Quitten – Früchte mit Heilwirkung

Quitten © istockphoto, Sarsmis

Während unsere Großeltern früher regelmäßig Quittenmus zubereiteten, sind Quitten heutzutage eher unbekannt. Dabei wurden Quitten schon in der Antike als Heilmittel gegen Hautentzündungen, Verdauungsbeschwerden und Erkältungen geschätzt. Die duftenden Früchte sind zudem reich an Nährstoffen. So enthalten Quitten viel Kalium, das unter anderem für den Blutdruck sowie die Funktion von Herz, Nerven und Muskeln benötigt wird.

Was sind Quitten?

Eine Quitte sieht aus wie eine Mischung aus Apfel und Birne – kein Wunder, denn die drei Kernobstarten sind eng miteinander verwandt. Benannt nach ihrer Form unterscheidet man die harte, etwas herbere Apfelquitte und die weichere, mildere Birnenquitte.

Beide Quittensorten habe eine gelbe, wollige Haut und im Inneren ein Kerngehäuse. Ihr Geschmack ist aromatisch, fruchtig und zitronig – jedoch erst im gegarten Zustand. Denn von den etwa 200 Quittenarten sind nur sehr wenige roh genießbar.

Quitten – das steckt drin

Neben reichlich Kalium liefern Quitten Mineralstoffe und Spurenelemente Natrium, Zink, Eisen, Kupfer, Mangan und Fluor, welche unter anderem für den Zellstoffwechsel und Sauerstofftransport im Körper zuständig sind.

Auch mit Vitaminen können Quitten punkten: In ihnen finden sich nicht nur Vitamin A und das für Schwangere wichtige B-Vitamin Folsäure, sondern auch jede Menge Vitamin C. Mit 38 Kilokalorien pro 100 Gramm haben Quitten übrigens weniger Kalorien als Äpfel. Als basenbildendes Obst eignen sie sich zudem prima für eine basische Ernährung.

Gesunde Wirkung von Quitten

Schon in der Antike wurden Quitten als Heilmittel eingesetzt. Folgende Wirkung wird den Inhaltsstoffen der Quitte zugeschrieben:

  • Quitten enthalten viele Ballaststoffe, Gerbstoffe und Schleimstoffe, die wegen ihrer positiven Wirkung auf die Verdauung geschätzt werden.
  • Bei rissiger oder entzündeter Haut und Sonnenbrand wirken die Schleimstoffe reizlindernd und entzündungshemmend – daher kommt Quitte auch in Kosmetikprodukten zum Einsatz.
  • Der in Quitten enthaltene Ballaststoff Pektin senkt den Cholesterinspiegel, bindet Schadstoffe und hilft so dem Körper, zu entgiften.
  • Die Inhaltsstoffe Quercetin und Pektin wirken als Antioxidantien und vernichten freie Radikale, welche die Körperzellen schädigen können.
  • Die enthaltenen Gerbsäuren und Vitamin A können bei Gicht und Arteriosklerose Linderung verschaffen.

Zudem wirken die Schleimstoffe von Quitten bei Erkältung, Halsentzündungen und Bronchitis entzündungshemmend und schleimlösend.

Schleimstoffe, die bei Husten helfen

Die Kerne einer Quitte enthalten große Mengen an Schleimstoffen, die gegen Halsweh und Husten helfen. Weicht man Quittenkerne in etwas Wasser ein und kocht sie auf, bildet sich sogenannter Quittenschleim. Getrunken lindert dieser den Hustenreiz.

Die getrockneten Kerne lassen sich auch wie Hustenbonbons lutschen. Man sollte sie allerdings nicht zerbeißen, da sie giftige Blausäure enthalten und zudem sehr bitter schmecken. Besprechen Sie daher den medizinischen Einsatz von Quittenkernen sicherheitshalber immer zuerst mit Ihrem Arzt.

Quittenschleim lindert Entzündungen

Quittenschleim beruhigt nicht nur einen gereizten Hals, sondern wirkt auch allgemein entzündungshemmend und beschleunigt die Wundheilung. Daher wird der Quittenschleim auch in Form von Umschlägen gegen Verbrennungen, Hautentzündungen, wunde Brustwarzen und Hämorrhoiden oder als Gesichtsmaske bei gestresster Haut angewendet.

Getrunken hilft der Schleim auch gegen Entzündungen des Darms und der Magenschleimhaut sowie gegen Verstopfung, da er abführend wirkt. Der aus den Kernen gekochte Quittentee wird außerdem gegen Mundgeruch empfohlen.

Quitten nicht roh essen

Die hierzulande erhältlichen Quittensorten eignen sich nicht zum rohen Verzehr. Sie sind zwar nicht giftig, aber meist hart, holzig und bitter. Seinen aromatisch-herben Geschmack entfaltet das Fruchtfleisch erst gegart, während die Säuren und Bitterstoffe verschwinden.

Vor der Zubereitung wird der bittere Flaum mithilfe eines groben Tuchs abgerieben. Entkernen Sie die Quitte anschließend, schneiden Sie sie klein und garen sie durch Kochen oder Backen. Um die Vitamine nicht durch Hitze zu zerstören, können Sie die Quitten auch schonend in einem Drucktopf garen. Die gegarten Quittenstücke lassen sich nach Belieben verarbeiten.

Verarbeiten zu Gelee, Saft oder Brot

Am häufigsten werden Quitten zu Quittengelee oder Quittenmarmelade gekocht. Dabei unterstützt das enthaltene Pektin den Gelierprozess, sodass weniger Gelierzucker als üblich benötigt wird und Quittenkonfitüre vergleichsweise wenige Kalorien besitzt.

Quitten lassen sich aber auch prima entsaften und zur Herstellung von Quittensaft sowie von alkoholhaltigem Quittenlikör oder Quittenwein verwenden. Gebacken kommen das Obst in Desserts und Kuchen zum Einsatz.

Auch als Quittenchutney, Quittenbrot und eingelegt als Beilage zu Fleischgerichten sind die Früchte beliebt. Damit die Quitten bei der Verarbeitung nicht braun werden, beträufelt man sie mit Zitronensaft.

Quitten kaufen

Quitten sind oft auf dem Wochenmarkt oder beim Gemüsehändler erhältlich. Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Quitten einen kräftigen, gelben Farbton, einen intensiven Duft und wenig Flaum haben.

Kleine Flecken auf der Schale sind nicht schlimm, Druckstellen lassen die Früchte aber schnell verderben. Quitten werden kurz vor ihrer vollen Reife geerntet, bevor ihr Fleisch körnig wird und der Pektingehalt abnimmt.

Lagern und einfrieren

Lagern Sie Quitten immer getrennt von anderem Obst, da sie ihr Aroma leicht übertragen. Bei Zimmertemperatur reifen die Früchte nach. Kühl, trocken, dunkel und luftig gelagert, halten sie bis zu acht Wochen. Reife Quitten halten im Kühlschrank etwa eine Woche.

Zum Einfrieren sind frische Früchte ungeeignet, man sollte sie vorher schälen und blanchieren. Bei zu langer Lagerung können Quitten innen braun werden und sollten dann schnell eingekocht werden. Entsorgen Sie sie aber unbedingt, wenn das Fleisch matschig und verfault wirkt.

Quittenbaum selbst anbauen

Besitzen Sie einen eigenen Quittenbaum oder Quittenstrauch, sollten Sie die Früchte in der Erntezeit zwischen September und November genau beobachten: Der richtige Erntezeitpunkt ist, wenn die Schale von grün zu gelb wechselt und noch wenig Flaum aufweist. Achten Sie darauf, dass die Quitten beim Ernten und Lagern keine Druckstellen abbekommen.

Beliebte Pflanzen sind auch die ähnlich aussehenden Zierquitten, deren Früchte ebenfalls essbar sind und wie Quitten verarbeitet werden können.

Rezept-Tipp: Quittenbrot

Quittenbrot ist ein beliebtes spanisches Dessert, das mit Brot nur den Namen gemeinsam hat. Zur Herstellung kocht man die abgeriebenen, entkernten und zerkleinerten Quitten 30 bis 40 Minuten lang in Wasser und etwas Zitronensaft.

Die Quitten werden abgesiebt und während die durchgesiebte Masse zu Quittengelee verkocht werden kann, verwendet man die Stücke für das Quittenbrot. Diese werden püriert, mit derselben Menge Zucker bei mittlerer Hitze 45 bis 60 Minuten gekocht und schließlich auf einem gefetteten Backblech verteilt. Je nach Geschmack kann das Mus mit Honig, Ingwer oder Zimt gewürzt werden.

Bei leicht geöffneter Backofentür wird die Masse bei 100 Grad etwa vier Stunden lang gedörrt. Dann schneidet man die gelartige Schicht in Rauten und wälzt sie in Puderzucker oder Mandeln – fertig ist das leckere Dessert aus Quitten.

Aktualisiert: 22.11.2016 – Autor: Silke Hamann

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