Fersenschmerzen richtig deuten

Frau mit Fersenschmerzen © iStock.com/AndreyPopov

Fersenschmerzen plagen viele Menschen in unterschiedlichem Lebensalter. Die Gründe für ihr Auftreten sind sehr vielseitig: So können sie zum Beispiel durch Entzündungen, Fußfehlstellungen oder auch Warzen entstehen. In diesem Artikel werden häufige Ursachen von Schmerzen in der Ferse vorgestellt und kurz erklärt. Zusätzlich erhalten Sie Ratschläge, was Sie bei Fersenschmerzen tun können und wann der Gang zum Arzt unvermeidbar wird.

Was sind häufige Ursachen für Fersenschmerzen?

Schmerzen in der Ferse können unterschiedliche Ursachen haben. Mögliche Auslöser der Beschwerden sind:

  1. Plantarfasziitis
  2. Achillessehnenentzündung
  3. Achillessehnenruptur
  4. Fußfehlstellungen
  5. Rheuma
  6. Bandscheibenvorfall
  7. Apophysitis calcanei
  8. Schwielen und Warzen

Im Folgenden stellen wir Ihnen die verschiedenen Ursachen genauer vor.

1) Plantarfasziitis: Schmerzen an der Unterseite des Fußes

Laut Studien gehen auf diese Erkrankung mit dem komplizierten Namen achtzig Prozent der Fersenschmerzen zurück. Durch wiederholte Belastung, auch Mikrotraumata genannt, wird die Plantaraponeureuse gereizt. Das ist eine Sehnenplatte, die an der Unterseite des Fußes entlang verläuft.

Dementsprechend äußern sich auch die Schmerzen unterhalb des Fußes und vor allem beim Gehen und Stehen. Zusätzlich sind die Schmerzen durch Druck auf die Fußsohle auslösbar, was der Arzt entsprechend nachstellen kann. Viele Betroffene beschreiben auch, dass die Schmerzen nach dem Aufstehen am Morgen beim Gehen am stärksten sind und im Verlauf des Tages wieder abnehmen, bis eine bestimmte Schwelle an Belastung überschritten ist und sie letztendlich wieder stärker werden.

Die Plantarfasziitis tritt hauptsächlich im mittleren Lebensalter auf. Risikofaktoren sind Fehlbelastung, Übergewicht, Fußfehlstellungen und sowohl zu viel als auch zu wenig körperliche Aktivität.

Die Plantarfasziitis ist nicht dasselbe wie ein Fersensporn, auch wenn die Begriffe oft bedeutungsgleich verwendet werden. Ein Fersensporn bezeichnet eine Verknöcherung von Sehenansätzen im Bereich des Fersenbeins. Fersenbein ist der Name eines Knochens in der Ferse. Ein Fersensporn ist oftmals ein schmerzloser Zufallsbefund. Er kann sich unter der Ferse oder oben hinten an der Ferse entwickeln. Erst, wenn sich diese Verknöcherung des Sehnenansatzes entzündet, kommt es zu Schmerzen.

Eine Plantarfasziitis wird in der Regel konservativ behandelt. Schmerzmittel können, wenn die Schmerzen zu groß sind, unter ärztlicher Aufsicht und nur für einen begrenzten Zeitraum, eingenommen werden. Ansonsten helfen maßgefertigte Einlegesohlen, Tapen (also die Verwendung von Kinesio-Tape) und auch spezielle Nachtschienen, die den Fuß zusätzlich schonen. Bei einer sehr schweren Plantarfasziitis können operative Eingriffe helfen, die Schmerzen zu lindern.

2) Achillessehnenentzündung (Achillodynie)

Im oberhalb der Ferse gelegenen Bereich der Achillessehne kann es durch verschiedene Erkrankungen zu Entzündungen und Schmerzen kommen. Vor allem beim Gehen und Laufen treten starke Schmerzen auf. Betroffene versuchen häufig, nur noch ihren Vorderfuß aufzusetzen, um ihre Schmerzen zu verringern.

Ursachen für eine Entzündung dieser Sehne können zum Beispiel eine Gicht oder erhöhte Blutfette sein. Beide Erkrankungen führen zu Ablagerungen im Bereich der Achillessehne und so zu Reizungen und letztendlich zur Entzündung.

Bei einer akuten Entzündung der Achillessehne ist vor allem die Ruhigstellung des Fußes von großer Bedeutung. Dies kann durch einen Gips, das Tapen oder Verbände geschehen. Zudem kann die Gabe von Schmerzmitteln den Betroffenen helfen. Sport sollte unterlassen werden und die zugrunde liegende Erkrankung sollte behandelt werden, um eine chronische Entzündung zu verhindern.

3) Achillessehnenruptur – Riss der Achillessehne

Auch eine Achillessehnenruptur, also ein Riss der Achillessehne, führt zu Schmerzen in der Ferse. Die Symptome für eine Achillessehnenruptur sind meist sehr eindeutig. Hauptsächlich sind sportliche Männer zwischen 30 und 40 Jahren betroffen. Insbesondere beim Starten oder plötzlichem Abbremsen während des Sportes kommt es zur Ruptur. Diese äußert durch einen lauten, häufig als "Peitschenschlag" beschriebenen Knall und starke Schmerzen.

Die Achillessehnenruptur muss in jedem Fall behandelt werden. Generell ist zwar eine konservative Behandlung im Gips oder Spezialschuh möglich. Insbesondere jungen Patienten wird aber tendenziell häufiger zur Operation geraten. Anschließend ist eine physiotherapeutische Behandlung zur Kraft- und Funktionswiederherstellung im betroffenen Bein empfehlenswert.

4) Fußfehlstellungen als Ursache von Fersenschmerzen

Eine Reihe von verschiedenen Fußfehlstellungen kann Schmerzen an der Ferse begünstigen. Die Schmerzen können entweder durch die Fehlstellung selbst entstehen oder durch entzündliche Prozesse, die als Folge der Fehlstellung auftreten, wie zum Beispiel Schleimbeutelentzündungen oder der schon beschriebene Fersensporn.

Besonders häufig führt eine angeborene Formvariante des Fersenbeins, die sogenannte Haglund-Deformität, zu Fersenschmerzen. Hierbei handelt es sich um einen knöchernen Vorsprung oberhalb des Fersenbeins im Bereich der Achillessehne. Durch andauernden Druck (zum Beispiel durch zu enges Schuhwerk) kommt es zur Entzündung und Schwellung der umgebenden Schleimbeutel (Bursitis) und somit zum Krankheitsbild der Haglund-Exostose. Man bezeichnet dies auch als Haglund-Ferse.

Zunächst versucht man, diese konservativ zu behandeln, beispielsweise durch richtige Schuhe, die nicht zu viel Druck ausüben, Ruhigstellung und Bandagen. Treten dauerhaft und beidseitig Schmerzen an dieser Stelle auf und konnte die Deformität auch durch ein Röntgenbild nachgewiesen werden, kann eine operative Entfernung des Knochenfortsatzes sinnvoll sein.

5) Rheuma kann Schmerzen in der Ferse auslösen

Rheumatische Erkrankungen können an vielen Orten im Körper auftreten und sind dementsprechend auch ein möglicher Auslöser für Fersenschmerzen. Vor allem im Bereich der Achillessehne und des Fersenbeins entstehen bei vielen Menschen, die unter Rheuma leiden, starke Fersenschmerzen, die nicht selten auch den ganzen Fuß betreffen. Rheumatische Beschwerden beginnen allerdings meistens an den Finger- und auch Zehengelenken. Sie treten beidseitig auf und verstärken sich in Ruhe, beispielsweise in der zweiten Nachthälfte.

Ist der Auslöser von Fersenschmerzen rheumatischer Natur, kann dies durch ein Röntgenbild festgestellt werden. Auf dem Röntgenbild sind bei Patienten mit Rheuma an dem betroffenen Gelenk eine Gelenkspaltverschmälerung und eine Veränderung des umliegenden Knochens sichtbar.

Die Therapie des Rheumas besteht bei gesicherter Diagnose aus zwei Komponenten, da sich die Erkrankung in schubfreie Phasen und Schübe, während denen die Erkrankung fortschreitet, unterteilt. Zunächst einmal muss das Rheuma als Erkrankung, die den ganzen Körper betrifft, medikamentös behandelt werden. Kommt es zu einem Schub, werden Rheumatikern Medikamente gegeben, um diesen Schub zu unterdrücken beziehungsweise abzumildern. Liegt gerade kein Schub der Erkrankung vor, wird dem Erkrankten eine Basistherapie verabreicht, um den nächsten Schub und somit das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten.

Zusätzlich sollten bei Beschwerden, wie zum Beispiel dem Fersenschmerz, natürlich auch diese gezielt behandelt werden. Beim Rheuma ist ein sogenannter rheumatischer Fuß mit starken Verformungen der Zehen nicht selten. Um dies zu verhindern, sollte der Betroffene Einlagen erhalten, die den Fuß an Stellen, an den es schmerzt, entlasten. Zusätzlich kann Physiotherapie helfen, den Fuß in die korrekte Haltung zu bringen. Bei einem akuten Schub mit Schmerzen kann zudem eine Kältetherapie eine sinnvolle Ergänzung zur medikamentösen Therapie sein.

6) Bandscheibenvorfall: Schmerzen strahlen bis in die Ferse aus

Auch durch einen Bandscheibenvorfall können Schmerzen ausgelöst werden, die bis in die Ferse ausstrahlen. Sollte ein Bandscheibenvorfall die Ursache der Fersenschmerzen sein, ist es aber sehr unwahrscheinlich, dass diese isoliert auftreten. Vielmehr beschreiben viele Betroffene ihre Schmerzen als elektrisierende Schmerzen, die das Bein herunter ziehen. Zusätzlich treten noch Kreuzschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule auf.

7) Apophysitis calcanei: Fersenschmerzen im Kindesalter

Bei Kindern in der Wachstumsphase gibt es eine weitere Ursache für Fersenschmerzen, die eher selten im Erwachsenenalter auftritt. Die Apophysitis calcanei ist eine Erkrankung im Bereich des Fersenbeins. Hierbei erweicht sich als Folge einer vermehrten Belastung die Apophyse des Fersenbeins. Die Apophyse ist ein Knochenfortsatz, an dem die Achillessehne am Fersenbein ansetzt. Durch die Erweichung kommt es zu Schmerzen.

Am häufigsten sind Kinder zwischen acht und sechzehn Jahren von der Erkrankung betroffen. Die Apophysitis calcanei tritt meist beidseitig auf und erfordert die Schonung für mehrere Wochen. Glücklicherweise heilt die Apophysitis calcanei in den meisten Fällen ohne Folgeschäden gut aus.

8) Schwielen und Warzen an der Ferse

Fersenschmerzen können nicht nur orthopädische Ursachen haben. Plantarwarzen werden Warzen genannt, die im Bereich der Fußsohle und somit auch im Bereich der Ferse auftreten. Liegen sie unter der Ferse, können Gehen, Laufen und Joggen sehr schmerzhaft. Sind die Warzen eher seitlich gelegen, kann insbesondere einengendes Schuhwerk Schmerzen verursachen. Neben Warzen können auch einfache Schwielen oder Blasen bei Druck schmerzhaft sein.

Die Therapie, um Warzen wieder loszuwerden, ist oft recht langwierig. In der Apotheke sind verschiedene Salben, Tinkturen und auch Vereiser erhältlich. Zusätzlich kann der Besuch beim Hautarzt helfen.

Wie findet man die Ursache der Fersenschmerzen?

Wenn Sie bei sich vermehrt Schmerzen im Bereich der Ferse feststellen, sollten Sie genau beobachten, wann diese auftreten. Dies kann zum Beispiel vermehrt nach dem Joggen, in der Nacht, beim Bücken oder Strecken sein.

Auch eine genaue Lokalisation der Schmerzen kann für den behandelnden Arzt hilfreich für eine Diagnosestellung sein. Achten Sie also darauf, ob die Schmerzen mehr unter der Ferse, seitlich außen, seitlich innen oder wie zum Beispiel bei der Achillessehnenentzündung mehr hinten auftreten.

Wann zum Arzt bei Fersenschmerzen – und welcher Arzt ist zuständig?

Treten die beobachteten Schmerzen über mehrere Wochen immer wieder auf oder bei plötzlichen Fersenschmerzen, die sehr stark sind, ist es ratsam, den Hausarzt aufzusuchen. Dieser kann, wenn die Diagnose nicht eindeutig ist, entscheiden, welcher Arzt am besten weiterhelfen kann, zum Beispiel ein Orthopäde, Rheumatologe oder Hautarzt.

Was kann man gegen Fersenschmerzen machen?

Ist der Ursprung der Schmerzen nicht geklärt, sollte der betroffene Fuß zunächst einmal ruhiggestellt werden. Neben Ruhe empfinden viele Betroffene auch das Kühlen oder Wärmen ihrer Ferse als angenehm. Als weitere Hausmittel werden auch oft Fußbäder, beispielsweise mit Apfelessig, oder einfache Fußmassagen empfohlen.

Auch Dehnübungen können abhängig von der Ursache helfen, die Schmerzen zu verringern. Um die richtigen Übungen für die jeweilige Erkrankung zu finden, gibt es zahlreiche Anleitungen im Internet. Physiotherapeuten können darüber hinaus individuell angepasste und gezieltere Übungen für jeden Betroffenen zusammenstellen und die richtige Ausführung erklären.

Welche Medikamente helfen bei Fersenschmerzen?

Generell können bei Schmerzen in der Ferse vor allem die sogenannten nichtsteroidalen Antirheumatika, kurz NSARs, verwendet werden. Dabei handelt es sich um Schmerzmittel, wie zum Beispiel Aspirin®, Diclofenac oder Ibuprofen. Vorteil dieser Schmerzmittel ist, dass sie sowohl schmerzlindernd als auch entzündungshemmend sind. Dies hilft zum Beispiel sehr gut, wenn die Ferse aufgrund einer Plantarfasziitis oder anderer Entzündungen schmerzt.

Wichtig ist es auch, diese rezeptfreien Tabletten nicht dauerhaft, also nicht über mehrere Wochen, anzuwenden. Denn auch sie haben bei längerer Anwendung Nebenwirkungen – so kann es zum Beispiel zu Magengeschwüren kommen.

Auch Salben, die Schmerzmittel enthalten, tragen für viele Patienten zur Linderung der Fersenschmerzen bei.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
M79.67

Quellen

Aktualisiert: 24.08.2020 - Autor: Sophia Jäger, Studentin der Humanmedizin

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