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Eisenmangel: Wie erkennt man ihn und wer ist gefährdet?

Collage mit verschiedenen Menschen
© Eisen-Netzwerk

Eisenmangel ist weltweit eine der häufigsten Formen von Nährstoffmangel. Er kann unterschiedlichste Ursachen haben – vor allem Frauen und Menschen mit chronischen Erkrankungen haben ein erhöhtes Risiko. Oftmals entwickelt sich ein Eisenmangel schleichend und bleibt lange unbemerkt. Typische Symptome können erste Hinweise darauf liefern, dass dem Körper zu wenig Eisen zur Verfügung steht, doch eine sichere und frühzeitige Diagnose wird nur durch eine Blutuntersuchung im Labor ermöglicht. Welche Funktion hat Eisen in unserem Körper und was sind mögliche Ursachen eines Eisenmangels? Was bedeuten die Laborwerte und wie kann man einen Eisenmangel selbst erkennen?

Ursachen von Eisenmangel

Eisenmangel kann entstehen, wenn wir langfristig weniger Eisen aufnehmen als wir verlieren. Dann kann der Körper seinen Eisenbedarf nicht über die Nahrung decken und muss stattdessen auf seine eigenen Eisenspeicher zurückgreifen, die sich nach und nach leeren.

Das kann zum Beispiel passieren, wenn die Eisenaufnahme über die Nahrung zu gering ist. Mögliche Ursachen dafür sind:

  • eine eisenarme Ernährung, etwa infolge einer unausgewogenen Diät, einer veganen oder vegetarischen Ernährung oder einer insgesamt geringen Nahrungsaufnahme (häufig bei älteren Personen)
  • Infektionen, chronische Entzündungen, Krebserkrankungen oder chronische Erkrankungen, die die Eisenaufnahme aus der Nahrung beeinträchtigen
  • Medikamente, welche die Aufnahme von Eisen hemmen, zum Beispiel Magnesium- oder Kalziumpräparate, Protonenpumpenhemmer, Abführmittel oder bestimmte Antibiotika (Fluorchinolone)

Daneben kann auch ein erhöhter Bedarf an Eisen dazu führen, dass ein Mangel an dem Spurenelement entsteht. Häufig betroffen sind zum Beispiel Menschen, die Leistungssport betreiben, schwangere und stillende Frauen oder Kinder und Jugendliche im Wachstum.

Auch ein zu starker Verlust an Eisen kann einen Eisenmangel auslösen. Ursache ist dann meist ein größerer Blutverlust. Mögliche Gründe sind zum Beispiel eine Operation oder schwere Verletzung, etwa durch einen Unfall, oder chronische Blutungen, zum Beispiel infolge eines Magengeschwürs. Bei Frauen können die Menstruation oder eine Geburt einen größeren Blutverlust zur Folge haben. Aber auch regelmäßiges Blutspenden ist ein möglicher Auslöser.

Symptome eines Eisenmangels erkennen

Anfangs kann der Körper einen Eisenmangel/-anämie ausgleichen, indem er auf seine eigenen Reserven zurückgreift. Doch wenn sich die Speicher mit der Zeit leeren, treten Mangelerscheinungen auf. Mögliche Symptome eines Eisenmangels sind:

  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Blässe
  • brüchige Nägel und spröde Haare
  • eingerissene Mundwinkel und trockene Haut
  • verminderte Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit, Vergesslichkeit
  • Kopfschmerzen und Schwindel
  • Überempfindlichkeit gegenüber Kälte
  • geschwächte Immunabwehr (erhöhte Anfälligkeit für Infekte)
  • gereizte oder niedergeschlagene Stimmung

Auch Schlafstörungen und das Restless-Legs-Syndrom können zu den möglichen Anzeichen eines Eisenmangels gehören.

Ein Eisenmangel kann unbehandelt zu einer Anämie (Blutarmut) führen, die Symptome wie Herzrasen, Benommenheit, Kurzatmigkeit oder Sehstörungen verursachen kann. Ein Eisenmangel kann negative Auswirkungen auf eine Herzinsuffizienz haben.

Eisenmangel: Bin ich betroffen?

Haben Sie den Verdacht, dass Sie von einem Eisenmangel betroffen sein könnten? Dann sollten Sie dies unbedingt ärztlich abklären lassen.

Beim Eisen-Netzwerk finden Sie eine Liste geeigneter medizinischer Anlaufstellen in Ihrer Nähe, die sich mit der Diagnose eines Eisenmangels auskennen und – falls erforderlich – eine passende Therapie in die Wege leiten können.

Eisenmangel-Schnelltest: Ermitteln Sie Ihr persönliches Risiko!

Eine erste Selbsteinschätzung ermöglicht Ihnen außerdem dieser Eisenmangel-Schnelltest. Mit nur wenigen Fragen können Sie so herausfinden, wie hoch Ihr persönliches Risiko ist, einen Eisenmangel zu entwickeln oder ob Sie vielleicht sogar bereits Symptome zeigen, die auf einen Eisenmangel hinweisen können. Für eine sichere Diagnose ist jedoch immer eine ärztliche Abklärung anhand der Blutwerte erforderlich.

Eisen und seine Funktion im Körper

Eisen übernimmt im Körper zentrale Aufgaben. Das Spurenelement ist für die Bildung roter Blutkörperchen erforderlich, denn es dient als Baustein des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin. Dieses wiederum wird benötigt, um Sauerstoff über das Blut von der Lunge zu den einzelnen Organen und Zellen zu transportieren.

Steht dem Körper zu wenig Eisen zur Verfügung, können nicht ausreichend rote Blutkörperchen gebildet werden. Die Zellen und Organe erhalten so nicht genügend Sauerstoff und damit nicht die Energie, die sie benötigen, um ihren Aufgaben nachzukommen. In der Folge fühlen wir uns müde, gereizt und abgeschlagen, unsere Leistungsfähigkeit sinkt – dies sind also wichtige Warnsignale des Körpers.

Doch Eisen ist nicht nur für die Blutbildung und somit für den Sauerstofftransport und die Energiegewinnung zuständig, es wird auch in den Muskeln benötigt. In der Muskulatur wird Eisen für die Sauerstoffspeicherung im roten Muskelfarbstoff Myoglobin gebraucht, der wiederum ohne Eisen gar nicht hergestellt werden könnte.

Darüber hinaus benötigt der Körper Eisen, um verschiedene weitere wichtige Stoffe herzustellen. Dazu gehören zum Beispiel bestimmte Enzyme im Gehirn, mit deren Hilfe bestimmte Botenstoffe zur Signalübertragung zwischen den Nervenzellen erzeugt werden. Auch bei der Infektabwehr spielt Eisen eine Rolle, denn das Spurenelement ist an der Vermehrung bestimmter Abwehrzellen beteiligt. Weitere Aufgaben liegen beispielsweise in der Zellteilung oder der Bildung von Hormonen. Klar ist: So zahlreich die Funktionen von Eisen, so unterschiedlich können auch die Folgen sein, die ein Eisenmangel mit sich bringen kann.

Bedeutung der Eisenwerte

Besteht der Verdacht auf einen Eisenmangel, sollte unbedingt ärztlicher Rat gesucht werden. Mit einer Blutuntersuchung lässt sich schnell klären, ob tatsächlich ein Mangel vorliegt und wie weit er fortgeschritten ist. Es gibt mehrere Laborwerte, mit deren Hilfe ein Eisenmangel diagnostiziert werden kann. Das liegt daran, dass Eisen an unterschiedlichen Stellen im Körper vorkommt und sich ein Eisenmangel daher in verschiedenen Blutwerten widerspiegeln kann.

Die folgenden Laborwerte können bei der Diagnose eines Eisenmangels eine Rolle spielen:

  • Transferrin-Sättigung (TSAT): Transferrin ist ein Transportstoff, an den Eisen gebunden wird. Das Eiweiß bringt das Eisen im Körper dahin, wo es benötigt wird. Gemessen wird die Transferrin-Sättigung – diese sagt aus, wie viele der Transportstoffe mit Eisen beladen sind (verfügbares Eisen). Dieser Wert sinkt bereits bei einem Eisenmangel, noch bevor eine Eisenmangelanämie auftritt.
  • Ferritin: Dieses Eiweiß bindet Eisen und ist der wichtigste Eisenspeicher in unserem Körper. Bei Bedarf kann das mithilfe des Ferritins zwischengelagerte Eisen durch den Körper wieder abgerufen und genutzt werden. Gemessen wird das Ferritin im Serum. Der Ferritin-Wert sinkt bei einem Eisenmangel, allerdings kann eine gleichzeitige Entzündung das Absinken verhindern, sodass der Ferritin-Wert in diesen Fällen unzuverlässig sein kann.
  • Hämoglobin (Hb): Dieses Protein wird auch als roter Blutfarbstoff bezeichnet. Es ist Bestandteil der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und wird unter anderem aus Eisen gebildet. Hämoglobin ist für den Sauerstofftransport im Blut zuständig. Der Hb-Wert gibt die Menge des Hämoglobins im Blut an und sinkt erst, wenn auch die Eisenspeicher geleert sind, so dass der Ferritin-Wert in diesen Fällen unzuverlässig sein kann.
  • CRP-Wert: Das C-reaktive Protein bindet zwar kein Eisen, ist aber ein wichtiger Entzündungswert. Da Entzündungen einen Eisenmangel begünstigen und zugleich den Ferritin-Wert beeinflussen können, wird der Wert meist mitbestimmt. Bei einer Entzündung ist er erhöht.
Laborwerte zur Diagnose bei Eisenmangel (Infografik)

 

Laborbefund: Was sagen niedrige Werte aus?

Welche der Werte zu niedrig und welche im normalen Bereich sind, gibt Auskunft darüber, wie weit der Mangel fortgeschritten ist und ob bereits eine Anämie vorliegt. Anfangs werden noch genügend rote Blutkörperchen produziert, während sich die Eisenspeicher (Ferritin) bereits langsam leeren und das verfügbare Eisen (Transferrin) weniger wird. Bei einer Anämie liegen schließlich zu wenig rote Blutkörperchen vor und der Hb-Wert sinkt. Das folgende Schaubild verdeutlicht die Zusammenhänge:

Veränderung der Laborwerte bei Eisenmangel (Infografik)

 

Eisenmangel – Einfluss chronischer Erkrankungen

Chronische Erkrankungen können einen Eisenmangel auf verschiedene Weise begünstigen.

Einer der möglichen Gründe ist, dass die Erkrankung den Eisenmangel direkt verursacht, etwa indem sie Blutungen verursacht (zum Beispiel bei blutigem Stuhlgang). Daneben können auch chronische Entzündungen den Mangel auslösen, da sie die Eisenspeicher versperren. Infolgedessen kann weder über den Darm Eisen aufgenommen werden, noch können vorhandene Eisenreserven genutzt werden (funktioneller Eisenmangel). Eine dritte mögliche Ursache ist, dass wegen der Krankheit nicht mehr genügend Eisen über die Nahrung zugeführt werden kann, etwa durch reduzierten Appetit oder weil Medikamente die Eisenaufnahme hemmen.

Beispiele für chronische Krankheiten, die einen Eisenmangel begünstigen können, sind:

  • Krebserkrankungen
  • chronische Herzerkrankungen (zum Beispiel Herzinsuffizienz)
  • chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (etwa Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa)
  • chronische Nierenerkrankungen (beispielsweise Niereninsuffizienz)
  • Zöliakie (Glutenunverträglichkeit)

Menschen mit chronischen Erkrankungen sind daher besonders gefährdet, einen Eisenmangel und in der Folge eine Anämie zu entwickeln. Darüber hinaus werden bei ihnen aufgrund der Vorerkrankungen die Anzeichen häufig leicht übersehen.

Die Folgen können für den ohnehin bereits geschwächten Körper schwerwiegend sein. Oft werden zudem die Symptome der Grunderkrankung durch den Eisenmangel weiter verstärkt. Wer beispielsweise durch eine chronische Herzinsuffizienz schnell außer Atem ist, bekommt bei einem zusätzlichen Eisenmangel noch schlechter Luft. Umso wichtiger ist es für Menschen mit chronischen Krankheiten, auf mögliche Symptome zu achten und ihre Blutwerte regelmäßig überprüfen zu lassen. Mehr über die Zusammenhänge zwischen Eisenmangel und chronischen Erkrankungen erfahren Sie hier.

Warum sind Frauen häufiger von einem Eisenmangel betroffen?

Frauen haben ein höheres Risiko als Männer, einen Eisenmangel zu entwickeln. Der Blutverlust während der Periode gilt als Hauptursache dafür. Besonders gefährdet sind Frauen mit einer übermäßig starken oder langandauernden Monatsblutung sowie junge Frauen, die sich noch in der Wachstumsphase befinden. Vor der Menopause, also der letzten Periode, haben Frauen daher im Vergleich zu Männern einen höheren Eisenbedarf, der oftmals über die Nahrung nicht ausreichend gedeckt wird. Doch auch in den (einige Zeit vor der Menopause eintretenden) Wechseljahren kann zunächst eine Verstärkung der Periode auftreten, die das Risiko für einen Eisenmangel erhöht.

Hinzu kommt, dass Frauen sich Studien zufolge oft anders ernähren als Männer: Mehr Obst und Gemüse, weniger dunkles Fleisch – was ansonsten gesund ist, kann sich negativ auf die Eisenzufuhr auswirken, da pflanzliches Eisen vom Körper nicht so gut aufgenommen wird wie solches aus Fleisch.

Weitere Faktoren, die das Risiko für einen Eisenmangel bei Frauen erhöhen können, sind ein möglicherweise vermehrter Eisenbedarf in Schwangerschaft und Stillzeit sowie möglicher Blutverlust während der Geburt.

Hilfreiche Broschüren rund um das Thema Eisenmangel

Sie möchten mehr über das Thema Eisenmangel und die damit verbundenen Symptome und Risiken erfahren? Beim Eisen-Netzwerk finden Sie ausführliche Informationen – verständlich aufbereitet in unterschiedlichen Broschüren zum kostenlosen Download.

Aktualisiert: 15.12.2021 - Autor: Silke Hamann, Medizinredakteurin