Wie man das Kurzdarmsyndrom behandelt

Frau mit Kurzdarmsyndrom © istockphoto, rez-art

Die Behandlung des Kurzdarmsyndroms basiert auf dem Ersatz von Flüssigkeit, Nährstoffen, Mineralstoffen, Vitaminen und Kalorien. Je nach Phase und Schwere der Erkrankung kann dies durch Infusionen (parenteral), Magensonde (enteral) oder Nahrungsergänzungspräparate (oral) geschehen.

Kurzdarmsyndrom: Parenterale Ernährung durch Katheter

Für die parenterale Ernährung ist in der Regel ein zentralvenöser Katheter – beispielsweise ein Port oder ein sogenannter Hickman-Katheter – erforderlich, was meist ein gewisses Infektionsrisiko birgt. Daher sollte die parenterale Ernährung so lange wie nötig, aber so kurz wie möglich durchgeführt werden, zumal enterale Ernährung den Anpassungsvorgang des Darms fördern kann.

Medikamentöse Therapie als Ergänzung

Neben dem Ersatz von Nahrungsbestandteilen können beim Kurzdarmsyndrom verschiedene Medikamente zu einer Verbesserung der Symptome beitragen:

  • Wirkstoffe wie Loperamid oder N-Butylscopolamin hemmen die Darmbewegung und führen so zu einer verlängerten Verweildauer der Nahrung im Darm, was Durchfälle reduzieren kann.
  • Protonenpumpeninhibitoren – beispielsweise Pantoprazol oder Omeprazol – hemmen die gesteigerte Sekretion von Magensäure. Alternativ oder ergänzend können H2-Blocker wie Ranitidin eingesetzt werden.
  • Der Wirkstoff Colestyramin bindet Gallensäuren im Darm, was zur Linderung von gallensäurebedingten Durchfällen beitragen kann.
  • Das künstliche Hormon Teduglutid fördert die Aufnahme von Nährstoffen im Darm und kann so die Notwendigkeit von Ernährungsinfusionen reduzieren. Bei der Behandlung können jedoch Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Blähungen auftreten. Teduglutid ist nicht als Tablette verfügbar, sondern muss täglich ins Unterhautfettgewebe gespritzt werden.

Lebenserwartung unterschiedlich

Es ist schwierig, eine allgemeingültige Prognose für Patienten mit Kurzdarmsyndrom zu stellen, denn die Lebenserwartung hängt von verschiedenen Faktoren ab: Zum einen spielt die Grunderkrankung, wegen der der Darm entfernt werden musste, eine Rolle.

Zum anderen hängt die Prognose davon ab, welche Teile des Dünndarms entfernt wurden und wie lang der verbleibende Darm ist. Dabei gilt eine Restdarmlänge von unter einem Meter als kritisch – dann ist meist eine lebenslange parenterale Ernährung nötig.

Zudem beeinflussen Alter, Allgemeinzustand und Begleiterkrankungen des Patienten sowie auftretende Komplikationen die Prognose. Generell lässt sich jedoch sagen, dass durch die Optimierung der parenteralen Ernährungstherapie die Lebenserwartung von Patienten mit Kurzdarmsyndrom in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist.

Phasen des Kurzdarmsyndroms

Der Verlauf eines Kurzdarmsyndroms wird in drei Phasen eingeteilt, die meist fließend ineinander übergehen:

  1. Hypersekretionsphase: Die erste Phase beginnt in der Regel kurz nach der Operation und dauert normalerweise bis zu zwei Monate. In dieser Zeit kommt es zu starken Flüssigkeitsverlusten und einem Stuhlvolumen von über zweieinhalb Litern, weshalb in der Regel eine künstliche Ernährung über einen Katheter notwendig ist.
  2. Adaptationsphase: Innerhalb von ein bis zwei Jahren kann sich der Darm an die neuen Anforderungen anpassen. Oftmals bessern sich die Beschwerden dann und es kann mit einem Kostaufbau – gegebenenfalls mittels einer Magensonde – begonnen werden.
  3. Stabilisationsphase: Nach Abschluss der Anpassung kann meist langsam die Umstellung auf eine natürliche Nahrungsaufnahme erfolgen.

Ernährungstipps bei Kurzdarmsyndrom

Abhängig vom Verlauf der Erkrankung ist in vielen Behandlungsplänen ab der Adaptationsphase oder in der Stabilisationsphase eine allmähliche Umstellung auf eine natürliche Nahrungsaufnahme vorgesehen. Wir haben für Sie Tipps zusammengestellt, auf was Sie dann bei der Ernährung achten sollten:

  • Nehmen Sie sechs bis acht kleine Mahlzeiten am Tag ein, um den Darm nicht zu überfordern und eine bestmögliche Nährstoffaufnahme zu erreichen.
  • Trinken Sie nicht während der Mahlzeiten, sondern halten Sie mindestens 30 Minuten Abstand zwischen Essen und Flüssigkeitsaufnahme – denn Flüssigkeit beschleunigt die Passage des Nahrungsbreis im Darm.
  • Meiden Sie anfangs ballaststoffreiche Kost wie faseriges Gemüse, Hülsenfrüchte und Rohkost und steigern Sie den Ballaststoffgehalt der Nahrung langsam.
  • Verdünnen Sie Fruchtsäfte mit Wasser im Verhältnis 3:1 und meiden Sie zuckerhaltige Softdrinks, denn der Zucker „zieht“ Wasser in das Darminnere, was zu Durchfällen führen kann.
  • Verzichten Sie zunächst auf Milchzucker und testen Sie nach einigen Wochen, welche Mengen Sie vertragen.

Anhand Ihrer Symptome und Blutwerte wird Ihr Arzt entscheiden, ob Sie zusätzlich Nahrungsergänzungspräparate zum Ersatz von Vitaminen, Spurenelementen oder anderen Nährstoffen benötigen.

Darmtransplantation bei schweren Komplikationen

Bei Patienten, die trotz einer dauerhaften parenteralen Ernährung stetig an Gewicht verlieren, kommt unter Umständen eine Darmtransplantation als letzte Behandlungsmöglichkeit in Frage. Auch wenn Komplikationen wie eine Blutvergiftung (Sepsis), ein Leberschaden, schwere Stoffwechselstörungen oder häufige Katheterinfektionen auftreten sollten, kann eine Transplantation in Betracht gezogen werden.

Je nach Begleiterkrankungen des Patienten können dabei nur der Dünndarm oder gleichzeitig weitere Organe wie Leber, Magen oder Bauchspeicheldrüse transplantiert werden. Jedoch ist eine Darmtransplantation mit großen Risiken verbunden, unter anderem durch die erforderliche Unterdrückung des Immunssystems (Immunsuppression).

Aktualisiert: 10.07.2019 – Autor: Dr. med. Jana Wittkowski

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