Lebensmittel mit Schwefel
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Schwefel: Wirkung auf die Gesundheit

Von: Dagmar Reiche (Ärztin und Medizinautorin), Jasmin Rauch (Medizinredakteurin)
Letzte Aktualisierung: 14.09.2023 - 15:58 Uhr

Schwefel ist ein Mineralstoff, der bereits seit dem Altertum bekannt ist. Er entfaltet im Körper unterschiedliche Wirkungen und spielt unter anderem eine Rolle im Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel. Ein Mangel an dem Mineralstoff ist selten, zu viel Schwefel im Körper kann jedoch gesundheitliche Probleme auslösen. Welche Lebensmittel Schwefel enthalten, welche Rolle er für die Gesundheit spielt und welche Wirkung die Schwefelverbindung MSM hat, erfahren Sie hier.

Schwefel ist wichtig für den Körper

Schwefel ist für viele Funktionen im Körper von besonderer Bedeutung: Er ist in Aminosäuren enthalten, aus denen körpereigene Eiweiße hergestellt werden. Schwefelhaltige Aminosäuren sind wichtig für gesunde Sehnen, Knochen, Knorpel und Muskeln. Zudem ist Schwefel ein zentraler Bestandteil von Bindegewebe und damit wichtig für die Gesundheit der Haut. Besonders schwefelreich sind Haare und Nägel, denn diese enthalten das Protein Kreatin, das wiederum zu Teilen aus Schwefel besteht.

Schwefel kommt zudem in mehreren Substanzen des menschlichen Körpers vor. Dazu gehören beispielsweise das die Blutgerinnung hemmende Heparin und das Coenzym A, welches für die Energiegewinnung in den Zellen unentbehrlich ist. Darüber hinaus ist Schwefel ein Bestandteil von Insulin.

Außerdem spielen die Salze der Schwefelsäuren (Sulfate) eine Rolle bei der Entgiftung in der Leber – schädliche Stoffe wie Alkohol werden daran gebunden und mit dem Urin ausgeschieden.

Wie viel Schwefel benötigen wir?

Schwefel zählt zu den sogenannten Mengenelementen, also den Mineralstoffen, von denen der Mensch (im Gegensatz zu den Spurenelementen) mehr als 50 Milligramm pro Tag benötigt. Er kann vom Körper nicht selbst hergestellt werden. Der Anteil an Schwefel im Körper ist 40-mal höher als der Anteil an Eisen. Dies zeigt, wie wichtig ausreichende Mengen Schwefel für die Gesundheit sind.

Da Schwefel jedoch normalerweise in ausreichender Menge über die Nahrung aufgenommen wird, existieren keine offiziellen Angaben für eine empfohlene tägliche Zufuhr. 

Zufuhr von Schwefel über die Nahrung

Schwefel kommt in den meisten eiweißhaltigen Lebensmitteln vor, da zwei häufige Aminosäuren (Cystin und Methionin) schwefelhaltig sind. Auch in bestimmten sekundären Pflanzenstoffen (Senf- und Lauchölen) ist Schwefel enthalten.

Unter anderem steckt Schwefel in größeren Mengen in den folgenden Lebensmitteln:

Zudem ist Schwefel in einigen konservierten oder getrockneten Lebensmitteln enthalten. Zu den Konservierungsmitteln mit Schwefel gehören Schwefeldioxid (schweflige Säure oder E 220), eine Mischung aus Schwefel und Sauerstoff, sowie Sulfite, die Salze von Schwefel enthalten (E 221 bis E 228). Sie kommen zum Beispiel in Trockenobst, Wein, Fruchtsäften oder fertigen Kartoffelgerichten (wie fertigem Kloßteig) vor.
 

Sind Mangelerscheinungen möglich?

Schwefel ist in praktisch jedem Nahrungsmittel vorhanden, sodass Mangelerscheinungen bei vernünftiger Ernährung bei Erwachsenen nicht zu erwarten sind. Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Schwefel sind daher nicht erforderlich.

Zu viel Schwefel im Körper

Zu viel Schwefel kann sich im Körper ansammeln, wenn sehr große Mengen an schwefelhaltigen Speisen oder mit Schwefelverbindungen haltbar gemachten Lebensmitteln gegessen werden.

Der übermäßige Verzehr von Schwefel oder Schwefelverbindungen kann die Aktivität einiger Enzyme hemmen und zu gesundheitlichen Beschwerden führen. Symptome für zu viel Schwefel im Körper sind vor allem Kopfschmerzen und Übelkeit.

Manche Menschen reagieren jedoch bereits auf kleine Mengen von Schwefeldioxid mit diesen Symptomen. Auch Unverträglichkeiten oder allergische Reaktionen bis hin zu Asthmaanfällen können auftreten.

Urin riecht nach Schwefel – woran liegt das?

Schwefel riecht unangenehm nach faulen Eiern. Urin, der nach Schwefel riecht, ist in den meisten Fällen kein Grund zur Besorgnis. Der Geruch entsteht, wenn schwefelhaltige chemische Stoffe aus Lebensmitteln mit dem Urin wieder ausgeschieden werden.

Daneben können auch Infektionen einen schwefeligen Uringeruch auslösen. Besonders bei Frauen sind dann häufig Escherichia-coli-Bakterien (E. coli Bakterien) die Auslöser. Diese stecken oftmals hinter einer Blasenentzündung. Riecht der Urin unabhängig vom Verzehr bestimmter Lebensmittel nach Schwefel, sollte deshalb im Zweifelsfall ärztlicher Rat gesucht werden.

Übrigens: Riecht ein Rülpser oder Pups nach Schwefel, liegt das ebenfalls an den Lebensmitteln, die gegessen wurden. Zersetzen die Bakterien Nahrung im Darm, kann unter anderem auch schlecht riechender Schwefelwasserstoff entstehen. Dies ist besonders stark bei Nahrungsmitteln der Fall, die die schwefelhaltige Aminosäure Cystin enthalten. Schwefelgeruch beim Aufstoßen kann jedoch auch auf eine Infektion im Magen-Darm-Trakt hinweisen. Bei weiteren Symptomen sollte man daher eine*n Ärztin*Arzt aufsuchen.

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Medizinische Verwendung von Schwefel

In der Medizin findet Schwefel hauptsächlich äußerlich bei Hauterkrankungen, wie Psoriasis (Schuppenflechte), Neurodermitis oder Pilzinfektionen Anwendung. Dann sollen Bäder mit Schwefel entzündungshemmend und antibakteriell sowie antimykotisch (pilztötend) wirken. In der Praxis werden diese Behandlungen heute aber nur noch selten eingesetzt, da umfangreiche wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit fehlen.

Auch Cremes, Shampoos oder Seifen mit Schwefel kann man in vielen Apotheken kaufen. Diese Pflegeprodukte können bei Hautunreinheiten wie Akne oder einer Überproduktion von Fett durch die Talgdrüsen (Seborrhö) positive Effekte zeigen, allerdings auch Hautreizungen auslösen. Zudem riecht der Schwefel auf der Haut sehr stark.

MSM – wie wirksam ist Methylsulfonylmethan?

Methylsulfonylmethan (kurz MSM) ist eine Schwefelverbindung, die innerlich angewendet wird. Zu kaufen gibt es sie als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Pulver, Hartkapseln oder seltener Tabletten. MSM soll bei zahlreichen Erkrankungen Linderung bringen – vor allem bei Arthrose, aber auch bei Diabetes mellitus, erhöhten Blutfettwerten, Sportverletzungen und sogar Krebserkrankungen soll die Anwendung einen positiven Effekt haben.

Belegt werden konnten diese Wirkungen teilweise im Labor mit Zellkulturen und in Tierversuchen. Aussagekräftige wissenschaftliche Beweise für eine solche Wirksamkeit beim Menschen gibt es bisher aber nicht. Deshalb darf MSM auch nicht als Medikament, sondern lediglich als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden.

Mögliche Nebenwirkungen, die durch die Einnahme auftreten können, sind allergische Reaktionen, Hautreizungen und Magen-Darm-Beschwerden. Auch eine Überdosierung ist möglich, wenn die empfohlene Einnahmemenge überschritten wird.

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Kann Schwefel für den Körper auch schädlich sein?

Im Normalfall ist Schwefel nicht schädlich für den Körper, sondern sogar wichtig für die Gesundheit. Er sollte jedoch nicht im Übermaß aufgenommen werden. Darüber hinaus kann der Mineralstoff in Form von bestimmten chemischen Verbindungen, beispielsweise gasförmig als Schwefelwasserstoff oder Schwefelkohlenstoff, zu Vergiftungserscheinungen führen, wenn man ihn einatmet.

Ist der Abbau von Schwefel im Körper gestört, kann dies ebenfalls gesundheitliche Folgen haben. Eine solche Störung beim Abbau entsteht, wenn es zu einem Mangel an dem Enzym Sulfitoxidase kommt – entweder durch einen Enzymdefekt oder durch einen Mangel am Spurenelement Molybdän, welches zur Bildung von Sulfitoxidase benötigt wird. In der Folge kann es zu schweren Hirnschäden oder Epilepsie kommen. Ein Mangel an Sulfitoxidase ist aber sehr selten.