Plötzliche Ohnmacht

Frau liegt nach plötzlicher Ohnmacht am Boden © istockphoto, Wavebreakmedia

In Ohnmacht zu fallen und somit für einen Moment die Kontrolle über sich zu verlieren, ist beunruhigend. Dabei stecken hinter der Bewusstlosigkeit meist ganz harmlose Ursachen wie zum Beispiel ein niedriger Blutdruck. Oftmals treten dann – kurz bevor man ohnmächtig wird – Symptome wie Schwindel, Schweißausbrüche oder Übelkeit auf. Bei anderen Ursachen wie Herzrhythmusstörungen kündigt sich die Ohnmacht dagegen nicht vorher an, sondern tritt ganz plötzlich auf. Wir verraten, welche Ursachen hinter einer Ohnmacht stecken können und wie Sie sich im Ernstfall verhalten sollten.

Ursachen einer Ohnmacht

Ein kurzer Ohnmachtsanfall – meist dauert dieser nur wenige Sekunden – wird als Synkope bezeichnet. Hält die Bewusstlosigkeit länger an, spricht man von einem Koma. Eine Synkope  wird durch eine vorübergehende Durchblutungsstörung im Gehirn ausgelöst. Die Ursachen für diese Durchblutungsstörung sind vielfältig und lassen sich im Nachhinein nicht immer sicher bestimmen. Neben harmlosen Auslösern wie einem zu niedrigen Blutdruck kommen auch ernste Erkrankungen als Ursache in Frage.

Allgemein können die Ursachen einer Ohnmacht in vier Gruppen unterteilt werden:

  • Orthostatische Synkope
  • Vasovagale Synkope
  • Kardiale Synkope
  • Zerebrovaskuläre Synkope

Orthostatische und vasovagale Synkope

Häufig wird eine Ohnmacht durch einen Zusammenbruch des Kreislaufs – einen Kreislaufkollaps – verursacht. Dieser wird durch verschiedene Faktoren, etwa einen niedrigen Blutdruck, begünstigt. Aber auch ein Flüssigkeitsmangel und Krampfadern gelten als Risikofaktoren. Typischerweise tritt die Ohnmacht in einem solchen Fall bei einem zu schnellen Wechsel vom Liegen oder Sitzen zum Stehen auf. Das Blut  versackt in den Beingefäßen und das Gehirn wird nicht mehr mit genügend Sauerstoff versorgt.

Eine vasovagale Synkope wird durch eine zu starke Reflexantwort des Körpers hervorgerufen. Beim Auftreten bestimmter Reize sorgt der Vagusnerv automatisch dafür, dass die Blutgefäße weit gestellt werden und die Herzfrequenz abnimmt. Dadurch sackt das Blut nach unten und das Gehirn wird nicht mehr ausreichend durchblutet – es kommt zu einer Ohnmacht. Auslöser können unter anderem psychischer Stress, Kälte, Schmerzen, Angst, eine schlimme Nachricht oder ein freudiges Ereignis sein.

Kardiale und zerebrovaskuläre Synkope

Eine kardiale Synkope wird durch eine Störung der Herzfunktion ausgelöst und ist deshalb besonders gefährlich. Meistens sind es Herzrhythmusstörungen, die Einfluss auf den Blutkreislauf nehmen. Aber auch strukturelle Veränderungen des Herzgewebes können eine Ohnmacht auslösen. Das gefährliche dabei ist, dass das Herz bei einer kardialen Synkope ohne Vorwarnung stehen bleibt. Dadurch tritt die Ohnmacht plötzlich und ohne vorherige Symptome ein. Schlägt das Herz dann weiter, wacht die betroffene Person wieder auf. Dies ist allerdings nicht immer der Fall – manchmal tritt auch ein plötzlicher Herztod (Sekundentod) ein.

Bei einer zerebrovaskulären Synkope wird die Ohnmacht durch ein sogenanntes Anzapfphänomen ausgelöst. Ein Anzapfphänomen äußert sich wie folgt: Durch einen Gefäßverschluss im Körper kommt es zu einer Unterversorgung des dahinterliegenden Gebietes. Dieses Gebiet zapft deswegen über ein weiteres Gefäß die Blutversorgung eines anderen Areals an. Wird Blut aus einem Gefäß abgezapft, das das Gehirn versorgt, kann es zu einer Unterversorgung im Gehirn und folglich zu einer Ohnmacht kommen.

Ohnmacht in der Schwangerschaft

Bei schwangeren Frauen kann es gerade gegen Ende der Schwangerschaft hin und wieder zu Ohnmachtsanfällen kommen. Ursache ist das sogenannte Vena-cava-Kompressionssyndrom. Dabei wird durch den Druck des Kindes auf die untere Hohlvene der Blutfluss zum Herzen beeinträchtigt. Wird das Herz nicht mehr ausreichend mit Blut gefüllt, kann dadurch eine Ohnmacht ausgelöst werden.

Das Syndrom tritt meistens im letzten Drittel der Schwangerschaft auf, wenn das Kind bereits ein entsprechendes Gewicht hat. Da die Vena cava hinter der Gebärmutter liegt, wird die Bewusstlosigkeit durch längeres Liegen in Rückenlage hervorgerufen. Deswegen sollten Schwangere beim Liegen die Seitenlage bevorzugen.

Übelkeit und Schwindel als Symptome

Kurz bevor man in Ohnmacht fällt, können Symptome auftreten, die auf die drohende Synkope hinweisen. Typische Alarmzeichen sind Blässe, Müdigkeit, Ohrensausen, Schweißausbrüche, Schwindel, Sehstörungen und Übelkeit. Allerdings kann eine Ohnmacht auch ohne vorherige Symptome auftreten – dies ist meist bei Ohnmachtsanfällen der Fall, die aufgrund einer Erkrankung des Herzens auftreten.

Bei den ersten Symptomen einer Ohnmacht sollten Sie sich sofort hinsetzen oder noch besser hinlegen. Lagern Sie die Beine hoch – so fließt das Blut schneller zurück in Richtung Kopf. Gibt es keine Sitz- oder Liegemöglichkeit in der Nähe, hilft es auch, die Muskulatur stark anzuspannen. Dadurch werden die Gefäße zusammengedrückt und das Blut in Richtung Herzen gepresst.

Beispielsweise können Sie die folgenden Übungen durchführen:

  1. Überkreuzen Sie im Stehen die Beine und spannen Sie anschließend die Muskulatur von Bauch, Beinen und Gesäß an.
  2. Nehmen Sie die Hände vor die Brust, verschränken Sie die Finger und ziehen Sie anschließend mit beiden Armen so fest wie möglich nach außen.
  3. Nehmen Sie einen Gummiball oder einen anderen Gegenstand in die Hand und kneten Sie diesen kräftig.

Ohnmacht: Was tun?

Nach einer Ohnmacht sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen. Er kann sicher stellen, dass es sich tatsächlich um eine Synkope und nicht um eine gefäßbedingte Durchblutungsstörung im Gehirn handelt. Das klassische Krankheitsbild in einem solchen Fall ist ein Schlaganfall. Außerdem kann der Arzt überprüfen, ob eine Erkrankung des Herzens – beispielsweise Herzrhythmusstörungen – als Ursache in Frage kommt. Ist dies der Fall, muss die Erkrankung entsprechend behandelt werden. Eventuell muss dann ein Herzschrittmacher oder ein Defibrillator eingesetzt werden.

Nehmen Sie einen Ohnmachtsanfall aber auch dann nicht auf die leichte Schulter, wenn er einen harmlosen Auslöser hat. Denn der Verlust des Bewusstseins ist immer mit Risiken verbunden – so können durch einen Sturz Verletzungen am Kopf, Knochenbrüche und Prellungen auftreten. Deswegen sollten Sie sich von Ihrem Arzt beraten lassen, wie Sie einem erneuten Ohnmachtsanfall vorbeugen können.

Vorbeugen können Sie einer Ohnmacht vor allem dann, wenn es sich um eine orthostatische Synkope handelt. Zum einen kann der Arzt Ihnen Medikamente verschreiben, die den Kreislauf stärken. Zum anderen können Sie auch selbst einiges dafür tun, damit Ihr Kreislauf stabiler wird: Hilfreich beispielswiese regelmäßige Bewegung, Wechselduschen und viel Trinken.

Richtig reagieren

Wenn Sie sehen, dass eine Person in Ohnmacht fällt, ist es wichtig, schnell und richtig zu reagieren. Prüfen Sie zunächst, ob die betroffene Person tatsächlich ohnmächtig ist. Dazu klopfen Sie ihr am besten auf die Wangen oder rütteln sie leicht an den Schultern. Sorgen Sie außerdem dafür, dass sie frische Luft bekommt.

Liegt nur eine leichte Ohnmacht vor, wird der Betroffene schnell wieder wach werden. Wacht die Person bei eigenständiger Atmung nicht direkt wieder auf, sollte sie in die stabile Seitenlage gebracht werden. Wenn die Person nicht auf das Schütteln reagiert und und Sie keine Atmung feststellen können, muss sofort ein Notarzt verständigt und Wiederbelebungsmaßnahmen eingeleitet werden.

Achtung: Wenn Sie bei einer ohnmächtigen Person Erste Hilfe leisten, sollten Sie bedenken, dass es neben Synkopen noch andere Arten von Bewusstlosigkeit gibt. Bei Diabetikern kann eine Ohnmacht beispielsweise auch durch einen Unterzuckerschock ausgelöst werden.

Aktualisiert: 23.07.2014 – Autor: Kathrin Mehner

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?