Vitamin- und Mineralstoffpräparate: Sinnvoll oder Geldverschwendung?

Vitaminpräparat © Thomas Breher

Vitamin- und Mineralstoffpräparate sind in vielen Fällen empfehlenswert. Jodiertes Speisesalz und Omega-3-Fettsäuren für alle, die nicht mehrmals wöchentlich Fisch verzehren, Eisen und Folsäure in der Schwangerschaft, Vitamin C und Zink als Erkältungsprophylaxe, Zink für Senioren sowie Multivitaminpräparate bei einer allgemein ungünstigen Nahrungszusammensetzung: In all diesen Fällen ist ein Supplementierung von Nährstoffen über die tägliche Ernährung hinaus sinnvoll, so Birgit Junghans, Diplom Oecotrophologin des Deutschen Instituts für Ernährungsmedizin und Diätetik (D.I.E.T.) in Bad Aachen.

Häufig Mangelversorgung an bestimmten Mineralstoffen

Die Diskussion um Sinn und Notwendigkeit von Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitamin- und Mineralstoffpräparaten führt zu einer Verunsicherung des Verbrauchers und des Patienten, dessen Arzt zu einem solchen Produkt rät. Da gibt es auf der einen Seite die Vertreter der gesunden Ernährung, die solche Produkte als überflüssig und Geldmacherei vehement ablehnen.

Auf der anderen Seite stehen die Menschen, deren Ernährung sich überwiegend aus Fast-Food, fettreichen Lebensmitteln und wenig frischen pflanzlichen Bestandteilen zusammensetzt und die ihre groben Ernährungsfehler mit einer Reihe von Pillen und Pulvern auszugleichen versuchen.

Diese polarisierende Betrachtungsweise vernachlässigt, dass in Deutschland häufig eine Mangelversorgung an bestimmten Mineralstoffen besteht sowie die Tatsache, dass verschiedene Lebensumstände eine ausreichende Zufuhr über die Nahrung stark erschweren, so Junghans.

Zufuhr in Form von Vitamin- oder Mineralstoffpräparaten oft sinnvoll

In vielen Fällen ist eine Zufuhr in Form von Vitamin- oder Mineralstoffpräparaten sinnvoll, teilweise sogar unbedingt erforderlich. Insgesamt ist die Zufuhr an Mineralstoffen und Spurenelementen in den letzten Jahrzehnten durch den verstärkten Verzehr von industriell verarbeiteten Lebensmitteln in den westlichen Industrieländern rückläufig. Hier stammen nur noch 15 Prozent der Nahrungsenergie aus Nahrungsmitteln in unveränderter Form, die ihren natürlichen Mineralstoffgehalt aufweisen. 40 Prozent der Nahrungsenergie stammen aus Fett und Öl, 20 Prozent aus Saccharose, 10 Prozent aus Alkohol und 15 Prozent aus Weißmehl.

Es ist durchaus möglich, seinen gesamten Vitamin- und Mineralstoffbedarf durch eine optimal zusammengesetzte Nahrung zu decken, so Junghans, doch zeigen die oben genannten Zahlen, dass dies immer noch ein Wunschziel ist, welches der Großteil der Bevölkerung bei Weitem nicht erreicht. Eine ausgewogene Ernährung, die den gesamten Bedarf deckt, ist nicht einfach durchzuführen und erfordert ein fundiertes Wissen über Lebensmittel und deren Inhaltsstoffe sowie über die Mengen, die der menschliche Organismus täglich benötigt.

Erhöhter Bedarf bei Risikogruppen

Erschwert wird die Situation dadurch, dass eine fleischarme Ernährung zwar zu einer erwünschten Verringerung an ungünstigen gesättigten Fettsäuren führt, gleichzeitig aber eine unerwünschte verringerte Eisenaufnahme bedeutet. Vegetarier haben häufig ein gesünderes Körpergewicht, die Ballaststoffzufuhr ist ausreichend, die Vitamin C-Versorgung gut, jedoch fehlen häufig die B-Vitamine, Zink und Eisen.

In verschiedenen Situationen wie beispielsweise der Schwangerschaft oder Stillzeit ist der Bedarf an einigen Nährstoffen deutlich erhöht und eine ausreichende Versorgung nicht möglich. Hierzu zählen insbesondere Folsäure und Eisen.

Ebenso haben ältere Menschen häufig einen erhöhten Bedarf an bestimmten Nährstoffen, demgegenüber aber ein nachlassender Appetit und ein niedrigerer Energiebedarf auf Grund von geringerer körperlicher Aktivität steht.

Gründe für unausgewogene Ernährung im Alltag

Eine optimale Ernährung ist im Alltag nicht immer gewährleistet. Gründe dafür können sein:

  • Zeitmangel
  • Mangelnde Kenntnisse über Lebensmittel und deren Inhaltsstoffe
  • Persönliche Abneigung gegenüber bestimmten Lebensmitteln wie beispielsweise Fisch
  • Kantinenessen, Essen in Schulen oder Kindergärten
  • Bei älteren Menschen Kaubeschwerden oder durch körperliche Schwäche eingeschränkte Einkaufs- und Zubereitungsmöglichkeiten
  • Bei Kindern die Präferenz für wenige Gerichte, Ablehnung von Obst und Gemüse

Empfohlene Höchstmengen für Nahrungsergänzungsmittel

So sinnvoll Nahrungsergänzungsmittel in manchen Fällen sein können, sollte man stets im Blick behalten, dass auch Vitamine und Mineralstoffe bei dauerhafter Überdosierung negative gesundheitliche Folgen haben können. Daher hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Empfehlungen zu Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln herausgegeben, die es nicht zu überschreiten gilt. 

Fazit: Nahrungsergänzungsmittel in bestimmten Fällen sinnvoll

Die besten Vorsätze und Absichten nützen nicht viel, wenn sie in der Realität nicht umgesetzt werden können. Hier können Nahrungsergänzungsmittel durchaus ihre Berechtigung haben und als Ergänzung die Lücken schließen, die sich in der täglichen Ernährung auftun. Sie sind jedoch nicht als Alibi für eine leichtsinnige Ernährungsweise misszuverstehen, warnt Junghans.

Aktualisiert: 17.05.2018 – Autor: D.I.E.T.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?