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So vielseitig anwendbar ist Propolis

Propolis © istockphoto, joannawnuk

Etwa um 20 vor Christus schrieb der römische Dichter Vergil im 4. Buch seiner Lehrgedichte "Georgica": "Sie legen Tränentau der Narzisse Und Klebstoff der Rinde Für die Waben als ersten Grund". Der Klebstoff der Rinde ist Harz, den die Bienen aus den harzigen Bestandteilen der Knospen von Bäumen herstellen. Wie menschliche Handwerker verwenden sie es zum Abdichten von Fugen und Ritzen. Auch jede einzelne Brutwabe wird mit einem dünnen Film von Propolis überzogen, damit keine Keime die Brut zerstören können. Für die Medizin interessant sind die Einzelsubstanzen des Propolis. Man sagt ihm eine Wirkung nach, die mit Antibiotika vergleichbar ist.

Definition: Propolis

Das Wort Propolis kommt aus dem Griechischen (pro – vor, für; polis – Stadt) und heißt so viel wie "vor der Stadt" oder auch "für die Stadt". Das von den Bienen selbst produzierte Harz hält Viren, Pilze und Bakterien aus dem Stock fern. Bienen sammeln Harz aus Nadelhölzern oder von Baumknospen und verstauen das harzige Wachs in ihren Pollenkörbchen. Im Stock mischen sie es mit Wachs und Blütenpollen. Damit desinfizieren sie die Innenräume ihres Stocks und dichten kleinere Ritzen ab.

Wirkung von Propolis

Propolis hat eine ausgeprägte antibiotische und auch antivirale und pilzhemmende Wirkung. Es gilt als das stärkste natürliche Antibiotikum. Gelegentlich werden Imker damit überrascht, dass sie eine mit Propolis mumifizierte Maus im Bienenstock finden: Der Eindringling wurde zu Tode gestochen, doch entfernen können ihn die Bienen nicht. Damit er nicht verwest und den Stock mit Bakterien verseucht, bestreichen sie ihn mit einem Film aus Propolis. Diese Technik machten sich auch die Ägypter zunutze – sie mumifizierten ihre Leichen mit Harz beziehungsweise mit Propolis.

Anwendung als antibakterielles Vielzweckmittel

Schon vor mehreren tausend Jahren war die antivirale, antimykotische und antibakterielle Wirkung des Propolis beim Menschen bekannt. Der Grieche Hippokrates (460 – 377 v. Chr.) verwies bereits in der Antike auf die Wirkung von Propolis für Geschwüre auf der Haut und des Magen-Darmtraktes.

Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) schätzte die heilenden Eigenschaften der Propolis besonders bei Quetschungen, Hautkrankheiten und eitrigen Wunden. Der Römer Gaius Plinius Secundus (23 – 79 n. Chr.) schrieb über die Wirkung von Propolis aus dem Bienenvolk. Die Inkas setzten Propolis bei fiebrigen Infektionen ein. Die römischen Militärärzte brauchten es als Wunddesinfektionsmittel, und noch im Zweiten Weltkrieg wurde es dafür auch in Russland verwendet.

Weltweit beschäftigen sich heute Wissenschaftler mit den medizinischen Eigenheiten dieses Baustoffs der Bienen: Propolis stärkt tatsächlich das Immunsystem, wirkt gegen Schleimhautentzündungen und Hauterkrankungen.

Propolis: Anwendung bei Krebs?

Seit Jahrzehnten laufen tierexperimentelle Studien, die isolierte Inhaltsstoffe aus Propolis an Tumorzellen testen. Der Fokus liegt hierbei auf dem Wirkstoff Kaffeesäure-Phenethyl-Ester, der in den Zellkulturen eine genregulierte Chemotherapie-Resistenz hemmen kann.

In klinischen Studien haben sich bisher allerdings weder jener Ester noch andere Substanzen aus Propolis als Therapieform gegen Krebs behaupten können.

Oftmals ist auch von einer unterstützenden Wirkung von Propolis für Patienten mit bestrahlungsbedingter Mukositis die Rede. Doch auch hier bedarf es weiterer Forschung, da die Datenlage nicht eindeutig ist.

Aktualisiert: 21.11.2017 – Autor: bo, überarbeitet: Nadja Weber

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