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Kurzdarmsyndrom: Ursachen und Folgen

Mann mit Kurzdarmsyndrom © istockphoto, lolostock

Unter dem Begriff Kurzdarmsyndrom (short bowel syndrome) versteht man die Auswirkungen des Verlusts größerer Dünndarmabschnitte. Besonders belastend für betroffene Personen sind meist Symptome wie starker Durchfall und Gewichtsverlust. In der Regel ist bei der Behandlung des Kurzdarmsyndroms zumindest vorübergehend eine künstliche Ernährung notwendig – nach einigen Monaten kann jedoch in vielen Fällen eine allmähliche Umstellung auf eine natürliche Ernährung erfolgen.

Ursachen: Operationen und Bestrahlung

Ein Kurzdarmsyndrom entsteht meist, wenn bei einer oder mehreren Operationen große Teile des Dünndarms entfernt werden müssen (strukturelles Kurzdarmsyndrom). Dies kann beispielsweise bei folgenden Erkrankungen notwendig sein:

  • Morbus Crohn
  • Nekrotisierende Enterokolitis
  • Tumore des Darms oder angrenzender Organe
  • Mangeldurchblutung des Darms - etwa durch Thrombose oder Verengung eines Gefäßes

Zu einem sogenannten funktionellen Kurzdarmsyndrom kommt es hingegen, wenn Abschnitte des Dünndarms so stark geschädigt werden, dass sie ihre Funktion verlieren – beispielsweise aufgrund einer Bestrahlungstherapie.

Verminderte Nährstoffaufnahme als Folge

Der Verlust von Dünndarmabschnitten hat verschiedene Folgen: Zum einen kommt es je nach betroffenem Abschnitt zu einer verminderten Aufnahme von Nährstoffen und Mineralstoffen wie Kalzium, Magnesium, Eisen, Folsäure sowie Vitamin B12 und fettlöslichen Vitaminen.

Zum anderen werden vermehrt Gallensäuren ausgeschieden, wodurch Gallensteine entstehen können und die Fettverdauung beeinträchtigt wird.

Verlust von Wasser und Salzen

Außerdem ist die Verweildauer des Nahrungsbreis im Darm kürzer – dadurch wird nicht ausreichend Wasser resorbiert und es kommt zu häufigen und flüssigen Stuhlgängen. Insbesondere wenn auch Teile des Dickdarms entfernt werden mussten, kann die vermehrte Ausscheidung von Wasser und Salzen zu starken Durchfällen führen.

Meist müssen dann Flüssigkeit und Mineralstoffe (wie Kalium und Natrium) in Form von Infusionen zugeführt werden, um eine Austrocknung und Störungen im Mineralstoffhaushalt zu vermeiden.

Vielseitige Symptome des Kurzdarmsyndroms

Dünndarmverluste von bis zu 50 Prozent der Länge werden in der Regel gut kompensiert. Meist treten erst Beschwerden auf, wenn über die Hälfte des Dünndarms entfernt wurde. Dann kann sich ein Kurzdarmsyndrom durch folgende Symptome äußern:

  • Durchfall
  • fettiger Stuhlgang (Steatorrhö)
  • Gewichtsverlust
  • Blutarmut (Anämie) oder erhöhte Blutungsneigung (hämorrhagische Diathese)
  • Gallensteine oder Nierensteine
  • Knochenerkrankungen wie Osteoporose
  • Muskelkrämpfe
  • Antriebslosigkeit und Erschöpfung

Zudem kann es zu einem Mangel des milchzuckerspaltenden Enzyms Laktase und infolgedessen zu einer Laktoseintoleranz kommen, wodurch nach dem Konsum von Milchprodukten zu krampfartige Schmerzen und Durchfall auftreten können.

Kurzdarmsyndrom bei Kindern

Bei Neugeborenen sind häufig angeborene Fehlbildungen (Atresien) des Darms Ursache für ein Kurzdarmsyndrom. Außerdem kann eine Darmverdrehung (Volvolus) oder eine sogenannte nekrotisierende Enterokolitis – eine entzündliche Darmerkrankung – die Entfernung großer Darmschnitte bei Säuglingen oder Kleinkindern erfordern.

Die Prognose von Kindern mit Kurzdarmsyndrom ist oftmals gut, denn der kindliche Darm verfügt über eine beträchtliche Anpassungsfähigkeit. Besonders wichtig ist jedoch eine individuell angepasste Ernährungstherapie, denn bei einer Mangelernährung kann es zu einer Gedeihstörung kommen: Betroffene Kinder sind dann deutlich zu leicht und zu klein für ihr Alter.

Aktualisiert: 10.07.2019 – Autor: Dr. med. Jana Wittkowski

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