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Antibiotikum Ciprofloxacin

Frau nimmt Antibiotikum Ciprofloxacin © istockphoto, tommaso79

Ciprofloxacin ist ein verschreibungspflichtiges Antibiotikum, das zur Behandlung von bakteriellen Infektionen eingesetzt wird. Es wird unter anderem bei schweren Harnwegsinfektionen wie beispielsweise einer Blasenentzündung oder einer Nierenbeckenentzündung verschrieben. Zu den typischen Nebenwirkungen von Ciprofloxacin zählen Durchfall, Übelkeit und Hautausschläge. Jedoch kann es auch zu weitaus schwerwiegenderen Nebenwirkungen kommen, weshalb die Verschreibung nur unter bestimmten Voraussetzungen erfolgen sollte. Erfahren Sie hier, welche Nebenwirkungen auftreten können und was Sie bei der Einnahme des Antibiotikums alles beachten sollten.

Verschreibungspflichtiges Antibiotikum

Bakterien, Viren und Pilze versuchen ständig, in unseren Körper einzudringen. Ist das Immunsystem intakt, werden die Erreger meist schnell unschädlich gemacht. Bei einem geschwächten Immunsystem können sie sich jedoch im Körper vermehren und eine Infektion hervorrufen. Handelt es sich bei den Erregern um Bakterien, können diese mit einem Antibiotikum bekämpft werden.

Ciprofloxacin ist ein verschreibungspflichtiges Antibiotikum aus der Gruppe der Fluorchinolone – auch Gyrase-Hemmer genannt. Dieser Name leitet sich von der Wirkweise der Substanz ab: Ciprofloxacin blockiert im Körper das Eiweiß Gyrase, welches Bakterien benötigen, um sich zu vermehren. Können sich die Bakterien nicht mehr weiter vermehren, heilt die Entzündung ab.

Ciprofloxacin als Reserveantibiotikum

Aufgrund einiger erheblicher Nebenwirkungen dient Ciprofloxacin heute als sogenanntes Reserveantibiotikum. Solche Antibiotika werden nur bei Infektionen verwendet, bei denen kein anderes Antibiotikum gewirkt hat. In solchen Fällen handelt es sich dann um eine Infektion mit resistenten Erregern.

In der Therapie einer einfachen Infektion werden Reserveantibiotika in der Regel vermieden, um eine Resistenzentwicklung zu vermeiden. Oftmals sind Reserveantibiotika – wie auch im Falle von Ciprofloxacin – mit schwerwiegenden Nebenwirkungen behaftet.

Wann wird Ciprofloxacin angewendet?

Ciprofloxacin kann verwendet werden zur Behandlung von folgenden bakteriellen Infektionen: 

  • der Atemwege
  • im Hals-Nasen-Ohren-Bereich
  • der Augen
  • der Geschlechtsorgane
  • des Magen-Darm-Traktes
  • der Galle
  • der Niere und der ableitenden Harnwege
  • der Haut
  • von Knochen und Gelenken

Daneben wird Ciprofloxacin auch bei einer Blutvergiftung, bei Mukoviszidose und bei Milzbrand eingesetzt.

Nebenwirkungen von Ciprofloxacin

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Ciprofloxacin zählen Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall, Verdauungsstörungen, Übelkeit und Erbrechen sowie Hautausschläge.

Gelegentlich können zudem folgende Nebenwirkungen auftreten:

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Müdigkeit
  • Schlaflosigkeit
  • Benommenheit
  • Verwirrtheit
  • Nervenschädigungen wie Geruchs- und Geschmacksstörungen
  • Blutbildveränderungen
  • Augenbrennen
  • Schmerzen, Schwellungen oder Abrisse im Bereich der Sehnen, Muskeln oder Gelenke
  • niedriger Blutdruck
  • Anstieg der Leberwerte

Seltene und sehr seltene Nebenwirkungen

In seltenen Fällen kann es durch die Einnahme von Ciprofloxacin zu den nachstehenden Nebenwirkungen kommen:

  • allergischen Reaktionen
  • Empfindungsstörungen
  • Krampfanfälle
  • Angstzustände
  • Halluzinationen
  • Depressionen
  • Ohrensausen
  • Schwerhörigkeit
  • Einschränkungen der Nierenfunktion
  • Luftnot

Sehr selten ist, dass Nebenwirkungen wie Blutarmut, Leberversagen, Sehnenentzündungen, Hautblutungen, psychotische Reaktionen sowie ein erhöhter Schädelinnendruck auftreten.

Weitere Nebenwirkungen

Wird Ciprofloxacin äußerlich am Ohr angewendet, tritt dort häufig Juckreiz auf. Schwere Nebenwirkungen wie Tinnitus oder Hautentzündungen sind dagegen selten. Auch bei der Behandlung von Augenentzündungen kann Juckreiz auftreten.

Zudem zählen Lidschwellungen, ein Fremdkörpergefühl im Auge, Lichtempfindlichkeit, rote Augen, Lidrandverkrustungen, Hornhautveränderungen und eine Sehverschlechterung zu den möglichen Nebenwirkungen von Ciprofloxacin.

Dosierung von Ciprofloxacin

Die Höhe der Dosierung von Ciprofloxacin hängt von der jeweiligen Infektion sowie deren Schweregrad ab. Falls vom Arzt nicht anders verordnet, können Erwachsene zweimal täglich zwischen 500 und 700 Milligramm einnehmen. Bei leichten Harnwegsinfektionen ist eine geringere Dosis ausreichend.

Das Antibiotikum wird meist oral in Form von Tabletten eingenommen, es ist jedoch auch als Suspension, in Form von Lösungen zur intravenösen Gabe sowie in Form von Augen- und Ohrentropfen zur lokalen Anwendung erhältlich.

Dauer der Anwendung

Die Behandlung dauert in der Regel zwischen fünf und 21 Tagen. Bei besonders schweren Infektionen kann das Antibiotikum aber auch über einen längeren Zeitraum angewendet werden.

Liegt lediglich eine unkomplizierte Infektion wie beispielsweise ein leichter Harnwegsinfekt vor, kann es genügen, Ciprofloxacin über einen Zeitraum von einem bis drei Tagen einzunehmen.

Hinweise zur Einnahme von Ciprofloxacin

  • Durch die Einnahme können das Reaktionsvermögen und damit verbunden die Fahrtüchtigkeit sowie die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt werden. Dies gilt insbesondere in Verbindung mit Alkohol.
  • Ciprofloxacin muss unbedingt genau nach Anweisung des behandelnden Arztes eingenommen werden und darf nicht eigenständig abgesetzt werden. Ansonsten kann es passieren, dass die Erkrankung nicht vollständig abheilt oder eine Resistenz gegen Ciprofloxacin entsteht.
  • Durch die Einnahme des Antibiotikums kann die Zahl der weißen Blutkörperchen gesenkt und der Körper anfälliger für Infektionen werden. Wenn Sie Symptome einer Infektion bei sich feststellen, kontaktieren Sie Ihren behandelnden Arzt. Dies gilt auch, wenn Anzeichen auftreten, die auf einen Sehnenriss oder Sehnenentzündung hindeuten.
  • Verzichten Sie während der Einnahme des Antibiotikums auf den Besuch von Solarien sowie auf ausgiebige Sonnenbäder.
  • Achten Sie darauf, genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen.

Gegenanzeigen von Ciprofloxacin

Unter bestimmten Umständen darf Ciprofloxacin nicht oder nur nach einer sorgfältigen Risiko-Nutzen-Abwägung eingenommen werden. Vorsicht ist bei Patienten mit folgenden Erkrankungen geboten: gestörter Leber- oder Nierenfunktion, Myasthenia gravis, gestörtem Salzhaushalt sowie speziellen Herzrhythmusstörungen oder anderen Herzproblemen. Gleiches gilt auch für Patienten, die schon einmal einen Krampfanfall erlitten haben sowie für Kinder und Jugendliche im Wachstumsalter.

Nicht angewendet werden sollte Ciprofloxacin:

  • bei einer Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff. Tritt eine allergische Reaktion auf, muss umgehend der behandelnde Arzt kontaktiert werden.
  • bei Patienten, die zu Krampfanfällen neigen.
  • bei gleichzeitiger Einnahme von Tizanidin.
  • bei einem Mangel am Enzym Glucose-6-Phosphatdehydrogenase, da ansonsten Blutbildungsstörungen auftreten können.

Ciprofloxacin während der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft sollte Ciprofloxacin nicht eingenommen werden, da es bislang keine ausreichenden Erkenntnisse über die Folgen der Anwendung gibt. Im Tierversuch wurden jedoch bei neugeborenen Tieren Knorpelschäden festgestellt. Bei einer örtlichen Verwendung von Ciprofloxacin – beispielsweise zur Behandlung von Infektionen an den Augen oder Ohren – muss eine Kosten-Nutzen-Abwägung durch den Arzt erfolgen.

Wird Ciprofloxacin innerlich angewendet, geht der Wirkstoff in die Muttermilch über und kann dem Säugling schaden. Wird das Antibiotikum während der Stillzeit eingenommen, muss daher vorher abgestillt werden. Bei einer örtlichen Anwendung ist auch während der Stillzeit eine Kosten-Nutzen-Abwägung nötig.

Wechselwirkungen von Ciprofloxacin

Wird Ciprofloxacin gleichzeitig mit bestimmten anderen Wirkstoffen eingenommen, kann es zu Wechselwirkungen kommen. Innerlich angewendet hemmt das Antibiotikum beispielsweise den Abbau von Wirkstoffen wie Clozapin, Ropinirol, Tizanidin, Methotrexat, Pentoxifyllin und Theophyllin. Dadurch werden Wirkung und Nebenwirkungen der Stoffe verstärkt. Bei den meisten Medikamenten genügt es, die Dosierung durch einen Arzt anpassen zu lassen. Lediglich Tizanidin darf gar nicht eingenommen werden.

Daneben gibt es auch Wirkstoffe, die die Konzentration von Ciprofloxacin im Körper erhöhen. Zu diesen zählt beispielsweise das Gichtmittel Probenecid. Durch die gleichzeitige Anwendung von Phenytoin kann die Ciprofloxacin-Konzentration im Körper sowohl erhöht als auch gesenkt werden.

Zu den Medikamenten, die die Wirkung von Ciprofloxacin im Körper vermindern, gehören unter anderem Antazida, die Wirkstoffe Sucralfat und Sevelamer sowie Mittel, die Kalzium, Magnesium, Eisen oder Aluminium enthalten. Muss eines dieser Mittel unbedingt eingenommen werden, sollte Ciprofloxacin mindestens zwei Stunden vorher oder vier Stunden später zugeführt werden. Dies gilt übrigens auch für Milch und Joghurt.

Wechselwirkungen mit Nahrungsmitteln

Neben Milch und Joghurt sollte während der Behandlung auch auf Kaffee, koffeinhaltige Schmerzmittel und Medikamente gegen Erkältungen – die ebenfalls häufig Koffein enthalten – verzichtet werden. Denn durch die Einnahme von Ciprofloxacin wird der Abbau von Koffein im Körper gehemmt. Diese Einschränkung gilt insbesondere für Personen, die Probleme mit Krampfanfällen oder Herzrhythmusstörungen haben.

Die Pille und Ciprofloxacin

Durch die Einnahme von Antibiotika wird die Darmflora geschädigt und bestimmte Wirkstoffe können schlechter in den Körper aufgenommen werden. So kann unter anderem auch die Wirksamkeit der Pille nachlassen.

Für Ciprofloxacin konnte bislang jedoch nicht nachgewiesen werden, dass die Schutzwirkung der Pille herabgesetzt wird. Studien scheinen eher darauf hinzuweisen, dass die Wirkung durch das Antibiotikum nicht beeinträchtigt wird. Um sicher vor einer Schwangerschaft geschützt zu sein, sollten Sie dennoch auf zusätzliche Verhütungsmittel zurückgreifen.

Kritik an Ciprofloxacin

Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone wie Ciprofloxacin stehen seit mehreren Jahren aufgrund schwerwiegender und folgenreicher Nebenwirkungen stark in der Kritik. Mitunter sind bleibende Schäden die Folge einer Einnahme von Ciprofloxacin.

So kann das Medikament Sehnenschäden wie Entzündungen oder Risse der Sehnen hervorrufen. Besonders oft kommt ein Riss der Achillessehne vor. Das Risiko hierfür ist vor allem bei älteren Menschen ab 60 Jahren erhöht.

Auch psychische Störungen wie Depressionen und Angstzustände und Nervenschäden gehören zu den langanhaltenden Nebenwirkungen. Als Ursache dieser unerwünschten Effekte wird die mögliche Schädigung der DNA von Mitochondrien durch Ciprofloxacin diskutiert. Mitochondrien sind in menschlichen Zellen für die Energiegewinnung zuständig.

Aufgrund der beschriebenen schweren Nebenwirkungen fordert auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) einen restriktiveren Umgang mit Fluorchinolonen wie Ciprofloxacin. In einem 2019 veröffentlichten Rote-Hand-Brief1 wird daher die Anwendung von Ciprofloxacin eingeschränkt und die Verschreibung nach einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung empfohlen.2 So sollte Ciprofloxacin beispielsweise nicht verschrieben werden bei Infektionen, die nicht schwerwiegend oder nicht bakteriell bedingt sind oder bei solchen Infektionen, die auch ohne Behandlung wieder abklingen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (2019): Systemisch und inhalativ angewendete Chinolon- und Fluorchinolon-Antibiotika: Risiko von die Lebensqualität beeinträchtigenden, lang anhaltenden und möglicherweise irreversiblen Nebenwirkungen – Anwendungsbeschränkungen.
  2. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (2019): Warnhinweise zu fluorchinolonhaltigen Antibiotika: Rote-Hand-Brief informiert über schwerwiegende und lang anhaltende Nebenwirkungen sowie neue Anwendungsbeschränkungen. Pressemitteilung.

Aktualisiert: 19.08.2019 – Autor: Kathrin Mehner; überarbeitet: Nadja Weber

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