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Pilze: Pilzvergiftung

Echte Vergiftungen mit giftigen bzw. ungenießbaren Pilzen sind eher selten – in vier von fünf Fällen sind die genossenen Pilze nicht giftig, sondern grundsätzliche essbare Pilze wurden falsch zubereitet oder gelagert.

Was an Pilzen alles giftig sein kann

Wie bei anderen Nahrungsmitteln auch können sich dann Bakterien ansiedeln und die Pilze dadurch verderben. Dies wiederum führt zu einer Lebensmittelvergiftung, die so unangenehm verlaufen kann wie eine Fleischvergiftung.

Auch das Wideraufwärmen bekommt den Pilzen oft nicht – dabei zerfallen bestimmte Eiweiße, die Symptome hervorrufen können. Selten sind auch genetische Störungen, bei denen ein bestimmtes Enzym fehlt, um die Pilze zu verdauen.

Grund für die Vergiftung mit Giftpilzen ist oft Amanitin. Dieser Eiweißstoff ist z.B. in Knollenblätterpilzen enthalten und lässt sich weder durch Kochen noch durch Trocknen unwirksam machen. Doch auch andere Giftstoffe können eine Pilzmahlzeit ungenießbar machen.

Übrigens: Auch die meisten Speisepilze sind roh unverträglich und müssen ausreichend lange gegart werden. Und selbst dann sind sie für viele Menschen recht schwer verdaulich. Deshalb: Pilzgerichte immer besonders gut kauen!

Symptome einer Pilzvergiftung

Meist stehen Beschwerden des Magen-Darm-Trakts im Vordergrund: Übelkeit und Erbrechen, Bauchkrämpfe, Durchfälle – egal ob der Pilz ein echter Giftpilz oder nur falsch zubereitet war. Je nach Art der Pilze treten weitere Symptome hinzu, die durch die Wirkungen der Pilzgifte auf das Nervensystem bedingt sind: Verwirrtheitszustände, Halluzinationen, Angstattacken, Benommenheit oder umgekehrt eine krankhafte Unruhe, Gehstörungen, Muskelzuckungen und Krämpfe, Herzrasen. Später kommen dann Zeichen des lebensgefährlichen Versagens von Leber und Niere hinzu.

Übrigens: Als Faustregel gilt, dass Beschwerden, die innerhalb von wenigen Minuten bis 4 Stunden nach der Mahlzeit auftreten, oft eher von Pilzen mit geringem Giftpotential ausgelöst werden. Schwere Vergiftungen treten zeigen dagegen meist erst nach 12–16 Stunden Auswirkungen. Dies ist besonders gefährlich, da zu diesem Zeitpunkt die Gifte sich bereits im Körper verteilt haben. Der Magen ist dann bereits passiert, Erbrechen herbeizuführen, hat dann also gar keinen Effekt mehr.

Im Zweifel gilt: den Arzt anrufen und die Symptome beschreiben. Auch die Giftnotrufzentralen geben Auskunft. Erbrochenes und Pilzreste, die beim Säubern angefallen sind, sollte man für eine Analyse, die oft in Krankenhäusern durchgeführt wird, aufheben. Erbrechen kann man durch stark salzhaltiges und lauwarmes Wasser herbeiführen, damit nicht noch mehr von den Giftstoffen aufgenommen wird.

Übrigens: Nicht alle Vergiftungen enden tödlich, doch die überwiegende Zahl der Todesfälle wird durch Knollenblätterpilze verursacht. Eine Vergiftung mit einem dieser Vertreter führt bei Erwachsenen in fast 20%, bei Kindern bei der Hälfte der Fälle zum Tod.

Aktualisiert: 19.10.2017 – Autor: Dagmar Reiche

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