Selen: Mangel und Überschuss

Selen: Mangelerscheinungen

Wegen der großen Unterschiede im Selengehalt der Böden schwankt der Selengehalt in Nutzpflanzen sehr stark. In vielen Regionen Europas, so auch in Deutschland, enthalten die Böden nur wenig Selen – unter anderem bedingt durch den mit Schwefeldioxid belasteten sauren Regen sowie schwefelhaltige Düngemittel (Schwefel wird dann von den Pflanzen statt Selen aufgenommen). Das Spurenelement wird deshalb oft dem Viehfutter beigefügt, da die Tiere dadurch weniger krankheitsanfällig sind.

Tierische Proteine sind bessere Selenquellen

Tierische Proteine sind wegen der selenarmen Böden meist bessere Selenquellen als pflanzliche Lebensmittel. Manche Wissenschaftler stufen Deutschland als Selenmangelgebiet ein, denn häufig bleibt die tatsächliche Selenaufnahme – durchschnittlich 30–60 μg /Tag – hinter der Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zurück.

Selenmangel: Ursachen und Betroffene

Betroffen von einem Selenmangel sind in vielen Fällen Personen, die zum einen mit ihrer Nahrung wenig Selen aufnehmen: Dazu gehören Menschen, die sich nur von pflanzlichem Eiweiß ernähren, schlecht versorgte alte Menschen, bei Alkoholmissbrauch, Personen mit einseitiger Ernährung, mit Sondennahrung ernährte Patienten und Dialysepatienten.

Zum anderen kann ein Selenmangel entstehen, wenn vermehrt Selen ausgeschieden wird: Dies kann bei lang anhaltenden Durchfällen, aber auch über den Urin bei Diabetes mellitus oder schweren Nierenerkrankungen geschehen. Magen-Darm-Erkrankungen (z .B. chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa) können zu einer gestörten Selenaufnahme führen. Ein erhöhter Selenbedarf kann in der Schwangerschaft, bei starken Monatsblutungen und während der Stillzeit bestehen. Auch bei Krebserkrankungen "verbraucht" der Körper mehr Selen.

Folgen von Mangel an Selen

Welche Folgen ein Selenmangel haben kann, ist noch nicht endgültig erforscht. In extremen Selenmangelgebieten Chinas und Zentralrusslands wurden schwerste Herzmuskelerkrankungen und Erkrankungen der Gelenke beobachtet. Allerdings ist nach wie vor nicht geklärt, ob diese sog. Kaschin-Beck-Krankheit tatsächlich Folge eines Selenmangels ist oder andere Auslöser vorliegen.

Neuere Untersuchungen lassen außerdem einen Zusammenhang zwischen niedrigen Selenwerten und Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen sowie der Entstehung einer Arteriosklerose vermuten. Auch gibt es Hinweise darauf, dass ein Selenmangel die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann: Frauen, die Fehlgeburten erlitten, wiesen extrem niedrige Blutspiegel des Spurenelements auf. Bei Männern mit einem Selenmangel kann die Reifung und Beweglichkeit der Spermien gestört sein.

Überdosierung von Selen

Selen in höheren Konzentration hat giftige Wirkungen. Normalerweise scheidet der Körper deshalb überflüssiges Selen mit dem Urin aus. Werden allerdings über einen längeren Zeitraum regelmäßig größere Mengen z.B. über Nahrungsergänzungsmittel zugeführt, kann es zu Beschwerden kommen. Dazu gehören Haarausfall, Leberschädigungen, Nervenstörungen und Herzmuskelschwäche.

Aktualisiert: 02.11.2017 – Autor: Dagmar Reiche

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