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Urinuntersuchung

Urinuntersuchung im Labor © istockphoto, gremlin

Mit dem Urin entledigt sich der Körper überschüssiger Stoffe wie Stoffwechselschlacken, Medikamenten und Giften. Der Harn ist auch Teil eines Regelmechanismus, mit dem Flüssigkeit und Elektrolyte im Gleichgewicht gehalten werden. Seine Analyse kann Hinweise auf verschiedene Störungen geben.

Zusammensetzung des Urins

Der Harn besteht zu 95 % aus Wasser, daneben enthält er Stoffwechsel(end)produkte wie Harnstoff, Harnsäure und Kreatinin, Salze, Säuren, Farbstoffe, Hormone und wasserlösliche Vitamine. Urin wird in den beiden Nieren gebildet, in den dazu gehörigen Nierenbecken gesammelt und gelangt über die beiden Harnleiter in die Harnblase. Harndrang entsteht, sobald dort eine gewisser Füllungszustand erreicht ist; die Harnentleerung über die Harnröhre kann willentlich gesteuert werden.

Die Beschaffenheit des Urins und die Häufigkeit der Blasenentleerung hängen beim Gesunden von der aufgenommenen und über Haut und Atmung verlorenen Flüssigkeitsmenge ab. Pro Tag bilden die Nieren zunächst etwa 150 Liter Harn und reduzieren diese Menge letztlich auf 1,5–2 Liter, die ausgeschieden werden.

Der typische Harngeruch entsteht durch Harnsäure und Ammoniak. Letzterer bildet sich vermehrt, wenn Urin länger steht und ist für den dann stechenden Geruch verantwortlich. Seine Farbe erhält der Harn durch Gallenfarbstoffe, die beim Abbau der roten Blutkörperchen entstehen. Sie variiert je nach Verdünnungsgrad von hell- bis dunkelgelb.

Veränderungen im Urin: Ursachen

Ein oder mehrere der oben beschriebenen Faktoren können durch krankhafte Prozesse wie Blasenentzündungen und Nierenerkrankungen verändert werden und helfen so bei der Diagnostik. Darüber hinaus kann nach Blut, Zellen, Krankheitserregern und anderen Beimengungen gefahndet werden. Bei bestimmten Stoffwechselstörungen lassen sich Enzyme und Hormone messen, bei Störungen der Nieren- oder Blasenfunktion können sich spezielle Tests anschließen.

Im Folgenden typische Ursachen für Veränderungen der Harnfarbe, der Urinmenge und des Geruchs:

  • Farbe: Bestimmte Nahrungsmittel wie Brombeeren (rotbraun) und Rhabarber (zitronengelb) oder Medikamente wie Antibiotika (braun) und Vitamintabletten (orange) verursachen vorübergehende Verfärbungen. Bei Krankheiten oder Verletzungen der Nieren oder ableitenden Harnwege können Eiweiß, rote und weiße Blutkörperchen oder Bakterien zur Trübung oder Rotfärbung führen. Auch Leberentzündungen und Transfusionszwischenfälle oder die Porphyrie können eine Rotfärbung des Urins verursachen. Die Alkaptonurie, eine seltene Stoffwechselkrankheit färbt den Harn braunschwarz, bei einer Leberentzündung kann er auch dunkelbraun bis grünlich werden und beim Schütteln gelben Schaum aufweisen.
  • Menge und Geruch: Bei Störungen der Nierenfunktion kann die Urinproduktion eingeschränkt sein, bei bestimmten Stoffwechselkrankheiten wie der Zuckerkrankheit oder Medikamenten kommt es zu vermehrter Harnproduktion und sehr hellem Urin. Veränderungen des Geruchs können durch Nahrungsmittel bedingt sein – so tritt nach dem Verzehr von Spargel bei etwa der Hälfte der Menschen ein typischer Geruch auf. Streng riechender Harn ist Folge einer bakteriellen Infektion, ein fauliger Geruch kann durch Blasentumoren verursacht sein. Typisch ist ein säuerlicher, azetonähnlicher Geruch bei der Zuckerkrankheit, wenn sie nicht gut eingestellt ist.

Gewinnen einer Urinprobe

Im Allgemeinen wird die Probe aus dem Mittelstrahlurin gewonnen, also der mittleren Urinportion von etwa 20–40 ml, die – ohne den Harnstrahl zu unterbrechen – aufgefangen wird, nachdem die erste Portion in die Toilette entleert wurde. Das soll gewährleisten, dass evtl. enthaltene Keime nicht aus den äußeren Genitalien, sondern den Harnwegen stammen. Um das Risiko einer Verunreinigung der Probe zu verringern und damit die Aussagekraft der Analyse zu sichern, sollte der Betroffene folgende Punkte beachten:

  • Der Harn muss in einem verschließbaren, sauberen Urinbecher aufgefangen werden. Arzt oder Apotheker stellen diesen zur Verfügung.
  • Die Geschlechtsorgane müssen vorher sorgfältig gewaschen werden.
  • Beim Wasserlassen sollte die Frau ihre Schamlippen spreizen, der Mann seine Vorhaut zurückziehen.

Muss in Sonderfällen der Urin sicher steril sein, kann er auch durch den Arzt mittels eines Katheters oder einer direkten Punktion der Harnblase durch die Bauchdecke gewonnen werden.

Aktualisiert: 24.05.2012 – Autor: Dagmar Reiche

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