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Selen: Mangel und Überschuss

Selen ist ein lebenswichtiges Spurenelement, doch ein Selenmangel kommt er selten vor. Welche Folgen ein Selenmangel hat, ist noch nicht abschließend geklärt. Und auch erhöhte Selenwerte sollten vermieden werden. Wie wirken sich ein Selenüberschuss oder Selenmangel aus? Das lesen Sie hier.

Selen: Mangelerscheinungen

Wegen der großen Unterschiede im Selengehalt der Böden schwankt der Selengehalt in Nutzpflanzen sehr stark. In vielen Regionen Europas, so auch in Deutschland, enthalten die Böden nur wenig Selen – unter anderem bedingt durch den mit Schwefeldioxid belasteten sauren Regen sowie schwefelhaltige Düngemittel (Schwefel wird dann von den Pflanzen statt Selen aufgenommen). Das Spurenelement wird deshalb oft dem Viehfutter beigefügt, da die Tiere dadurch weniger krankheitsanfällig sind.

Tierische Proteine sind wegen der selenarmen Böden meist bessere Selenquellen als pflanzliche Lebensmittel. Manche Wissenschaftler stufen Deutschland als Selenmangelgebiet ein, denn häufig bleibt die tatsächliche Selenaufnahme – bei Erwachsenen durchschnittlich 60 bis 70 μg /Tag – hinter der Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zurück.

Selenmangel: Ursachen und Betroffene

Zu einem Selenmangel kann es aus unterschiedlichen Gründen kommen:

  • Betroffen von einem Selenmangel sind in vielen Fällen Personen, die zum einen mit ihrer Nahrung wenig Selen aufnehmen: Dazu gehören Menschen, die sich nur von pflanzlichem Eiweiß ernähren, schlecht versorgte alte Menschen, bei Alkoholmissbrauch, Personen mit einseitiger Ernährung, mit Sondennahrung ernährte Patienten und Dialysepatienten. Dennoch kommt ein Selenmangel durch eine zu geringe Zufuhr in Deutschland eher selten vor.
  • Auch kann ein Selenmangel entstehen, wenn vermehrt Selen ausgeschieden wird: Dies kann bei lang anhaltenden Durchfällen, aber auch über den Urin bei Diabetes mellitus oder schweren Nierenerkrankungen geschehen.
  • Magen-Darm-Erkrankungen (zum Beispiel chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa) können zu einer gestörten Selenaufnahme führen.
  • Ein erhöhter Selenbedarf kann in der Schwangerschaft, bei starken Monatsblutungen und während der Stillzeit bestehen. Auch bei Krebserkrankungen "verbraucht" der Körper mehr Selen.

Folgen von Mangel an Selen

Welche Folgen ein Selenmangel haben kann, ist noch nicht endgültig erforscht. In extremen Selenmangelgebieten Chinas und Zentralrusslands wurden schwerste Herzmuskelerkrankungen und Erkrankungen der Gelenke beobachtet. Allerdings ist nach wie vor nicht geklärt, ob diese sogenannte Keshan-Krankheit und die Kashin-Beck-Krankheit tatsächlich Folge eines Selenmangels sind oder ob andere Auslöser vorliegen.

Neuere Untersuchungen lassen außerdem einen Zusammenhang zwischen niedrigen Selenwerten und Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen sowie der Entstehung einer Arteriosklerose vermuten. Auch gibt es Hinweise darauf, dass ein Selenmangel die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann: Frauen, die Fehlgeburten erlitten, wiesen extrem niedrige Blutspiegel des Spurenelements auf. Bei Männern mit einem Selenmangel kann die Reifung und Beweglichkeit der Spermien gestört sein. Darüber hinaus können das Immunsystem und die Muskelfunktion beeinträchtigt sein.

Überdosierung von Selen

Selen in höheren Konzentration hat giftige Wirkungen. Normalerweise scheidet der Körper deshalb überflüssiges Selen mit dem Urin aus. Werden allerdings über einen längeren Zeitraum regelmäßig größere Mengen zum Beispiel über Nahrungsergänzungsmittel zugeführt, kann es zu Beschwerden kommen.

Mögliche Folgen sind Müdigkeit, Übelkeit, Durchfall, Gelenkschmerzen und Nervenstörungen. Im weiteren Verlauf dieser sogenannten Selenose kann es zu Haarausfall, Leberschädigungen, Herzmuskelschwäche und einem typischen Geruch des Atems nach Knoblauch kommen. Eine akute Selenvergiftung kann zum Tod führen.

Erwachsene sollten daher, laut Empfehlungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine tägliche Zufuhr von 300 µg Selen nicht überschreiten.

Quellen und weitere Informationen

Aktualisiert: 05.03.2020 – Autor: Dagmar Reiche; überarbeitet: Silke Hamann

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