Symptom Pochen – harmlos oder gefährlich?

Pochen im Kopf © istockphoto, luna4

Pochende Schmerzen können an verschiedenen Stellen im Körper auftreten, beispielsweise im Ohr, im Kopf oder am Auge. Häufig ist das Pochen dabei im gleichen Rhythmus wie der Herzschlag (pulssynchron): Man spürt also den eigenen Puls. Dies ist meistens Ausdruck eines erhöhten oder veränderten Blutflusses in der betroffenen Region – etwa bei einer Entzündung. In seltenen Fällen kann aber auch eine Gefäßaussackung oder ein Tumor hinter dem Pochen stecken. Daher sollten Sie andauernde pochende Schmerzen von einem Arzt abklären lassen.

Pochen im Ohr bei Mittelohrentzündung

Im Ohr macht sich ein Pochen oftmals als pulsierendes Geräusch bemerkbar. Tritt es zusammen mit Ohrenschmerzen auf, ist häufig eine Mittelohrentzündung die Ursache. Meist kommen dabei noch Fieber, Abgeschlagenheit und eine Hörminderung auf dem betroffenen Ohr hinzu.

Eine Mittelohrentzündung kann von einem Hausarzt oder einem Hals-Nasen-Ohrenarzt durch eine Ohrspiegelung meist leicht festgestellt werden. Bei einer Behandlung kann ein Antibiotikum zum Einsatz kommen, das dann etwa fünf bis sieben Tage eingenommen wird.

Gefäßerkrankungen als Ursache

Tritt das Pochen im Ohr ohne begleitende Ohrenschmerzen auf, kann unter Umständen eine Gefäßerkrankung dahinterstecken. Bei älteren Menschen kommt es durch die im Alter zunehmende Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) häufig zu Verengungen der Gefäße. Das Blut muss dann einen erhöhten Widerstand überwinden, was bei den Gefäßen im Kopfbereich als pochendes Geräusch zu vernehmen sein kann.

Außerdem kann ein Pochen im Ohr folgende Ursachen haben:

  • Gefäßaussackung (Aneurysma)
  • Fehlbildung von Venen oder Arterien
  • Aufspaltung der Wandschichten eines Gefäßes (Dissektion)
  • "Kurzschluss" zwischen Arterien und Venen (arteriovenöse Fistel)
  • Erhöhung des Hirndrucks
  • Blutarmut (Anämie)
  • gefäßreicher Tumor

Tritt das Pochen im Ohr unabhängig vom Rhythmus des Herzschlages auf, kann es möglicherweise eine Form von Tinnitus sein. Der Unterschied zum pulssynchronen Pochen ist, dass es bei einem Tinnitus keine reale Geräuschquelle – wie zum Beispiel den Blutfluss – gibt.

Wenn Sie über mehrere Tage ein Pochen im Ohr hören oder spüren, sollten Sie also am besten einen Hals-Nasen-Ohrenarzt aufsuchen. Er kann eine mögliche Erkrankung der Ohren feststellen und wird unter Umständen ein CT oder MRT veranlassen, um die Ursache für das Pochen im Ohr herauszufinden.

Pochende Zahnschmerzen

Pocht es im Zahn, ist dies meist ein Hinweis auf eine Entzündung der Zahnwurzel. Häufigste Ursache dafür ist fortgeschrittener Karies, der bereits durch den Zahnschmelz bis ins Zahninnere vorgedrungen ist. Seltener kann auch Zähneknirschen oder ein schief gewachsener Weisheitszahn eine Zahnwurzelentzündung hervorrufen.

Gelegentlich kommt es nach einer Entfernung der Weisheitszähne zu einer Entzündung der Wunde, was sich ebenfalls durch ein Pochen äußern kann. Zudem kann eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) oder eine Zahnbettentzündung (Parodontitis) pochende Zahnschmerzen verursachen.

Ein Pochen im Zahn sollten Sie möglichst frühzeitig von einem Zahnarzt abklären lassen, denn unbehandelt können sich Entzündungen im Zahnbereich schnell ausbreiten und unter Umständen zum Verlust der betroffenen Zähne führen. 

Meist harmlos: Pochen im Kopf

Pochende Kopfschmerzen sind sehr häufig und können bei Migräne oder Spannungskopfschmerzen auftreten. Gelegentliches Pochen im Kopf, das auf Schmerzmittel wie Aspirin®, Ibuprofen oder Paracetamol anspricht, ist in der Regel unbedenklich. Wenn Sie jedoch häufiger als acht Mal im Monat unter Kopfschmerzen leiden, sollten Sie dies von einem Arzt abklären lassen.

Insbesondere, wenn andere Symptome wie Übelkeit, Nackensteifigkeit, Lähmungen oder ein Kribbeln hinzukommen, ist eine ärztliche Untersuchung unerlässlich.

Setzen extrem starke Kopfschmerzen plötzlich ein ("Vernichtungskopfschmerz") oder treten Bewusstseinsstörungen oder Verwirrung auf, sollten Sie sofort den Notruf wählen, denn dies kann möglicherweise ein Zeichen für eine Gehirnblutung oder einen Schlaganfall sein.

Pochen am Auge

Ein Pochen am Ober- oder Unterlid des Auges kann im Rahmen von harmlosem Muskelzucken vorkommen. Diese unwillkürlichen Kontraktionen der kleinen Muskeln um das Auge treten bei vielen Menschen vorübergehend auf und sind in aller Regel kein Grund zur Beunruhigung. Die genauen Ursachen für das Augenzucken sind unbekannt – es wird lediglich vermutet, dass Stress oder ein Magnesiummangel eine Rolle spielen können.

Tritt das Pochen am Auge in Zusammenhang mit einer schmerzhaften Schwellung am Lid auf, könnte möglicherweise eine Entzündung der Talg- oder Schweißdrüsen – ein sogenanntes Gerstenkorn – dahinterstecken. Meistens heilt ein Gerstenkorn von alleine ab, ohne dass eine Behandlung nötig ist.

Unterstützend können Rotlicht oder (trocken-)warme Kompressen angewendet werden, um die Schmerzen zu lindern. Wenn das Gerstenkorn nicht heilt oder das ganze Auge stark schmerzt und gerötet ist, sollten Sie einen Augenarzt aufsuchen.

Herzpochen: Bei Stress normal

Den eigenen Herzschlag bei Aufregung oder körperlicher Anstrengung als Pochen in der Brust zu spüren ist völlig normal. Auch ein gelegentlicher zusätzlicher Herzschlag oder ein "Herzstolpern" ist häufig harmlos, kann jedoch auch Hinweis auf eine Herzrhythmusstörung oder eine Herzklappenerkrankung sein. Daher sollten Sie einen Arzt aufsuchen, wenn Sie ein unregelmäßiges Herzpochen bei sich bemerken. Dies gilt auch, wenn sich das pochende Herz in Ruhe bemerkbar macht.

Pochen im Bauch: Aneurysma ausschließen

Ein Pochen im Bauch wird häufig durch den Puls der Hauptschlagader verursacht. Bei sehr schlanken Menschen kann das Pulsieren sogar durch die Bauchdecke sichtbar sein. Auch dies ist meistens harmlos, allerdings kann auch ein eine Aussackung der Hauptschlagader (Aortenaneurysma) die Ursache sein. Dies kann in der Regel mit einer einfachen Ultraschalluntersuchung beim Arzt ausgeschlossen werden.

Aktualisiert: 06.09.2019 – Autor: Dr. med. Jana Wittkowski

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