TIA als Schlaganfall-Vorbote

Mann mit TIA
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Bei einer TIA treten ähnliche Anzeichen wie bei einem Schlaganfall (Apoplex) auf, allerdings verschwinden die Symptome innerhalb eines bestimmten Zeitraums wieder vollständig. Ursache ist – wie bei einem Schlaganfall – meist ein Blutgerinnsel, das ein kleines Gefäß im Gehirn verstopft. Wie ein Schlaganfall ist auch eine TIA ein Notfall: Wenn Sie entsprechende Symptome bei sich bemerken, sollten Sie also umgehend den Rettungsdienst alarmieren, auch wenn die Beschwerden bereits nachgelassen haben. Zudem ist eine TIA ein wichtiges Warnsignal, denn das Risiko für einen Schlaganfall ist nach einer TIA deutlich erhöht.

Definition einer TIA

TIA steht für transitorische ischämische Attacke. Darunter verstehen Mediziner eine vorübergehende Mangeldurchblutung (Ischämie) von Bereichen des Gehirns, die sich durch die Symptome eines Schlaganfalls äußert. Nach früherer Definition sprach man von einer TIA, wenn die Symptome nicht länger als 24 Stunden anhalten.

Nach der aktuellen Definition der TIA müssen sich die Symptome nach maximal einer Stunde komplett zurückbilden. Ansonsten gilt die Erkrankung als Schlaganfall. Zudem ist ein MRT des Schädels zur Diagnose notwendig: Laut Definition gibt es bei einer TIA im Gegensatz zu einem Schlaganfall im MRT keine Anzeichen einer durchblutungsbedingten Schädigung von Bereichen des Gehirn.

Eine Attacke, bei der die Symptome zwischen 24 Stunden und sieben Tage andauern, wurde früher prolongiertes reversibles ischämisches neurologisches Defizit (PRIND) oder minor stroke (kleiner Schlaganfall) genannt. Diese Bezeichnungen für eine "Zwischenstufe" von Schlaganfall und TIA sind jedoch heute überholt, da davon ausgegangen wird, dass es sich in diesen Fällen bereits um "richtige" Schlaganfälle handelt.

TIA: Symptome wie bei einem Schlaganfall

Die Symptome bei einer TIA sind prinzipiell nicht von den Anzeichen eines Schlaganfalls zu unterscheiden, sie können jedoch unter Umständen schwächer ausgeprägt sein. Deshalb werden sie von vielen Betroffenen auch zunächst nicht ernst genommen oder zu spät erkannt.

Eine TIA kann sich durch folgende, meist plötzlich auftretende Symptome äußern:

  • eine wenige Sekunden bis Minuten andauernde Erblindung oder starke Verschlechterung des Sehvermögens auf einem Auge (Amaurosis fugax)
  • Lähmungen: Es kann eine Körperhälfte, eine Gesichtshälfte oder nur eine Extremität betroffen sein – typisch sind etwa ein herunterhängender Mundwinkel oder Schwierigkeiten beim Gehen
  • Motorische Störungen wie Schwierigkeiten beim Ausführen einfacher Handgriffe
  • Gefühlsstörungen wie Taubheitsgefühle, Kribbeln oder ein "pelziges" Gefühl
  • Hörstörungen, wie beispielsweise Tinnitus
  • Muskelzuckungen
  • Sprachstörungen wie eine verwaschene Sprache, Schwierigkeiten beim Formulieren vollständiger Sätze oder Wortfindungsstörungen
  • Störungen des Sprachverständnisses
  • Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen
  • Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit oder Veränderung der Persönlichkeit

Die Symptome treten in der Regel von einem Moment auf den anderen auf.

Blutgerinnsel und Migräne als mögliche Ursachen

Bei einer TIA werden bestimmte Bereiche im Gehirn aufgrund einer Durchblutungsstörung vorübergehend nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Ursache ist oftmals ein Blutgerinnsel, das ein kleines Gefäß verstopft.

Häufig stammt das Gerinnsel aus einem Plaque, der sich im Rahmen einer Arterienverkalkung (Arteriosklerose) in der Halsschlagader gebildet hat. Seltener kann bei Herzerkrankungen wie Vorhofflimmern auch ein Blutgerinnsel aus dem Herzen in ein Hirngefäß verschleppt werden (kardiale Embolie).

Eine TIA kann zudem im Rahmen einer Migräne entstehen: Dabei verursacht eine krampfartige Verengung eines Blutgefäßes (Gefäßspasmus) eine Durchblutungsstörung im Gehirn.

MRT zur Diagnostik

Bei einer TIA ist es wichtig, dass Sie die Symptome möglichst genau schildern, auch wenn sie von noch so kurzer Dauer waren. Außerdem sollten Sie ihm mögliche Vorerkrankungen nennen – beispielsweise eine koronare Herzerkrankung oder Vorhofflimmern.

In der Regel wird ein MRT des Schädels durchgeführt: Es liefert Informationen über Umfang, Lokalisation und Ausmaß der Mangeldurchblutung. Auch durchblutungsbedingte Schädigungen des Hirngewebes können nachgewiesen werden – in diesem Fall liegt dann laut Definition keine TIA, sondern ein Schlaganfall vor.

Unter Umständen können bei der Diagnostik weitere Untersuchungen nötig sein:

  • CT des Schädels, um eine Blutung auszuschließen
  • Ultraschall der Gefäße (Duplex- oder Dopplersonografie)
  • Darstellung der Hirngefäße in einer Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel (digitale Subtraktionsangiografie)
  • Langzeit-EKG und Herzultraschall, um mögliche Herzerkrankungen als Quelle für ein Blutgerinnsel festzustellen
  • 24-Stunden-Blutdruckmessung
  • Bestimmung der Blutfettwerte

Behandlung durch Gerinnungshemmung

Betroffene mit einer TIA sollten nach Möglichkeit auf einer sogenannten Stroke Unit – einer Spezialstation für Schlaganfallpatient*innen – für mindestens 24 Stunden überwacht werden. Dabei wird in der Regel eine Therapie mit blutgerinnungshemmenden Medikamenten begonnen, um die Entstehung weiterer Blutgerinnsel zu verhindern.

Meist wird zunächst der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) als Infusion gegeben, alternativ kann auch Clopidogrel angewendet werden. Neuere Studien haben zudem ergeben, dass eine Kombination von ASS und Clopidogrel das Risiko für einen auf eine TIA folgenden Schlaganfall deutlich senken kann. Beide Wirkstoffe werden also oftmals gemeinsam im Rahmen der Therapie eingesetzt. Auch weisen erste Studien auf die gleiche Wirkung bei einer kombinierten Anwedung von ASS und dem Wirkstoff Ticagrelor. Bei einer kombinierten Therapie kann jedoch eine leicht erhöhte Blutungsneigung bestehen.

In der Regel muss die Behandlung mit ASS oder Clopidogrel in Tablettenform dauerhaft fortgeführt werden. Bei Vorhofflimmern kann zusätzlich oder alternativ eine Therapie mit einem Blutgerinnungshemmer wie Marcumar® notwendig sein.

Erhöhtes Schlaganfall-Risiko

Nach einer TIA ist das Risiko für einen Schlaganfall deutlich erhöht: Bis zu 30 Prozent der Patient*innen erleiden innerhalb von fünf Jahren einen Schlaganfall.

Durch eine entsprechende Therapie und weitere vorbeugende Maßnahmen lässt sich das Risiko jedoch deutlich senken. Deshalb ist es wichtig, dass bei einer TIA schnellstmöglich die notwendige Diagnostik und Behandlung eingeleitet wird.

ABCD2-Score zur Risikoabschätzung

Mithilfe des sogenannten ABCD2-Scores lässt sich das Schlaganfall-Risiko abschätzen. Dabei werden für folgende Risikofaktoren Punkte vergeben:

  • Alter der Person über 60 Jahre
  • Blutdruck höher als 140/90 mmHg
  • spezielle Symptome (englisch: clinic): Halbseitige Lähmung oder Sprachstörungen
  • Dauer der Symptome
  • Diabetes mellitus als Vorerkrankung

Punkte werden nach den Kriterien "bestehend" und "nicht bestehend" sowie der Schwere der potenziell vorhandenen Symptome vergeben. Je nach Punktzahl wird das Risiko, innerhalb von zwei Tagen nach einer TIA einen Schlaganfall zu erleiden, mit bis zu acht Prozent angegeben.

TIA-Prävention: Risikofaktoren minimieren

Neben der Therapie mit gerinnungshemmenden Medikamenten müssen nach einer TIA weitere Risikofaktoren minimiert werden, um einem Schlaganfall vorzubeugen. Hierzu zählt zum Beispiel die Behandlung von Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) und die optimale Einstellung der Blutzuckerwerte bei Diabetes mellitus.

Außerdem sollte das LDL-Cholesterin unter 100 mg/dl gesenkt werden, wozu meist ein blutfettsenkendes Medikament (Statin) verschrieben wird. Bei Arteriosklerose mit starker Verengung der Halsschlagader kann unter Umständen eine Operation zur Entfernung des Plaques notwendig sein, um der Entstehung neuer Blutgerinnsel vorzubeugen.

Lebensstil verändern – Schlaganfall vorbeugen

Mit einer gesunden Lebensweise können Sie selbst viel dazu beitragen, Ihr Schlaganfall-Risiko zu verringern:

  • Geben Sie das Rauchen auf: Nikotinkonsum fördert die Entstehung von Arteriosklerose.
  • Achten Sie auf regelmäßige Bewegung: Sport wirkt sich positiv auf Blutdruck und Blutfette aus.
  • Reduzieren Sie Ihren Alkoholkonsum: Alkohol kann das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen.
  • Streben Sie ein normales Gewicht an: Übergewicht begünstigt die Entstehung von Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen.
  • Auch insgesamt wirkt sich eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung positiv aus.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
G45.-

Aktualisiert: 31.08.2021 - Autor: Dr. med. Jana Wittkowski, Ärztin

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