Heuschnupfen – was hilft bei Pollenallergie?

Frau mit Heuschnupfen schnäuzt sich © istockphoto, Photodjo

Des einen Freud, des anderen Leid: Für die meisten ist der Frühling mit freudigen Frühlingsgefühlen verbunden. Für Heuschnupfengeplagte beginnt dagegen die Zeit der Niesattacken, des Nasenkribbelns und der geröteten Augen. In Deutschland ist etwa jeder Fünfte betroffen – mit steigender Tendenz. Auslöser der Heuschnupfen-Attacken sind Pollen von Bäumen, Sträuchern, Gräsern und Getreide. Über die Atemwege gelangen sie in den Körper und lösen bei überempfindlichen Menschen eine allergische Reaktion aus: Der Botenstoff Histamin wird ausgeschüttet und der Körper versucht, durch Symptome wie Niesen und tränende Augen, die "Eindringlinge" abzuwehren.

Pollen fliegen immer früher

Bei milden Temperaturen fliegen die ersten Pollen bereits im Winter – die Saison für Pollenallergiker beginnt mit Haselnuss und Erle mittlerweile schon zwischen Februar und März. Experten sind in Sorge über den Trend, dass der Pollenflug jedes Jahr ein bisschen früher beginnt.

Die zunehmend verschmutzte Atemluft, die uns gerade auch im Sommer zu schaffen macht, trägt erwiesenermaßen ebenfalls zu der steigenden Zahl von Heuschnupfen-Geplagten bei.

Auch weisen Experten darauf hin, dass auch eingeschleppte oder sich vermehrt ausbreitende Pflanzen wie Traubenkraut (Ragweed) oder Esche zunehmend Allergien verursachen können.

Typische Symptome bei Heuschnupfen

Nicht jeder Betroffene reagiert auf jede Pollenart allergisch. Deshalb treten die Symptome zu unterschiedlichen Zeiten auf – je nachdem, wann die entsprechende Pflanze blüht und ihre Pollen verstreut. Manche Allergiker sind nahezu das ganze Jahr vom allergischen Schnupfen geplagt.

Erste Anzeichen sind juckende und gerötete Augen und ein Kribbeln in der Nase. Dann schwellen die Schleimhäute an und es kommt zu Tränenfluss, Niesattacken und verstopfter Nase. Hier die Symptome im Überblick:

  • Fließschnupfen mit sehr starker wässriger Flüssigkeitsbildung
  • verstopfte Nase durch die geschwollene Schleimhaut
  • heftige, häufige Niesattacken, Juckreiz
  • am Auge: Rötung, Juckreiz, Brennen, Lichtempfindlichkeit, Tränenfluss
  • Kopfschmerzen, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Reizbarkeit

Das sind die eher harmlosen Beschwerden einer Pollenallergie. Betroffene mit starken allergischen Reaktionen oder bei denen der Heuschnupfen über eine längere Zeit besteht, können weitere Symptome wie Husten, Atemnot, Asthma bronchiale, Magen-Darm-Störungen, Migräne oder Hautekzeme entwickeln. Allergiker klagen auch häufig über Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme und Depressionen.

Diagnose Heuschnupfen

Die Symptome sind so typisch, dass die Verdachtsdiagnose meist schnell feststeht. Hinweise, welche Pollen die allergische Symptomatik auslösen, gibt die Jahreszeit, wann der Heuschnupfen auftritt:

  • Als erstes fliegen Hasel- und Erlenpollen, manchmal schon im Winter.
  • Im April und Mai sind es vor allem Pappel, Weide, Birke, Eiche und Buche.
  • Roggenpollen und von andere Getreidepollen sowie der meisten Süßgräser auf Wiesen und Weiden beginnen Ende Mai bis Juni zu fliegen.
  • Im Juli und August werden die Pollen von Kräutern wie Brennnessel, Beifuß und Wegerich vom Winde verweht.
  • Etwa zur gleichen Zeit finden sich auch die Sporen der Schimmelpilze Alternaria und Cladosporium in der Luft. Sie benötigen eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit, um ihre Sporen zu bilden. Richtig aktiv werden sie daher an kühlen und feuchten Spätsommerabenden.

Zur Diagnose einer Pollenallergie werden Hauttests (sogenannte Prick-Tests) durchgeführt, bei denen Pollenextrakte auf die Haut geritzt werden. Blutuntersuchungen (RAST-Test) ergänzen die Diagnose.

Kreuzallergien

Ein Unglück kommt leider auch bei den Allergien selten allein. Wer unter einer Pollenallergie leidet, reagiert häufig auch auf bestimmte Nahrungsmittel allergisch. Man spricht von Kreuzallergien. Birkenpollenallergiker verspüren beispielsweise beim Biss in den frischen Apfel Kribbeln und Schwellungen im Mund- und Rachenraum.

Diese pollenassoziierten Nahrungsmittelallergien gehören zu den häufigsten Nahrungsmittelallergien:

  • Birke, Erle, Hasel: Pflaume, Aprikose, Kirsche, Pfirsich, Apfel, Birne, Kiwi, Litschi, Avocado, Haselnuss, Mandel, Karotte, Sellerie, Tomaten, Kartoffel, Pfeffer, Senf, Kümmel, Koriander
  • Gräser: Getreidemehle, Soja, Erdnuss, Sellerie, Kartoffel, Petersilie, Thymian
  • Kräuter, zum Beispiel Beifuss, Kamille, Wegerich: Sellerie, Fenchel, Karotten, Anis, Curry, Kümmel, Koriander, Petersilie, Dill, Pfeffer, Muskat und Haselnuss
  • Naturlatex: Maracuja, Grapefruit, Ananas, Bananen, Ficus benjamini

Therapie von Heuschnupfen

Eine konsequente Behandlung der Pollenallergie ist wichtig, da sich aus dem Heuschnupfen ein allergisches Asthma entwickeln kann. Wichtig ist es daher, seine Pollenallergie rechtzeitig und konsequent zu behandeln, damit es gar nicht erst zu einer solchen Verlagerung auf die Bronchien kommt.

Bei Verdacht auf eine Allergie oder wenn starke Beschwerden wie Nesselsucht oder Atembeschwerden auftreten, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen – im besten Fall einen Allergologen. Er berät Sie über Behandlungsmethoden bei Heuschnupfen, kann einen Allergietest machen, und Ihnen gegebenenfalls stärker wirkende antiallergische und entzündungshemmende Tabletten, Nasensprays oder Augentropfen – zum Beispiel mit Kortison – verordnen. Welche Möglichkeiten der Behandlung am besten für Sie geeignet sind, bespricht Ihr Arzt mit Ihnen.

Medikamente, die die Symptome lindern

Folgende Medikamente können die Symptome von Heuschnupfen lindern:

  • Zur Vorbeugung und zur Behandlung verwendet man Kalziumtabletten und Nasenspray oder Augentropfen, die zum Beispiel Cromoglicinsäure oder Nedocromil enthalten. Bei den letztgenannten Wirkstoffen handelt es sich um sogenannte Mastzellstabilisatoren. Diese sollen vorbeugend bewirken, dass der Körper kein Histamin freisetzt.
  • Sind die Nasenschleimhäute angeschwollen, kann man kurzfristig abschwellende Nasentropfen benutzen.
  • Bei geröteten Augen können kurzfristig Augentropfen gegen Bindehautentzündung helfen.
  • Bei starken, akuten Beschwerden helfen antiallergische Tabletten, Sprays oder Tropfen – sogenannte Antihistaminika wie etwa Cetrizin oder Loratadin.
  • Zur Vorbeugung und Behandlung gibt es auch Mittel auf homöopathischer Basis.
  • Nasenpflege nicht vernachlässigen: Besonders wichtig ist, die Schleimhäute in den Atemwegen feucht zu halten, denn sie stellen einen entscheidenden Schutz gegen Viren und Bakterien dar.
  • In schweren Fällen werden auch sogenannte Glucocorticoide wie Kortison eingesetzt. Diese unterdrücken die Abwehrreaktion des Körpers, sollte jedoch nur in niedrigen Dosierungen angewendet werden, da sie auch die Funktion des restlichen Immunsystems beeinträchtigen können.

Ursächliche Therapie – die Hyposensibilisierung

Die einzige Therapie, die versucht, die Allergie ganz zu beseitigen, ist die Hyposensibilisierung (sogenannte "Allergieimpfung" oder spezifische Immuntherapie). Dabei wird dem Betroffenen das Allergen (also der jeweilige Auslöser der Beschwerden) über einen Zeitraum von mehreren Jahren in langsam steigender Dosierung gespritzt, um ihn zu desensibilisieren, das heißt, ihn unempfindlich gegen das Allergen zu machen.

Das Immunsystem reagiert dann meistens mit einer Umstellung, sodass Allergene, die vorher eine krankmachende Abwehrreaktion ausgelöst haben, wieder vertragen werden. In etwa 80 bis 90 Prozent der Fälle zeigt diese Behandlung Erfolg.

Eine Alternative zu den Spritzen (subkutane Immuntherapie) stellt die sublinguale Immuntherapie dar, bei der die Allergene über Tabletten oder Tropfen oral eingenommen werden.

10 Tipps gegen Heuschnupfen

Die folgenden Tipps erleichtern Ihnen das Leben als Pollenallergiker, indem Sie möglichst die Auslöser vermeiden:

  1. In "Ihrer" Pollenflugzeit den Aufenthalt im Freien auf ein Minimum reduzieren und freie Flächen meiden (im Wald fliegen weniger Pollen).
  2. Nur kurz lüften, am besten nachts oder während beziehungsweise nach dem Regen; war es ein richtiger Schauer, warten Sie eine halbe Stunde. Morgens ist die Pollendichte am höchsten.
  3. Fenster im Haus und im Auto geschlossen halten; eventuell Raumluftfilter und fürs Auto Pollenfilter einbauen.
  4. Beim Autofahren die Lüftung abstellen und Fenster schließen.
  5. Täglich abends die Haare waschen, damit die Pollen nachts nicht in Nase und Augen dringen.
  6. Nicht im Schlafzimmer aus- und umkleiden; die Schlafräume häufig nass wischen und regelmäßig saugen (am besten einen Staubsauger mit Mikrofilter verwenden).
  7. Als Urlaubsorte eignen sich das Hochgebirge oder die See.
  8. Antiallergisch wirkende Nasensprays, Augentropfen oder Tabletten lindern die Symptome und helfen Ihnen, gut durch die Heuschnupfenzeit zu kommen.
  9. Durch eine ausreichende Versorgung mit dem Spurenelement Zink lassen sich die Heuschnupfen-Symptome in vielen Fällen lindern.
  10. Pollenflugkalender aus der Apotheke und Pollenvorhersage per Telefon oder im Internet verraten Ihnen, wann Ihre Pollen fliegen.

Auch auf gesundheit.de können Sie sich über das Biowetter tagesaktuell zum Pollenflug informieren.

Ernährung bei Heuschnupfen

Zusätzlich sollten Sie versuchen, die Symptome durch die richtige Ernährung zu lindern:

  • Essen Sie viel frisches Obst mit Vitamin C, welches den Juckreiz auslösenden Botenstoff Histamin bindet.
  • Bananen, Sonnenblumenkerne und Leinsamen vermindern die Produktion von Histamin.
  • Gegen die entzündliche Reaktion hilft Spitzwegerich, den Sie sich 3-mal täglich als Tee zubereiten können (1 TL mit 200 ml kaltem Wasser übergießen, 30 Minuten ziehen lassen und abseihen).
  • Antiallergisch soll Zedernöl wirken – vermischen Sie 1-mal täglich 1 Tropfen mit etwas Zucker und lassen Sie ihn langsam im Mund zergehen.
  • In der Apotheke erhalten Sie Fertigpräparate aus Pestwurz, der ebenfalls die allergischen Reaktionen abschwächen soll.

Bei starken Beschwerden im Bereich der Nase helfen regelmäßige Nasenspülungen mit Kochsalzlösung (zum Beispiel mit einer sogenannten Nasendusche), die die Schleimhaut von Pollen säubert. Die Schleimhaut der Naseninnenwand können Sie mit Olivenöl geschmeidig halten.

Möglicherweise sind häufige Infektionen ein Einflussfaktor bei der Entstehung von Allergien. Erweist sich diese Vermutung als richtig, sollten insbesondere Pollenallergiker versuchen, Schnupfen und andere Atemwegsinfekte zu meiden. Dazu gehört ein gutes Training des Immunsystems, zum Beispiel durch Sport, regelmäßige Kneipp-Anwendungen und eine ausgewogene Ernährung.

Ursachen von Heuschnupfen

Auch wenn die Veranlagung zum Heuschnupfen genetisch bedingt ist und somit vererbt werden kann, ist Heuschnupfen nicht angeboren. Erst durch mehrmaligen Kontakt mit den Allergenen entwickelt sich die Überreaktion des Immunsystems.

Übrigens: Viele Geschwister vermindern das Risiko, dass die Kinder an Heuschnupfen erkranken. Das liegt Experten zufolge daran, dass es im vollen Kinderzimmer meist unhygienischer zugeht. Durch den ständigen Austausch von Keimen und Allergenen wird das kindliche Immunsystem trainiert. Umgekehrt fördert zu viel Hygiene das Auftreten von Allergien. Zudem kann Heuschnupfen begünstigt werden, wenn Babys nicht oder nicht ausreichend gestillt werden.

Aktualisiert: 06.03.2019 – Autor: überarbeitet: Silke Hamann

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