Ziehen auf einer oder beiden Seiten im Unterleib aus.

Unterleibsschmerzen mittig

Nicht eindeutig lokalisierbare Schmerzen sind häufig charakteristisch für das Reizdarmsyndrom. Blähungen, Verstopfungen und Durchfall begleiten die diffusen Unterleibsschmerzen oftmals.

Auch bei einer akuten Darmentzündung oder einer Entzündung der Prostata können Schmerzen oder ein Ziehen im Unterleib mittig auftreten.

Unterleibsschmerzen beim Gehen

Schmerzen im Unterleib, die ausschließlich oder verstärkt während des Gehens in Erscheinung treten, können viele verschiedene Ursachen haben. Möglich ist eine verspannte Rücken- oder Beckenmuskulatur oder Seitenstechen. Ebenso können organische Probleme Auslöser der Schmerzen sein.

Kommen die Beschwerden immer wieder vor oder lassen sie nicht nach, sollten Sie zur Klärung der Schmerzen einen Arzt aufsuchen.

Unterleibsschmerzen bei Frauen

Neben den obengenannten Ursachen können sich auch geschlechtsspezifische Erkrankungen durch Unterleibsschmerzen bemerkbar machen. So gehen viele frauenspezifische Krankheiten mit Unterleibsschmerzen einher: Etwa die Endometriose, eine schmerzhafte Erkrankung der Gebärmutterschleimhaut. Aber auch ein Myom, eine Entzündung von Eileiter und Eierstock, sowie Eierstockkrebs oder eine Eierstockzyste führen zu Unterleibsschmerzen.

Eine Eierstockzyste entsteht beim Eisprung und ist charakterisiert durch einseitige Unterleibsschmerzen. Sie verursacht besonders dann Schmerzen, wenn sie platzt oder sich dreht. Dies kann vor allem bei jungen, sportlich aktiven Frauen passieren.

Ferner weisen Schmerzen des Unterbauchs in Zusammenhang mit Ausfluss, Zwischenblutungen oder sogar schweren Blutungen (auch in der Menopause) auf Erkrankungen der Gebärmutter hin, wie etwa:

  • Gebärmutterkrebs
  • Gebärmutterhalskrebs
  • Gebärmuttersenkung
  • eine rückwärts geneigte Gebärmutter
  • Gebärmutterentzündungen

Auch Fehlbildungen, Scheidenverengungen und Krampfadern im Beckenbereich können Unterleibsschmerzen auslösen. Bei Letzterem strahlen die Schmerzen bis in die Beine aus und treten häufig nach langem Sitzen oder Stehen in Erscheinung.

Chronische Unterleibsschmerzen

Im Gegensatz zu diesen eindeutig diagnostizierbaren Erkrankungen leiden bis zu 25 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter unter chronischen Unterleibsschmerzen, auch chronischer urogenitaler Schmerz genannt. Von chronischen Unterleibsschmerzen ist die Rede, wenn Frauen mindestens sechs Monate lang quälende Schmerzen in Bauch und Becken haben.

Bei chronischen Unterleibsschmerzen sind die Auslöser vielfältig. Probleme bereiten oft chronische Entzündungen und Erkrankungen der Geschlechtsorgane, der Harnwege und der Verdauungsorgane. Auch liegen Tumorerkrankungen im Bereich des Möglichen.

Außerdem können Störungen der Nerven, Muskeln oder der Wirbelsäule Schmerzen im unteren Bauch verursachen. Häufig sind auch psychische Probleme und Erkrankungen wie Depressionen für Unterleibsschmerzen verantwortlich.

Manchmal sind allerdings auch keine körperlichen Ursachen festzustellen; der Therapieerfolg ist nur gering. Diagnosen wie Vestibulitis (fokale Vulvitis), Levator Ani Syndrom, interstitielle Zystitis oder Vulvodynie werden äußerst selten und meist erst nach einem mehrjährigen Ärzte-Marathon gestellt, schränken die Betroffenen jedoch erheblich in ihrer Lebensqualität ein.

Unterleibsschmerzen durch die Periode

Unterleibsschmerzen werden oftmals mit der Periode in Zusammenhang gebracht. Viele Frauen klagen aufgrund der Hormonschwankungen des weiblichen Zyklus über ein leichtes Ziehen im Unterleib kurz vor oder während der Periode.

Manche Frauen, insbesondere junge Mädchen, werden während der Menstruation von krampf- oder kolikartigen, sehr starken Unterleibsschmerzen befallen. Bei starken Unterleibsschmerzen während der Periode spricht man von Dysmenorrhoe. Frauen, die in der Mitte des Zyklus Unterleibsschmerzen haben, spüren ihren Eisprung

Durch die hormonellen Veränderungen während des Zyklus können sich zusätzlich zu den Unterleibsschmerzen folgende Beschwerden einstellen:

  • depressive Verstimmungen
  • Nervosität und Reizbarkeit
  • Müdigkeit und Leistungsabfall
  • Akne
  • niedriger Blutdruck
  • Herzklopfen
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen bis hin zur Migräne
  • Appetitlosigkeit
  • Erbrechen
  • Verstopfung, Durchfall oder Blähungen
  • Übelkeit

Was hilft bei Unterleibsschmerzen während der Periode?

Ein hormonelles Präparat wie die Pille kann wirkungsvoll gegen Unterleibsschmerzen helfen. Ansonsten können neben Schmerzmitteln auch homöopathische Medikamente, pflanzliche Mittel wie Mönchspfeffer und Magnesiumpräparate Unterleibsschmerzen vertreiben.

Bewährte Hausmittel gegen Unterleibsschmerzen während der Periode sind ein heißes Bad oder eine Wärmflasche auf dem Unterleib.

Unterleibsschmerzen und Schwangerschaft

Unterleibsschmerzen in der Schwangerschaft sind zwar keine Seltenheit, jedoch genau zu beobachten, da sie einen Hinweis auf schwerwiegende Komplikationen geben können.

Meistens führen Dehnungen des runden Gebärmutterbandes und das Wachstum der Gebärmutter zu Unterleibsschmerzen während der Schwangerschaft. Das kann ein leichtes Unterleibsziehen (meist zu Beginn der Schwangerschaft), aber mit fortschreitendem Wachstum des Kindes auch krampfartige, starke Unterleibsschmerzen verursachen.

Besteht der Verdacht, schwanger zu sein, weil die Monatsblutung ausbleibt, und setzen dann plötzlich Unterleibsschmerzen und Schmierblutungen ein, könnte eine Eileiterschwangerschaft vorliegen. Starke Blutungen und Unterleibsschmerzen können auf eine Fehlgeburt oder einen Abgang hindeuten.

Weiterhin treten Unterleibsschmerzen in der Schwangerschaft bei einer Plazenta-Ablösung, in Form von verfrühten Wehen oder in Zusammenhang mit einem Faser-Geschwulst (Fibrom) auf.

Unterleibsschmerzen beim Mann

Frauen müssen sich zwar weitaus häufiger mit Unterleibsschmerzen herumplagen als Männer, doch können auch diese von solchen Schmerzen betroffen sein. Bei Männern können zum Beispiel schmerzende und verfärbte Hoden sowie Schmerzen in der Leistengegend auf eine Hodentension (Verdrehung des Hodens) hindeuten.

Zudem verursachen folgende Erkrankungen beim Mann mäßig bis starke Unterleibsschmerzen:

Junge Männer und Unterleibsschmerzen

Besonders jüngere Männer leiden häufig unter einer Prostataentzündung, was sich meist durch ein Druckgefühl und Schmerzen im unteren Bauch sowie Harnentleerungsstörungen bemerkbar macht. Zu einer akuten Entzündung der Prostata kommt es insbesondere dann, wenn Bakterien die Vorsteherdrüse befallen. Heilt eine solche Infektion nicht aus, kann sie sich zu einer chronischen Prostatitis manifestieren.

Eine Samenblasenentzündung verursacht ebenfalls oft Probleme beim Urinieren. Verantwortlich sind Infektionen mit Erregern, die unter anderem Entzündungen der Harnröhre und sexuell übertragbare Krankheiten zur Folge haben.

Eine vergrößerte Prostata ist unter Männern weit verbreitet

Eine gutartige Prostatavergrößerung tritt in der Regel bei Männern ab 30 Jahren auf und wird mit zunehmendem Alter zur wahren Volkskrankheit: Fast die Hälfte der Männer über 50 und beinahe jeder Mann über 80 hat eine gutartig vergrößerte Prostata.

Eine Behandlung ist allerdings nur dann nötig, wenn genau die Drüsenanteile wachsen, die die Harnröhre umgeben. Denn durch diese Einengung kann es zu Unterleibsschmerzen und Probleme beim Wasserlassen kommen.

Unterleibsschmerzen: Wann müssen Sie zum Arzt?

Treten die Unterleibsschmerzen nur vorübergehend und in einem erträglichen Maße auf, ist ein Arztbesuch nicht unbedingt notwendig. Beobachten Sie jedoch eines der folgenden Anzeichen, sollten sie unverzüglich einen Arzt aufsuchen:

  • anhaltende Schmerzen, die im Verlauf zunehmen
  • zusätzliche Symptome wie Fieber, Übelkeit und Erbrechen, Stuhlverhalt
  • Blut im Urin oder im Stuhl
  • niedriger Blutdruck bei einem schnellen Puls

Auch bei allen anderen untypisch lang anhaltenden oder nicht einzuordnenden Schmerzen im Unterleib ist es ratsam, zur Klärung Rücksprache mit einem Arzt zu halten.

Aktualisiert: 04.12.2018 – Autor: Daniela Heinisch; überarbeitet: Nadja Weber

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