Tulavirus-Infektion in Deutschland: Wie gefährlich ist die Virus-Variante?

Forscher*innen des Friedrich Loeffler-Instituts (FLI) und der Charité Berlin fanden erstmals das Tula-Hantavirus als Ursache für eine Hantavirus-Infektion. Nachdem ein 21-Jähriger mit Symptomen akuten Nierenversagens behandelt werden musste, bestätigte sich der Verdacht auf eine Hantavirus-Infektion.

Feldmaus © Getty Images/ Andrew_Howe

Die Erkrankung liegt nach mehreren Untersuchungen einer Infektion mit dem Tula-Hantavirus zugrunde, die in der Analyse der Virus-Variante von Feldmäusen ähnelte. Insgesamt wurden in Deutschland mindestens vier humanpathogene Hantaviren bei Mäusen und anderen Nagetieren analysiert.

Was ist der Hantavirus?

Der Ursprung des Hantavirus liegt im koreanischen Fluss Hantan-gang. Während des Koreakrieges litten über tausend Soldaten an einem schwer verlaufenden Fieber. In Folge konnte das verantwortliche Virus identifiziert und nach dem Fluss benannt werden.

Die verschiedenen Hantavirus-Varianten können meist bestimmten Nagetieren und ihrem Lebensraum zugeordnet werden. In Deutschland sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts die Varianten PUUV (Rötelmaus), DOBV (Brandmaus) sowie das Tula-Virus (Feldmaus) vorherrschend.

Auch Spitzmäuse, Maulwürfe und Fledermäuse wurden als Überträger registriert.

Die Seroprävalenz (der Nachweis spezifischer Antikörper) der Hantaviren in Deutschland liegt bei 1 Prozent. Die Zahl der Erkrankungen variiert aber von Jahr zu Jahr.

Wie wird das Tula-Hantavirus übertragen?

Speichel, Urin und Kot der Nagetiere sind der Infektionsherd des Hantavirus. Die Viren können auch mehrere Tage und im getrockneten Zustand eine Infektion auslösen.

Der Mensch nimmt die Viren beim Einatmen auf, indem virushaltige Aerosole durch Staub in die Lunge gelangen. Auch über verletzte Haut kann das Virus aufgenommen werden. Ebenso ist eine Übertragung durch kontaminierte Lebensmittel möglich.

Die Inkubationszeit (Zeit nach Virenaufnahme bis zur Erkrankung) beträgt meist zwei bis vier Wochen.

Wie gefährlich ist das Hantavirus?

Die Symptome Hantavirus setzen sich meist aus dem Hämorrhagischen Fieber mit renalem Syndrom (HFRS) und eine kardio-pulmonalem Syndrom zusammen.

Das sind die Symptome des Hämorrhagischen Fiebers. Die erste Phase besteht aus:

  • hohem Fieber
  • Schüttelfrost
  • Kopfschmerzen, Rückenschmerzen
  • Lethargie
  • Bauchschmerzen
  • Sehstörungen und Benommenheit
  • Petechien und anderen Hautblutungen

Die zweite Phase beginnt meist fünf bist acht Tagen. So macht sie sich bemerkbar:

Die dritte Phase tritt nach neun bis zwölf Tagen ein:

  • Nierenversagen
  • tubulointerstitielle Nephritis (Nierenentzündung)
  • seltenes Lungenödem

Die Symptome des kardio-pulmonalen Syndrom durch das Hantavirus sind:

  • hoch fieberhafter Beginn
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Myalgien (Muskelschmerzen)
  • Schwäche
  • Schwindel
  • Husten
  • Atemnotsyndrom

Die Ansteckungsgefahr von Mensch zu Mensch tritt bei den Virusvarianten aus Deutschland nicht auf. Nach Auftreten der angeführten Symptome sollte ein*e Arzt*Ärztin kontaktiert und eine Hantavirus-Infektion ausgeschlossen werden.

Bei Erkrankung mehrerer Personen in einem Umfeld sollte der Infektionsherd verfolgt und beseitigt werden.

Die Wahrscheinlichkeit, am Hantavirus zu sterben, liegt zwischen 0,1 Prozent (PUUV-Infektion) und 0,9 Prozent (DOBV-Infektion) in Deutschland. Virus-Varianten anderer Länder ziehen schwerere Folgen nach sich, die Letalität liegt hierbei zwischen 10 Prozent und 15 Prozent.

Aktualisiert: 26.03.2021 - Autor: Alexandra Maul, News-Redakteurin