Harnsäure – das steckt hinter dem Laborwert!

Harnsäure-Messgerät für zu Hause © Getty Images/Dusan Ilic

Harnsäure fällt in unserem Körper an, wenn dieser Purine abbaut. Die Harnsäurewerte sind wichtig, wenn es um die Diagnose einer Gicht geht, erhöhte Werte können daher ein Hinweis auf die Erkrankung sein. Die Normalwerte für Harnsäure schwanken je nach Lebensalter und Geschlecht. Welche Werte sind normal, was bedeutet es, wenn die Harnsäurewerte zu hoch sind und was kann man tun, um sie zu senken? Das lesen Sie hier.

Was ist Harnsäure?

Harnsäure – nicht zu verwechseln mit Harnstoff – entsteht beim Abbau von Purinen. Purine sind Bausteine unserer DNA, können aber auch über die Nahrung aufgenommen werden. Harnstoff dagegen entsteht, wenn der Stickstoff, welcher in den Aminosäuren der Proteine steckt, abgebaut wird. In beiden Fällen handelt es sich also um Abbauprodukte, die jedoch eine vollkommen andere Bedeutung im Körper haben.

Harnsäure ist recht schlecht wasserlöslich. Im Normalfall herrscht ein Gleichgewicht zwischen der Zufuhr von Harnsäure durch den Abbau von Purinen, und der Ausscheidung, hauptsächlich durch die Nieren aber auch über den Darm. Dieses Gleichgewicht ist, bedingt durch die schlechte Wasserlöslichkeit der Harnsäure, sehr fragil und störanfällig. Steigen die Harnsäurewerte im Blut über die Löslichkeitsgrenze an, können sich – vor allem in den Gelenken – Harnsäurekristalle bilden, die dort Entzündungen verursachen können und der Auslöser für die Stoffwechselstörung Gicht sind.

Was bedeuten die Harnsäurewerte im Blutbild?

Eine gängige Abkürzung für den Laborwert Harnsäure ist HS, auch UA (Uric Acid) wird gelegentlich verwendet. Um die Konzentration der Harnsäure im Blut zu beurteilen, kann man diese im Rahmen einer Blutuntersuchung messen. Die Harnsäurewerte können dann – je nachdem, ob der Verdacht auf eine bestimmte Krankheit besteht und wenn ja, welche – mit den anderen Blutwerten des Blutbildes in Relation gebracht werden.

Die Harnsäurewerte können zu hoch oder zu niedrig sein. Erhöhte Werte können Gichtanfälle begünstigen. Zu niedrige Werte sind dagegen sehr selten, können aber ein Hinweis auf eine Erkrankung oder eine Überdosierung von harnsäurehemmenden Mitteln sein. Neben Erkrankungen und Medikamenten kann auch die Ernährung den Harnsäurespiegel beeinflussen.

Warum und wie wird die Harnsäure gemessen?

Der Harnsäurewert wird üblicherweise im Blut (im Blutplasma oder im Serum) gemessen. Dies kann routinemäßig im Rahmen einer Blutuntersuchung erfolgen, aber auch bei Verdacht auf Gicht beziehungsweise zur Kontrolle einer vorliegenden Gicht, bei Nierenversagen, Leukämie oder im Rahmen einer Krebstherapie. Vor der Blutentnahme sollte man nichts essen oder trinken, da dies die Werte beeinflussen könnte.

Daneben kann in selteneren Fällen auch die Harnsäure im Urin gemessen werden, wobei der 24-Stunden-Sammelurin entscheidend ist. Der Wert ist unter anderem abhängig vom pH-Wert des Urins. Der Harnsäurewert im Urin kann in bestimmten Fällen von Bedeutung sein, wenn es um die Dosierung von Medikamenten geht, etwa im Rahmen einer Chemotherapie.

Neben der Bestimmung der Harnsäure im Labor kann man in der Drogerie auch Teststreifen für Messgeräte für den Heimbedarf erwerben, um die Werte im Blut selbst zu bestimmen. Dies funktioniert ähnlich wie eine Blutzuckermessung. Mithilfe eines kleinen Blutstropfens wird die Harnsäurekonzentration ermittelt. Diese Messgeräte sind aber im Zweifelsfall nicht so genau wie die Laborbestimmung beim Arzt.

Welche Harnsäurewerte sind normal?

Die Normalwerte für Harnsäure unterscheiden sich je nach Geschlecht und Alter. In der Tabelle werden die Normwerte in mg/dl (Milligramm pro Deziliter) angeben:

Alter Geschlecht Normalwert
6-11 Jahre weiblich 1,8-5,9 mg/dl
männlich 1,8-5,9 mg/dl
12-14 Jahre weiblich 2,2-6,4 mg/dl
männlich 3,1-7 mg/dl
15-17 Jahre weiblich 2,4-6,6 mg/dl
männlich 2,1-7,6 mg/dl
ab 18 Jahre weiblich 2,5-6,5 mg/dl
männlich 3,0-6,9 mg/dl

Bei Erwachsenen sollte der Harnsäurewert im Urin pro 10 Milliliter bis zu 0,8 g/24h (Gramm im 24-Stunden-Urin) betragen.

Erniedrigte Harnsäurewerte im Blut

Zu niedrige Harnsäurewerte (Hypourikämie) sind eher eine Seltenheit. Eine mögliche Ursache dafür kann eine zu starke Behandlung mit harnsäuresenkenden Medikamenten, wie dem Allopurinol, sein. Das Defizit an Harnsäure kann aber auch durch eine Störung im Purinstoffwechsel (Xanthinurie) oder durch eine Leberkrankheit bedingt sein.

Erhöhte Harnsäure im Blut – was kann die Ursache sein?

Liegen die Harnsäurewerte über den oben angegebenen Grenzwerten, spricht man in Fachkreisen von einer Hyperurikämie. Das bedeutet übersetzt, dass zu viel Harnsäure im Blut vorhanden ist. Die Hyperurikämie ist ein häufiges Symptom, das je nach Datenlage 15 bis 25 Prozent aller Menschen der westlichen Welt aufweisen. Ein erhöhter Harnsäurewert bedeutet dabei nicht gleich, dass eine Gicht vorliegt. Er begünstigt lediglich die Entstehung eines Gichtanfalls.

Die Ursache für zu hohe Harnsäurewerte im Blut liegt entweder an zu viel Purinen, die zu Harnsäure abgebaut werden, oder an einer gestörten Ausscheidung. Erkrankungen oder Situationen, bei denen erhöhte Harnsäurewerte auftreten können, sind unter anderem:

  • Gicht
  • Nierenerkrankungen
  • Fasten oder Nulldiät: Durch die Bildung von Ketonkörpern während des Fastens wird die Harnsäureausscheidung gehemmt
  • übermäßiger Konsum von Purinen, zum Beispiel in Fleisch
  • im Rahmen von Tumorerkrankungen: Hier zerfallen die Zellen und es wird vermehrt Harnsäure gebildet
  • bei der Einnahme von ASS wird die Harnsäureausscheidung in der Niere gehemmt

Welche Symptome treten bei zu hohen Harnsäurewerten im Blut auf?

Zu hohe Harnsäurewerte im Blut verursachen zunächst keine Symptome. Erst wenn sich die Harnsäure kristallisiert und sich in Form von Uratkristallen (Salz der Harnsäure) in den Gelenken ablagert, kommt es zu den typischen Symptomen eines Gichtanfalls. Die vom Körper ausgelöste Entzündungsreaktion führt zu einer starken Rötung und Schwellung des jeweiligen Gelenkes sowie zu sehr starken Schmerzen.

Erhöhte Harnsäurewerte bedeuten also ein Risiko, einen akuten Gichtanfall zu erleiden. Aus diesem Grund gibt es verschiedene Wege, um die Blutwerte zu senken.

Was kann man gegen zu hohe Harnsäurewerte tun?

Der Medizin stehen einige Medikamente zur Verfügung, um die Harnsäure zu reduzieren. Nicht jeder erhöhte Harnsäurewert im Blut muss dabei mit Tabletten behandelt werden. Dies kann am besten der*die Hausarzt*Hausärztin beurteilen.

Die Medikamente werden normalerweise in der Prophylaxe für Gicht angewendet. Im Akutfall gibt man diese Mittel nicht, da sie die Symptome verschlechtern.

Ein beliebter Wirkstoff in der prophylaktischen Therapie von Gichtanfällen ist das Allopurinol. Dieses Medikament greift in den Harnsäurestoffwechsel ein und sorgt dafür, dass die Vorprodukte der Harnsäure langsamer verstoffwechselt werden. Das sorgt einerseits dafür, dass weniger Harnsäure anfällt und andererseits werden die Purine vermehrt über die Vorprodukte der Harnsäure ausgeschieden.

Ein sofortiges Senken der Harnsäure ist aber fast nie möglich. Sollten große Mengen an Harnsäuren im Körper anfallen, wie es bei Tumorpatient*innen passiert, gibt es ein weiteres Medikament, welches aus dem Tierreich stammt. Die meisten Säugetiere wandeln Harnsäure mithilfe des Enzyms Rasburicase in einen zweiten Stoff um: Allantoin. Allantoin ist wesentlich besser wasserlöslich und bildet nicht so schnell Kristalle. Diesen Trick macht man sich zunutze, um bei diesen Patient*innen die hohen Harnsäurewerte zu senken.

Welche Lebensmittel sollte man bei zu hohen Harnsäurewerten meiden?

Neben der medikamentösen Senkung der Harnsäure gibt es Alternativen, wie man selbst dazu beitragen kann, die Harnsäurewerte im Blut zu reduzieren.

Eine Möglichkeit ist, auf seine Ernährung zu achten. Purinhaltige Lebensmittel sollten bei zu hohen Harnsäurespiegeln nur in Maßen genossen werden. Dazu gehören Fleisch, Schalentiere, Innereien und noch viele andere Lebensmittel. Auch Alkohol sollte möglichst gemieden werden. Eine Übersicht über purinarme Ernährung finden Sie hier.

Eine weitere Möglichkeit, die Harnsäure zu senken, ist es, auf eine genügend große Trinkmenge zu achten, damit sich die Harnsäure besser lösen kann. Ob Tee oder Wasser spielt dabei keine Rolle.

Will man den Harnsäurewert pflanzlich senken, kann man Präparate mit Schwarzpappel oder Birke probieren. Allerdings ist hier die Wirkung nicht wissenschaftlich belegt. Das gleiche gilt für die Einnahme von Natron, um den Harnsäurespiegel zu senken. Einfacher und effektiver geht es mit einer Ernährungsumstellung und – bei Bedarf – dazu ergänzend den passenden Medikamenten.

Aktualisiert: 22.04.2021 - Autor: Yannis Diener, Student der Humanmedizin

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