Vorsorge für Männer: Welche Untersuchungen sind wichtig?

Mann bei Vorsorgeuntersuchung © istockphoto, didesign021

Vorsorgeuntersuchungen beim Mann dienen der Früherkennung von häufig auftretenden Erkrankungen. Einige dieser Untersuchungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen ab einem gewissen Alter bezahlt, für andere werden die Kosten hingegen nicht übernommen. Neben der allgemeinen Gesundheitsuntersuchung ("Check-up 35") und dem Screening auf Haut- und Darmkrebs ist für Männer insbesondere die Untersuchung der Prostata zur Krebsvorsorge wichtig. Wir haben für Sie einen Überblick über die empfohlenen Vorsorgemaßnahmen bei Männern zusammengestellt und erklären, wie oft Sie auf welche Vorsorgeleistung Anspruch haben.

Wofür Vorsorgeuntersuchungen?

Der Begriff "Gesundheitsvorsorge" suggeriert irreführenderweise, dass Vorsorgeuntersuchungen die Entstehung von Krankheiten verhindern können. Tatsächlich können die Untersuchungen jedoch lediglich Risikofaktoren und Erkrankungen im Frühstadium erkennen.

Der Nutzen liegt darin, dass früh erkannte Krankheiten in vielen Fällen besser behandelbar sind. Von den Krankenkassen werden daher nur Vorsorgemaßnahmen für Erkrankungen bezahlt, bei denen eine frühzeitige Behandlung nachgewiesenermaßen Vorteile bringt.

Welche Vorsorgeuntersuchungen gibt es?

Für erwachsene Männer gibt es sechs Vorsorgeuntersuchungen, deren Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen ab einem gewissen Lebensalter übernommen werden. Zudem haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf Maßnahmen zur Zahnvorsorge.

Darüber hinaus gibt es einige andere Untersuchungen, die selbst bezahlt werden müssen. Zu diesen sogenannten IGeL (individuelle Gesundheitsleistungen) gehören unter anderem Untersuchungen zur Früherkennung von:

  • Grünem Star (Glaukom)
  • Alzheimer-Demenz
  • Harnblasenkrebs
  • erhöhtem Schlaganfallrisiko

Zudem zählen der PSA-Test als Screening auf Prostatakrebs sowie die Bestimmung des HbA1c-Wertes zur Früherkennung von Diabetes mellitus dazu.

Vorsorge ab 35: Gesundheitscheck und Hautkrebs-Screening

Ab 35 Jahren wird für beide Geschlechter die Durchführung einer allgemeinen Gesundheitsuntersuchung beim Hausarzt ("Check-Up 35") empfohlen und in zweijährlichem Abstand von den Krankenkassen bezahlt.

Die Untersuchung dient der Erkennung von Risikofaktoren und Frühstadien von Diabetes sowie von Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Nieren. Der Gesundheitscheck beinhaltet neben einem ausführlichen Gespräch und einer Ganzkörperuntersuchung einen Blut- und Urintest.

Viele Hausärzte bieten zusätzlich eine Untersuchung der Körperoberfläche auf Hautkrebsvorstufen an. Dieses Hautkrebs-Screening wird ebenfalls ab 35 Jahren alle zwei Jahre bezahlt und kann auch bei Dermatologen durchgeführt werden.

Darmkrebsvorsorge ab 50: Wie oft zur Darmspiegelung?

Ab einem Alter von 50 Jahren sollten Männer wie Frauen einmal im Jahr einen Test auf verborgenes Blut im Stuhl sowie eine Tastuntersuchung des Enddarms durchführen lassen. Ab 55 Jahren wird eine Darmspiegelung (Koloskopie) alle zehn Jahren empfohlen.

Bei positivem Stuhltest sollte eine Koloskopie im Abstand von zwei Jahren durchgeführt werden. Die Kosten der Untersuchungen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen.

Vorsorge für den Mann

Männer haben ab dem 45. Lebensjahr jährlich Anspruch auf eine urologische Untersuchung zur Krebsfrüherkennung. Dabei werden die Geschlechtsorgane und die Prostata untersucht sowie die Lymphknoten in der Leiste abgetastet. Die Untersuchung kann von einem Hausarzt oder einem Urologen durchgeführt werden.

Zudem können Männer seit Januar 2018 ab 65 Jahren einmalig eine Ultraschalluntersuchung der Bauchschlagader wahrnehmen. Dieses Screening dient der Früherkennung einer Aussackung der Bauchschlagader (Bauchaortenaneurysma), die häufig lange symptomlos bleibt und bei einem Riss der Gefäßwand schlimmstenfalls lebensbedrohlich werden kann.

Krebsvorsorge durch PSA-Test?

Die Bestimmung des PSA-Wertes (PSA = Prostataspezifisches Antigen) zur Früherkennung von Prostatakrebs wird unter Experten kritisch diskutiert. Zwar ist bei Männern mit Prostatakrebs der Blutwert in der Regel erhöht, allerdings können viele andere Faktoren wie körperliche Anstrengung, Geschlechtsverkehr oder eine gutartige Prostatavergrößerung zu einer PSA-Erhöhung führen. Der Test gilt somit als fehleranfällig.

Zudem ist der Nutzen des PSA-Screenings umstritten. Daher wird die PSA-Bestimmung von den gesetzlichen Krankenkassen nur dann bezahlt, wenn die Tastuntersuchung der Prostata zuvor auffällig war. Ein Informationsblatt über Vor- und Nachteile des PSA-Tests wird vom Krebsinformationsdienst bereitgestellt.  

Zahnvorsorge: Was übernimmt die Krankenkasse?

Erwachsene Männer können zweimal im Jahr eine kostenlose Kontrolluntersuchung beim Zahnarzt durchführen lassen. Zudem werden eine Zahnsteinentfernung jährlich sowie eine Parodontitis-Früherkennung alle zwei Jahre von der Krankenkasse bezahlt.

Weiterhin übernehmen einige Krankenkassen freiwillig die Kosten für eine professionelle Zahnreinigung (PZR) oder bieten Zuschüsse an.

Welche Vorsorgeuntersuchungen sind sinnvoll?

Grundsätzlich sind alle im Leistungskatalog der Krankenkassen enthaltenen Vorsorgeuntersuchungen für den Mann sinnvoll und sollten der eigenen Gesundheit zuliebe regelmäßig in Anspruch genommen werden. Auf der Internetseite der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) finden Sie eine Liste aller Vorsorgeuntersuchungen, auf die Sie Anspruch haben.

IGeL: Nutzen und Kosten abwägen

IGeL-Vorsorgemaßnahmen werden hingegen in der Regel von den Krankenkassen nicht bezahlt, weil ihr Nutzen nicht nachgewiesen ist oder in einem unangemessenen Verhältnis zu möglichen Schäden und Kosten steht.

Allerdings können IGeL-Vorsorgeuntersuchungen in einigen Fällen sinnvoll sein. Die Seite "IGeL-Monitor" stellt für jede Selbstzahlerleistung eine wissenschaftlich fundierte Bewertung und Erklärung bereit, auf deren Basis Versicherte eine informierte Entscheidung für oder gegen IGeL treffen.

Wann zum Arzt?

Wenn Sie Beschwerden bekommen oder Veränderungen bei sich bemerken, die auf eine Erkrankung hinweisen könnten, sollten Sie nicht auf den nächsten Vorsorgetermin warten, sondern zeitnah einen Arzttermin vereinbaren. Untersuchungen zur begründeten Abklärung eines Krankheitsverdachts werden von der Krankenkasse in aller Regel bezahlt.

Aktualisiert: 08.02.2018 – Autor: Jana Wittkowski

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