Appetitlosigkeit als Symptom – Ursachen & Tipps

Mann leidet unter Appetitlosigkeit
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Appetitlosigkeit, im medizinischen Sprachgebrauch auch als Inappetenz bezeichnet, kann zahlreiche Ursachen haben. Dazu zählen sowohl physische als auch psychische Erkrankungen, aber auch eine Schwangerschaft oder die Einnahme bestimmter Medikamente können dazu führen, dass wir keinen Appetit verspüren. Was bedeutet es, wenn der Appetitmangel zusammen mit weiteren Symptomen wie Müdigkeit oder Übelkeit auftritt und welche Erkrankungen und anderen Ursachen können eine Inappetenz mit sich bringen? Was hilft bei Appetitlosigkeit und wann sollte man bei Appetitverlust ärztlichen Rat suchen? Das lesen Sie hier.

Definition: Was ist Appetitlosigkeit?

Appetit beschreibt die Lust darauf, etwas zu essen. Dabei kann man generellen Appetit haben oder Appetit auf etwas Bestimmtes verspüren. Der Appetit wird, anders als das Hungergefühl, stark von Sinneseindrücken beeinflusst. Dazu gehören beispielsweise das Aussehen oder der Geruch einer Speise. Auch der emotionale Zustand oder die soziale Situation, beispielsweise das gesellige Zusammensein in einer Gruppe oder eine schöne Umgebung, können den Appetit beeinflussen.

Möchten wir etwas essen, entweder weil wir Hunger haben oder auch einfach nur Appetit verspüren, bildet der Körper in der Bauchspeicheldrüse und der Magenschleimhaut das Hormon Ghrelin, welches appetitanregend wirkt. Andere Hormone, wie Insulin oder Leptin, werden nach dem Essen ausgeschüttet. Sie wirken appetithemmend. Insgesamt handelt es sich bei Appetit- und Hungergefühl um komplexe körperliche Vorgänge, an denen eine Vielzahl von Hormonen beteiligt sind. Wie sie genau zusammenwirken, ist noch nicht komplett entschlüsselt.

Unter Appetitlosigkeit versteht man den verminderten oder komplett fehlenden Drang, Nahrung und zum Teil auch Getränke zu sich zu nehmen. Bisweilen besteht auch ein Ekel gegenüber der Nahrungsaufnahme oder bestimmten Speisen.

Appetitlosigkeit als Symptom

Appetitlosigkeit wird zu den Allgemeinsymptomen gezählt. Sie ist also eine Beschwerde, die auf eine Krankheit hinweisen kann, deren Vorkommen allein aber keine eindeutigen Rückschlüsse auf die ursächliche Erkrankung zulässt.

Auch wenn ein Hungergefühl besteht, kann Appetitmangel dazu führen, dass nicht gegessen wird. Dies kann auf längere Sicht zahlreiche Beschwerden auslösen, wie beispielsweise eine abnehmende Leistungsfähigkeit, einen starken Gewichtsverlust, Zyklusstörungen bei Frauen oder Mangelerscheinungen durch einen Mineralstoff- oder Vitaminmangel.

Appetitlosigkeit: Ursachen

Die Ursachen, die eine Appetitlosigkeit auslösen können, sind extrem vielfältig. So können körperliche Erkrankungen, ein höheres Alter oder eine Schwangerschaft dazu führen, dass man wenig oder keinen Appetit verspürt. Aber auch psychische Belastungen oder Störungen sowie bestimmte Medikamente können den Appetit beeinflussen.

Im Folgenden haben wir häufige Ursachen von Appetitlosigkeit für Sie zusammengefasst.

Körperliche Erkrankungen als Ursache

Zahlreiche Krankheiten werden von dem Allgemeinsymptom Appetitlosigkeit begleitet. Mögliche Erkrankungen, die besonders häufig mit Appetitlosigkeit in Verbindung gebracht werden, sind unter anderem:

  • Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes und der damit verbundenen Organe: Treten Beschwerden im Bereich des Magens oder des Darms auf, ist meist auch der Appetit beeinträchtigt. Zu möglichen Krankheiten gehören beispielsweise eine Darmentzündung, Magengeschwüre, Entzündungen der Magenschleimhaut oder chronische Erkrankung wie Morbus Crohn. In seltenen Fällen können auch Tumore des Magen-Darm-Traktes einen verminderten Appetit auslösen. Darüber hinaus können Erkrankungen der Galle wie Gallensteine, oder auch eine Harnvergiftung (Urämie) zu Appetitmangel führen.
  • Infektionskrankheiten: Infektionskrankheiten, wie eine Erkältung, eine Grippe oder eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2, werden häufig von Appetitlosigkeit begleitet. Dieses Symptom tritt insbesondere auf, wenn die oberen Atemwege betroffen sind. Dies liegt zum einen daran, dass der Geruchs- und der Geschmackssinn bei verstopfter Nase beeinträchtigt sind. Zum anderen werden Infekte häufig von Hals- oder Rachenschmerzen begleitet, wodurch das Schlucken schmerzhaft wird. Zudem beeinflusst Fieber das Hungergefühl und damit häufig auch den Appetit.
  • Erkrankungen im Mund: Neben durch Atemwegsinfektionen ausgelösten Entzündungen können beispielsweise auch Zahnfleischentzündungen, Aphthen, Pilzinfektionen oder, in sehr seltenen Fällen, Krebserkrankungen zu Schmerzen im Mund oder beim Schlucken führen.
  • Lebensmittelunverträglichkeiten: Lebensmittelunverträglichkeiten, wie Gluten- oder Laktoseintoleranz, können zu Beschwerden im Magen-Darm-Trakt und damit auch zu einem verminderten Appetit führen.
  • Demenz: Auch Demenzkranke sind bisweilen von mangelndem Appetit betroffen, da es passieren kann, dass sie Mahlzeiten nicht mehr als solche erkennen oder diese infolge von innerer Unruhe an Wichtigkeit verlieren.

Generell gilt, dass es bei einer Beeinträchtigung des allgemeinen Wohlbefindens durch eine Krankheit auch immer zu einem Appetitverlust kommen kann.

Appetitlosigkeit und Psyche

Auch bei einigen psychischen Erkrankungen verspüren die Betroffenen keinen Appetit. Bei der Anorexie (Anorexia nervosa oder Magersucht) stellt dies sogar eines der wichtigsten Symptome dar. Auch bei einer Alkohol- oder Drogensucht kann ein Appetitmangel vorliegen.

Essen und Appetit sind eng mit dem psychischen Zustand verknüpft. So können sich psychische Beschwerden direkt auf den Magen-Darm-Trakt auswirken. Viele Menschen reagieren beispielsweise auf Stress oder Angst mit Übelkeit, Durchfall oder Magenschmerzen, was sich wiederum auf den Appetit auswirkt.

Dass der Magen-Darm-Trakt auf Stress oder ähnliche Gefühle in dieser Weise reagiert, ist Teil eines "Notfallplans" des Körpers. Bei einer realen oder vermeintlichen Gefahrensituation (wie einer Prüfung) wird das Hormon Corticotropin Releasing Factor (CRF) ausgeschüttet. Der Magen wird in seiner Bewegung gehemmt und der Nahrungsbrei wird nicht in den Darm weitertransportiert. Die Darmbewegung wird bei akutem Stress gleichzeitig befördert und mehr Elektrolyte sowie Wasser strömen in den Darm, sodass es zu Durchfall kommen kann. Bei chronischem Stress entsteht hingegen eher Verstopfung, da die Darmbewegung in diesem Fall schließlich auch verlangsamt wird, um Energie zu sparen.

Zudem ist durch das soziale und kulturelle Umfeld Essen eng mit Wohlbefinden, Belohnung oder Geselligkeit verknüpft. Psychische Beschwerden, wie Depressionen oder Angststörungen, beeinflussen das Wohlbefinden negativ und führen oftmals auch zu sozialem Rückzug. Psychische Probleme können also aufgrund körperlicher, aber auch sozialer Ursachen einen Appetitverlust zur Folge haben.

Appetitlosigkeit in der Schwangerschaft

Grundsätzlich kann es in der Schwangerschaft zu vielen hormonellen Veränderungen kommen, die phasenweise auch das Hungergefühl beeinflussen und beispielsweise Appetitverlust, aber auch Heißhungergefühle auslösen können. Einige Frauen entwickeln während der Schwangerschaft auch Abneigungen gegen bestimmte Gerüche oder Gerichte, wie Fleisch oder Kaffee.

Viele Frauen leiden zudem vor allem in der Frühschwangerschaft an Morgenübelkeit. Diese Beschwerden können auch dazu führen, dass wenig oder kein Appetit besteht. In späteren Phasen der Schwangerschaft kann es darüber hinaus passieren, dass durch das ungeborene Kind Druck auf den Magen ausgeübt wird.

Appetitlosigkeit im Alter

Viele ältere Menschen verspüren weniger Appetit und essen deshalb auch weniger. Dies hat unterschiedliche Gründe: So nimmt die Produktion des Hormons Ghrelin, das das Appetitgefühl steuert, im Alter ab. Auch der Stoffwechsel stellt sich um und die körperliche Betätigung wird oftmals reduziert, sodass ältere Menschen weniger Energie benötigen. Zudem leiden ältere Menschen häufiger an Erkrankungen oder müssen Medikamente einnehmen – beides kann einen Appetitmangel zur Folge haben.

Neben diesen körperlichen Aspekten können auch soziale Faktoren, wie das Wegfallen von gemeinsamen Pausen auf der Arbeit oder Einsamkeit, den Appetit negativ beeinflussen.

Kein Appetit durch Medikamente

Bestimmte Wirkstoffe können den Appetit negativ beeinflussen. Dazu gehören unter anderem:

  • Antidepressiva (Fluoxetin sowie der Wirkstoff Bupropion in Kombination mit Naltrexon)
  • Beruhigungsmittel (Sedativa)
  • Symphatomimetika (Einsatz unter anderem bei COPD, Asthma oder Anaphylaxie)
  • Methylphenidat (zur Behandlung von ADHS)
  • Antibiotika

Auch Krebspatient*innen, die eine Strahlen- oder Chemotherapie erhalten, leiden häufig an mangelndem Appetit, da die Behandlung den Geschmackssinn beeinflussen und Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen oder Entzündungen im Mundraum auslösen kann.

Appetitlosigkeit mit Übelkeit oder Müdigkeit

Appetitlosigkeit im Zusammenhang mit Müdigkeit und/oder Übelkeit ist eine häufig beobachtete Kombination.

Kommt es zu Müdigkeit und Appetitlosigkeit (oder aber zu Heißhunger) sowie Symptomen wie Muskelschmerzen, Völlegefühl, Durchfall oder Blähungen, kann eine Zöliakie, also eine Unverträglichkeit gegenüber Gluten, dahinterstecken. Gluten ist ein Protein, das in einigen Getreidesorten, wie Weizen oder Hafer, vorkommt. Auch bei depressiven Verstimmungen gehen Müdigkeit und Appetitlosigkeit häufig Hand in Hand.

Appetitlosigkeit und Übelkeit weisen häufig auf eine Erkrankung im Bereich des Magens oder Darms hin. Mögliche Auslöser sind beispielsweise eine Magenschleimhaut- oder Blinddarmentzündung oder ein Reizmagen. Auch bei Migräne können neben den starken Kopfschmerzen Übelkeit und Appetitlosigkeit zu den möglichen Symptomen gehören.

Tritt Appetitlosigkeit im Zusammenhang mit Übelkeit und Müdigkeit auf, können neben Magen-Darm-Infekten oder psychischen Beschwerden möglicherweise auch Erkrankungen der Leber, eine Schilddrüsenüberfunktion oder eine chronische Niereninsuffizienz vorliegen.

Auch hier gilt: Bei zahlreichen Erkrankungen können Erschöpfungszustände, Übelkeit und Appetitlosigkeit gleichzeitig auftreten. Nur eine ärztliche Diagnose kann hier Klarheit bringen.

Appetitlosigkeit – wann zum Arzt?

Tritt die Appetitlosigkeit nur kurzzeitig auf, beispielsweise im Rahmen einer stressigen Situation, bei einer Erkältung oder einer Magen-Darm-Grippe, ist dies in der Regel kein Grund zu Besorgnis. Dies gilt auch für eine vorübergehende Appetitlosigkeit in der Schwangerschaft. Denn im Gegensatz zur lange Zeit weit verbreiteten Meinung, eine Schwangere müsse "für zwei" essen, steigt der Bedarf an Energie und Nährstoffen in der Schwangerschaft nur leicht.

Besteht der Verdacht, dass eine schwerwiegendere körperliche oder psychische Ursache hinter der Appetitlosigkeit stecken könnte, beispielsweise bei starken Begleitsymptomen, sollte aber in jedem Fall ärztlicher Rat gesucht werden. Auch wenn die Appetitlosigkeit über einen längeren Zeitraum andauert und vielleicht sogar eine Mangelernährung droht, sollte man eine Hausarztpraxis aufsuchen.

Wenn vermutet wird, dass Medikamente der Auslöser für den mangelnden Appetit sein könnten, sollte ein mögliches Absetzen oder eine Umstellung der Medikation mit dem*der behandelnden Arzt*Ärztin abgeklärt werden.

Was hilft gegen Appetitlosigkeit? Hausmittel, Medikamente & Tipps

Leidet man nur kurzzeitig an Appetitlosigkeit oder tritt sie als unvermeidbare Nebenwirkung einer Behandlung oder chronischen Erkrankung auf, gibt es ein paar Hausmittel und Tipps, die dazu beitragen können, den Appetit wieder anzuregen:

  1. Steckt Stress hinter der Appetitlosigkeit, sollten Sie die Auslöser nach Möglichkeit aus der Welt schaffen. Ansonsten können Entspannungsübungen helfen, zur Ruhe zu kommen und dadurch auch wieder Appetit zu entwickeln.
  2. Nehmen Sie bei akutem Appetitverlust bevorzugt flüssige Nahrung zu sich. Dazu gehören beispielsweise Joghurt, Suppe oder Smoothies.
  3. Essen Sie eher mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt. Dies ist leichter verdaulich und besser mit Appetitlosigkeit vereinbar.
  4. Bestimmte Kräuter und Pflanzen, wie Rosmarin, Koriander, Ingwer und Löwenzahn, sollen den Appetit anregen. Verfeinern Sie Ihr Essen damit oder kochen Sie sich einen entsprechenden Tee. Auch Getränke mit Bitterstoffen, wie Tonic Water, können gegen Appetitverlust helfen.
  5. Schaffen Sie Anreize: Sollten Sie zumindest auf bestimmte Speisen Appetit verspüren, bereiten Sie sich diese zu. Richten Sie das Essen appetitlich an, um den Appetit anzuregen und sorgen Sie beim Essen für eine angenehme Atmosphäre.
  6. Liegt der Appetitlosigkeit eine körperliche Erkrankung zugrunde, fragen Sie Ihre*n Ärztin*Arzt um Rat oder suchen Sie eine Ernährungsberatung auf. Dies kann beispielsweise bei einer Krebserkrankung sinnvoll sein.
  7. Lösen Medikamente die Appetitlosigkeit aus, halten Sie bezüglich des Einnahmezeitpunktes oder möglicher alternativer Wirkstoffe ärztliche Rücksprache.
  8. In sehr schweren Fällen von Gewichtsverlust und Mangelernährung können auch Medikamente gegen Appetitverlust eingesetzt werden (beispielsweise der Wirkstoff Megestrolacetat). Hier sollten Risiken und Nutzen aber ärztlich abgewogen werden.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
R63.0

Aktualisiert: 06.07.2022
Autor*in: Jasmin Rauch, Medizinredakteurin

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