Bewusstlosigkeit - Das Bewusstsein schaltet ab

Frau hilft bewusstlosem Mann © istockphoto, Pixel_away

Was passiert im Körper, wenn urplötzlich die Sinne schwinden, der Boden unter den Füßen nachgibt und der Geist umnebelt ist? Ist eine Ohnmacht immer gefährlich oder gibt es auch Situationen, in denen die Bewusstlosigkeit das Gehirn schützt?

Was ist das Bewusstsein, was eine Bewusstlosigkeit?

Wenn man alle Gedanken, Gefühle, Erinnerungen und Wahrnehmungen – also die Gesamtheit des Erlebens – zusammennimmt und diese psychischen Vorgänge mit dem Wissen um das eigene "Ich" (das Selbst-Bewusstsein) verbindet, erhält man eine grobe Vorstellung vom komplexen Begriff "Bewusstsein", das uns Menschen von den Tieren zu unterscheiden scheint.

Doch gerade in den letzten Jahren wird zunehmend geprüft, inwieweit ein Bewusstsein und gerade auch ein Selbstbewusstsein bei Tieren vorhanden ist; allerdings gestaltet sich die Forschung an Tieren, die ein von uns stark abweichendes Kommunikationssystem haben, schwierig. Sie können uns z.B. nicht mitteilen, was Schmerzen für Gefühle bei ihnen auslösen und inwieweit ihr Selbstbewusstsein ihre Handlungen beeinflusst.

Bewusstseinszustände: Bewusstsein ausgeschaltet?

In der Medizin wird das Bewusstsein geprüft, indem mit verschiedenen Methoden die Aufmerksamkeit, die Orientierung, das Erinnerungsvermögen, das Denken und das Handeln untersucht wird. So werden verschiedene Bewusstseinszustände (wie z.B. Tenazität, Vigilanz, Scanning, Relaxation, Somnolenz, REM-Schlaf, Koma) unterschieden, von denen sich die Tenazität als der Bewusstseinszustand mit der größten Aufmerksamkeitsspanne und stärksten Anspannung darstellt, das Koma hingegen als äußerst reduzierter Bewusstseinszustand, in dem nur noch wenige Abwehrmechanismen funktionieren.

Bei einer Bewusstlosigkeit wird das Bewusstsein ausgeschaltet – diese Störung kann kurz- oder längerfristiger Natur sein, das hängt von der Ursache ab. Eine kurzfristige Bewusstlosigkeit wird auch Ohnmacht genannt – weil wir in dieser Situation "ohne Macht" über unseren psychischen und folgend auch physischen Vorgängen sind. Störungen des Bewusstseins können quantitativen oder qualitativen Charakter haben. Bei den quantitativen Bewusstseinsstörungen ist das Bewusstsein immer stärker eingeschränkt – bei Benommenheit und Somnolenz ist der Betroffene zunehmend schläfrig, aber noch nicht bewusstlos.

Bei Sopor, Präkoma und Koma allerdings ist die Bewusstlosigkeit zunehmend so tief, dass der Betroffene auch durch stärkste Schmerzreize nicht erweckbar ist. Qualitative Bewusstseinsstörungen sind Delir und Dämmerzustand, bei ihnen können Halluzinationen, Angst oder Reizbarkeit auftreten.

Wie entsteht eine Bewusstlosigkeit?

Das Gehirn mit seinen komplexen Nervenverbindungen toleriert nur wenig Abweichungen von seiner normalen Stoffwechselsituation. Um diese mehr oder weniger konstant zu halten, ist die Hirndurchblutung, der Hirnstoffwechsel und der Druck, der in unserem knöchernen Schädel herrscht, in ein empfindliches Kontrollsystem eingebettet, das Änderungen sofort erkennt und darauf reagiert.

Wenn eine Störung in diesem System auftritt, werden alle höheren Hirnfunktionen – zu denen das Bewusstsein mit allen Facetten gehört – zugunsten lebenswichtiger Schutzfunktionen und -reflexe wie Regulation von Atmung, Herzschlag oder Sicherstellung eines bestimmten Blutzuckerspiegels zurückgefahren: So zögert das Gehirn den Zeitpunkt heraus, an dem das Überleben nicht mehr sicher zu stellen ist und ein irreparabler Hirn- und Körperschaden auftritt.

Aktualisiert: 29.12.2015 – Autor: Nathalie Blanck

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