So verhindern Sie ein Blutgerinnsel

Blutgerinnsel: menschliche Vene © istockphoto, alex-mit

Blut fließt unablässig durch unseren Körper. Beim Erwachsenen sind es fünf bis sechs Liter, die bis zur letzten Zelle des Körpers Nährstoffe und Sauerstoff transportieren, um nur eine der vielen Aufgaben des Blutes zu nennen. Genauso lebensnotwendig ist jedoch für den Organismus, dass das Blut im entscheidenden Moment aufhört zu fließen. Sonst würde jede noch so kleine Verletzung zu einer gefährlichen Blutung führen. Blutstillung nennt man den Vorgang, mit dem eine Blutung beendet wird.

Blutstillung: Der normale Ablauf

Die Blutstillung unterteilt man in zwei Phasen: Die primäre und die sekundäre Blutstillung. Die primäre Blutstillung ist die Sofortreaktion des Körpers auf eine Verletzung. Blutplättchen, ein regulärer Bestandteil des Blutes, heften sich an die Wundränder und bilden einen pfropfenartigen Verschluss. Gleichzeitig zieht sich das Blutgefäß zusammen, die Durchblutung wird gedrosselt und dadurch tritt weniger Blut aus.

Die Zeit vom ersten Blutstropfen bis zum ersten Verschluss der verletzten Stelle dauert normalerweise zwei bis drei Minuten und wird als Blutungszeit bezeichnet. Der Verschluss durch die Blutplättchen ist aber noch nicht stabil. Ein dauerhafter, fester Verschluss erfolgt über die sekundäre Blutstillung, und damit bezeichnet man die Aktivierung der Blutgerinnung. Hieran ist eine Vielzahl von Gerinnungsfaktoren beteiligt.

Wie eine Reihe von Dominosteinen, bei der ein Stein den nächsten anstößt, aktiviert hier ein Gerinnungsfaktor den nächsten, bis schließlich eine ganze Kaskade abgelaufen und der Defekt zuverlässig mit einem stabilen Gerinnsel bis zur endgültigen Reparatur verschlossen ist.

Erhöhte Gerinnselneigung

Bei vielen Menschen besteht die Neigung zu einer vermehrten Gerinnselbildung. Die Ursachen hierfür sind vielfältig, etwa eine veränderte Zusammensetzung des Blutes oder eine Veränderung der Fließgeschwindigkeit. Aber eine besondere Rolle spielen Veränderungen der Gefäßwand

Die Veränderungen aktivieren fatalerweise die Blutstillung, und es kommt zu einer Gerinnselbildung im Blutgefäß. Das kann zum völligen Verschluss des betroffenen Blutgefäßes führen, oder zum Verschleppen des Gerinnsels mit dem Blutstrom in ein weit entferntes Blutgefäß, etwa im Gehirn oder in der Lunge mit schwerwiegenden Folgen für den Organismus.

Medikamente gegen Blutgerinnsel

Um dies zu verhindern, werden bei der Neigung zu Blutgerinnseln verschiedene Medikamente eingesetzt. Einmal die Thrombozytenaggregationshemmer (TAH), das sind Medikamente, die das Zusammenballen der Blutplättchen, in der Fachsprache Thrombozyten, zu einem Gerinnsel verhindern. Weiterhin die Antikoagulantien, das sind Substanzen, die die Gerinnungskaskade unterbrechen.

Thrombozytenaggregationshemmer

Das bekannteste Medikament aus dieser Gruppe ist die Acetylsalicylsäure, kurz ASS. Es verhindert die Bildung von Gerinnseln in den Arterien bei Atherosklerose und wird nach einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall in der Regel langfristig verordnet. ASS beugt jedoch keinen Gerinnseln in den Venen vor, weswegen es sich beispielsweise zur Vorbeugung eines sogenannten "Economy-class-Syndroms", also einer Venenthrombose etwa bei Langstreckenflügen, nicht eignet.

ASS kann zur Magenschleimhautentzündung führen, und sogar zum Magengeschwür und zu Magenbluten, weswegen Patienten bei Beschwerden wie saurem Aufstoßen oder diffusem Unwohlsein in der Magengegend ihren Arzt aufsuchen sollten. Menschen mit Asthma können auf ASS allergisch reagieren, auch hier ist bei der Einnahme Vorsicht geboten. Das Medikament nicht einnehmen darf, wer schon ein Magengeschwür hatte, und ebenfalls untersagt ist es im letzten Drittel der Schwangerschaft.

Vorsicht ist geboten, wenn zusätzlich Schmerzmedikamente benötigt werden, diese können die Wirkung von ASS abschwächen. Gleichzeitig mit Antikoagulantien eingenommen, kann ASS hingegen zu schweren Blutungen führen. Und wer ASS bekommt, sollte vor einem geplanten operativen Eingriff den behandelnden Arzt darauf aufmerksam machen, denn unter der Einnahme von ASS besteht ein erhöhtes Blutungsrisiko. Wenn es gefahrlos möglich ist, sollte daher ASS eine Woche vor dem Eingriff abgesetzt werden. Denn so lange dauert es, bis die Wirkung nachgelassen hat. Weitere Substanzen dieser Gruppe werden bisher überwiegend als Reservemittel eingesetzt, also nur, wenn ein Patient ASS nicht verträgt.

Antikoagulantien gegen Blutgerinnsel

Von den Medikamenten, die die Gerinnungskaskade unterbrechen, sind außerhalb des Krankenhauses die Cumarine relevant. Sie senken das Risiko einer Gerinnselbildung im gesamten Blutkreislauf, also sowohl in den Arterien als auch in den Venen. Eingesetzt werden sie beispielsweise bei Patienten nach einer Beinvenenthrombose, nach einer Lungenembolie oder einem Herzinfarkt. Eine Nebenwirkung kann eine Unverträglichkeit sein, aber auch Haarausfall oder eine Leberentzündung. Daher dürfen beispielsweise Leberkranke keine Cumarine bekommen.

Wer Cumarine einnimmt, muss kontinuierlich ärztlich betreut werden. Denn wird die Gerinnung zu stark herabgesetzt, kann es zu gefährlichen Blutungen kommen. Wird sie hingegen zu wenig herabgesetzt, reicht die Wirkung möglicherweise nicht aus und es kann ein Gerinnsel entstehen. Daher wird der sogenannte therapeutische Bereich regelmäßig durch eine Blutentnahme kontrolliert und danach die tägliche Tabletteneinnahme festgelegt. Patienten, die das Medikament langfristig einnehmen müssen, können in einer Schulung lernen, ihren Gerinnungswert zu bestimmen und die Tabletteneinnahme danach selbständig anzupassen.

Im Alltag müssen Cumarinpatienten beachten, dass sie bei Verletzungen länger als andere Menschen bluten. Die Blutgerinnung ist jedoch nicht völlig aufgehoben, und bei kleinen Wunden langt es meist, für einige Minuten mit einer sauberen Mullkompresse oder anderem geeigneten Verbandsmaterial auf die Wunde zu drücken. Bei größeren Wunden sollte jedoch ein Arzt aufgesucht werden, der möglicherweise ein Medikament verabreicht, das die Gerinnung rasch wieder anhebt. Vorsicht ist auch geboten, wenn eine Blutung ohne ersichtlichen Grund auftritt, wie etwa Nasenbluten oder Blut im Stuhl.

Cumarine und Ernährung

Vitamin K hebt übrigens die Gerinnung bei Cumarineinnahme an. Die Wirkung setzt jedoch nur langsam ein, weswegen das Mitführen von Medikamenten mit Vitamin K als Gegenmittel für den Notfall nicht sinnvoll ist. Bedeutung hat Vitamin K jedoch auch deshalb, weil viele Nahrungsmittel Vitamin K in großen Mengen enthalten, wie etwa Spinat und Broccoli.

Trotzdem muss ein Cumarinpatient nicht auf diese Nahrungsmittel verzichten, sie sollten nur gleichmäßig über die Woche verteilt gegessen werden und nicht in großen Mengen. Auch andere Nahrungsbeschränkungen gibt es nicht, es gibt keine "Cumarin-Diät".

Bei Cumarinpatienten ist besondere Vorsicht geboten

Bei Arztbesuchen sollte stets darauf hingewiesen werden, dass Cumarine eingenommen werden. Denn schon eine Spritze in den Muskel ist bei Cumarinpatienten nicht erlaubt, und selbst das Ziehen eines Zahnes will gut geplant sein. Auch gibt es eine Vielzahl von Medikamenten, die die Wirkung von Cumarinen verstärken oder abschwächen, weshalb die Einnahme weiterer Medikamente nur nach Rücksprache mit dem Arzt erfolgen sollte.

Ganz wichtig: Wer Cumarine einnimmt, erhält einen Ausweis, in dem unter anderem die Gerinnungswerte und die Tabletteneinnahme vermerkt sind. Diesen Ausweis sollte man stets mit sich führen!

Wissen bedeutet Sicherheit

Menschen, die Medikamente gegen Gerinnselbildung einnehmen, benötigen diese oft ein ganzes Leben lang. Diese Feststellung soll aber nicht entmutigen, sondern eher den Ansporn geben, so viel wie möglich über die Wirkungen und Nebenwirkungen "seines" Medikamentes wissen zu wollen. Denn je mehr man darüber weiß, desto sicherer wird man im Umgang damit. Und hat man das Ganze erst einmal im Griff, dann steht einem ziemlich "normalen" Leben eigentlich nichts im Weg.

Aktualisiert: 23.03.2018 – Autor: Dr. Ute Hillmann

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?