L-Thyroxin bei Schilddrüsenunterfunktion

L-Thyroxin bei Schilddrüsenunterfunktion © istockphoto, Yuri

L-Thyroxin (Levothyroxin) wird in erster Linie zur Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion eingesetzt. Daneben kann das Hormon aber auch zur Therapie eines Kropfes (Struma) sowie in speziellen Fällen bei einer Schilddrüsenüberfunktion verwendet werden. Normalerweise ist Thyroxin gut verträglich, so dass im Rahmen der Therapie keine Nebenwirkungen auftreten. Informieren Sie sich hier ausführlich über Wirkung und Dosierung des Hormons und erfahren Sie, warum Thyroxin nicht zum Abnehmen eingesetzt werden darf.

Thyroxin: Wirkung im Körper

Thyroxin ist ein körpereigenes Hormon, das in der Schilddrüse produziert wird. Zusammen mit Trijodthyronin, einem anderen Schilddrüsenhormon, ist es an den verschiedensten Prozessen im Körper beteiligt, unter anderem am Stoffwechsel. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) stellt der Körper zu wenig Thyroxin her. Dadurch kann es unter anderem zu Symptomen wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Konzentrationsstörungen kommen. Um solche Symptome zu behandeln, wird dem Körper L-Thyroxin zugeführt.

Neben einer Schilddrüsenunterfunktion gibt es aber noch weitere Anwendungsgebiete von L-Thyroxin. Das Hormon wird nämlich auch verabreicht,

  • wenn eine gutartige Vergrößerung der Schilddrüse (Kropf) vorliegt.
  • um einer erneuten Kropf-Bildung nach einer erfolgreichen Kropf-OP vorzubeugen.
  • wenn ein Patient an einem bösartigen Schilddrüsentumor leidet.
  • wenn bei Patienten mit einer Schilddrüsenüberfunktion wieder eine normale Funktion der Schilddrüse erreicht wurde (hier kommt das Hormon gemeinsam mit Thyreostatika zum Einsatz)

Nebenwirkungen von Thyroxin

Thyroxin gilt allgemein als gut verträglich, deswegen treten während der Einnahme nur selten Nebenwirkungen auf. Wenn die Höhe der Dosis nicht vertragen wird oder eine Überdosierung vorliegt, können die typischen Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion auftreten. Dazu gehören unter anderem Anzeichen wie Herzklopfen und Herzrhythmusstörungen, Hitzegefühl und Schwitzen sowie Zittern, innere Unruhe und Schlaflosigkeit.

Wenn bei Ihnen während der Einnahme von Thyroxin Nebenwirkungen auftreten, sollten Sie immer mit Ihrem behandelnden Arzt Kontakt aufnehmen. Eventuell ist es dann sinnvoll, die Dosis für einige Tage zu verringern oder die Einnahme der Tabletten ganz auszusetzen. Sind die Nebenwirkungen abgeklungen, kann die Behandlung mit einer geringen Dosis erneut aufgenommen werden.

Wichtiges zur Einnahme

Personen mit einer Schilddrüsenunterfunktion müssen meist ihr Leben lang ein Hormonersatz-Präparat einnehmen. Wird ein gutartiger Kropf behandelt, liegt die Dauer der Einnahme meist zwischen sechs Monaten und zwei Jahren.

Idealerweise sollten Sie die Thyroxin-Tablette morgens unzerkaut mindestens eine halbe Stunde vor dem Frühstück einnehmen. Dadurch kann das Hormon, das generell schlecht resorbierbar ist, besser in den Körper aufgenommen werden. Nehmen Sie die Tablette mit etwas Wasser ein, nicht aber mit Kaffee.

Dosierung von Thyroxin

Die genaue Dosierung von Thyroxin richtet sich immer nach der Ursache der Behandlung, ob also beispielsweise eine Schilddrüsenunterfunktion therapiert oder einer erneuten Kropfbildung vorgebeugt wird. Soll eine Schilddrüsenunterfunktion behandelt werden, ist die Dosierung von der Schwere der Erkrankung abhängig.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion wird zunächst mit einer niedrigen Dosis begonnen, die dann bei Bedarf weiter gesteigert werden kann. Speziell für Patienten, die an einer schweren oder bereits seit längerem bestehenden Schilddrüsenunterfunktion leiden, ist eine niedrige Anfangsdosis wichtig. Aber auch bei älteren oder sehr schlanken Personen sowie bei Patienten, die an einer Erkrankung der Herzkranzgefäße leiden, ist eine niedrige Anfangsdosis zu wählen.

Häufig wird bei einer Schilddrüsenunterfunktion mit einer Dosis zwischen 25 und 50 Mikrogramm begonnen. Diese kann im Laufe der Zeit weiter langsam bis maximal 100 bis 200 Mikrogramm gesteigert werden. Bei Kindern richtet sich die Dosierung neben dem Alter auch wesentlich nach dem Gewicht des Kindes. Generell sollten Sie sich bei der Dosierung von Thyroxin immer an die Anweisungen Ihres Arztes halten.

Überdosierung vermeiden

Wenn Sie eine Überdosis Thyroxin eingenommen haben, können dadurch die typischen Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion ausgelöst werden. Diese geht unter anderem mit Anzeichen wie Herzklopfen und Herzrhythmusstörungen, Hitzegefühl und übermäßigem Schwitzen sowie innerer Unruhe, Zittern und Schlaflosigkeit einher. Wenn Sie eine Tablette vergessen haben, sollten Sie die Dosis deswegen nicht nachholen. Behalten Sie stattdessen den vorgegebenen Einnahmerhythmus bei.

Eine Überdosierung kann nicht nur durch die Einnahme von zu vielen Tabletten entstehen, sondern auch durch eine falsch eingestellte Dosis. Deswegen sollten Sie Ihre Schilddrüsenwerte regelmäßig von einem Arzt überprüfen lassen. Hier ist insbesondere der Thyreotropin-Wert von Bedeutung, da durch Thyreotropin die Bildung von Thyroxin stimuliert wird. Wichtig sind solche Untersuchungen besonders in der Einstellungsphase, in der Schwangerschaft sowie bei einer Veränderung der Dosis.

Wechselwirkungen mit Thyroxin

Einige Medikamente hemmen bzw. vermindern die Aufnahme von L-Thyroxin und sollten deswegen nicht gemeinsam mit dem Hormon eingenommen werden. Zu diesen Mitteln zählen unter anderem Colestyramin und Colestipol. Ebenso gilt dies für magensäurebindende Antazida, Calciumcarbonat und Medikamente, die Eisen enthalten. Zudem sorgen Mittel wie Glukokortikoide, Betablocker, jodhaltige Kontrastmittel und Propylthiouracil dafür, dass L-Thyroxin im Körper schlechter in seine wirksamere Form umgewandelt werden kann.

Daneben kann es während der Einnahme von Thyroxin auch mit folgenden Medikamenten zu Wechselwirkungen kommen:

  • Phenytoin
  • Salicylate
  • Dicumarol
  • Furosemid
  • Clofibrat
  • Sertralin
  • Chloroquin
  • Proguanil
  • Barbiturate
  • Amiodaron

Bei Frauen, die die Anti-Baby-Pille einnehmen, muss berücksichtigt werden, dass dadurch der Bedarf an L-Thyroxin ansteigen kann. Gleiches gilt für Frauen, die nach den Wechseljahren eine Hormonersatztherapie machen.

Einfluss auf andere Medikamente

Thyroxin wird in seiner Wirkung nicht nur durch andere Medikamente verstärkt oder gehemmt, sondern kann auch selbst andere Wirkstoffe beeinflussen. In erster Linie sind davon Cumarinderivate betroffen, die die Blutgerinnung hemmen. Ihre Wirkung wird durch das Schilddrüsenhormon verstärkt. Genau den gegenteiligen Effekt hat L-Thyroxin auf Medikamente, die den Blutzucker senken. Diese werden in ihrer Wirkung abgeschwächt.

Neben Medikamenten kann es auch zu Wechselwirkungen mit bestimmten Lebensmitteln kommen. So sollten Sie die Hormone nicht gleichzeitig mit einer Tasse Kaffee einnehmen, da dadurch die Aufnahme ins Blut gehemmt wird und die Hormonkonzentration im Blut erheblich absinken kann. Ebenso kann durch Sojaprodukte die Aufnahme von L-Thyroxin aus dem Darm behindert werden. Falls Sie häufiger Sojaprodukte essen, sollten Sie dies deswegen Ihrem Arzt mitteilen.

Gegenanzeigen von Thyroxin

L-Thyroxin darf nicht angewendet werden, wenn eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff vorliegt. Ebenso darf das Hormon nicht von Patienten mit einer unbehandelten Schilddrüsenüberfunktion eingenommen werden.  Darüber hinaus dürfen die Tabletten auch bei den folgenden Erkrankungen nicht verschrieben werden:

  • Frischem Herzinfarkt oder akuter Herzmuskel- bzw. Herzwandentzündung
  • Unbehandelter Nebennierenrindenschwäche
  • Unbehandelter Schwäche der Hirnanhangdrüse
  • Autonomie der Schilddrüse

Aktualisiert: 30.07.2014 – Autor: Kathrin Mehner

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