Das große Blutbild richtig lesen

Blutprobe für Blutbild
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Für ein großes Blutbild wird neben einem kleinen Blutbild auch noch ein sogenanntes Differentialblutbild erstellt. Hier werden die drei Untergruppen der Leukozyten – die Granulozyten, die Monozyten und die Lymphozyten – genauer untersucht. Die Granulozyten können wiederum in eosinophile, basophile und neutrophile (stabkernige und segmentkernige) Granulozyten unterteilt werden.

Überblick über die Normwerte eines großen Blutbildes

Die folgende Übersicht bietet Ihnen einen Überblick über die Normwerte bei einer großen Blutuntersuchung:

Männer Frauen
Stabkernige Granulozyten 150 - 400/µl 150 - 400/µl
Segmentkernige Granulozyten 3.000 - 5.800/µl 3.000 - 5.800/µl
Eosinophile Granulozyten unter 500/µl unter 500/µl
Basophile Granulozyten unter 100 µl unter 100 µl
Lymphozyten 1.000 - 3.600/µl 1.000 - 3.600/µl
Monozyten 200 - 800/µl 200 - 800/µl

Lymphozyten

Ein erhöhter Lymphozyten-Wert kann verschiedene Ursachen haben. Unter anderem kommen bestimmte bakterielle oder virale Infektionen, Krebsarten wie Leukämie, die Autoimmunerkrankung Sarkoidose und eine Schilddrüsenüberfunktion infrage.

Für einen niedrigen Lymphozyten-Wert können beispielsweise die Einnahme bestimmter Medikamente, Krebsarten wie Morbus Hodgkin, eine Harnvergiftung, das Cushing-Syndrom und die Autoimmunerkrankung Lupus erythematodes verantwortlich sein.

Monozyten

Sind die Monozyten erhöht, deutet dies auf eine Infektion mit Bakterien, Viren oder Parasiten hin. Zudem kann der Wert aber auch durch bestimmte Krebsarten, eine Herzinnenhautentzündung oder Erkrankungen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder Sarkoidose ansteigen. Doch auch Stress kann dahinterstecken, wenn der Wert zu hoch ist.

Ein niedriger Monozyten-Wert tritt in der Regel nur bei einer Verminderung des Gesamt-Leukozyten-Wertes auf.

Granulozyten

Je nachdem, welcher Granulozytenwert erhöht oder zu niedrig ist, kann dies auf unterschiedliche Erkrankungen hindeuten. Im Folgenden finden Sie eine Übersicht über mögliche Ursachen.

Neutrophile Granulozyten

Stabkernige und segmentkernige Granulozyten werden gemeinsam als neutrophile Granulozyten bezeichnet – hierbei handelt es sich um die unreife und die reife Form der neutrophilen Granulozyten. Das kann es bedeuten, wenn die Werte der stabkernigen oder segmentkernigen Granulozyten erhöht oder zu niedrig sind:

Stabkernige Granulozyten:

  • Wert zu hoch: akute Infektionen mit Bakterien und abakterielle Entzündungen (etwa eine Dickdarmentzündung), Verbrennungen, nach einer Chemo- oder Strahlentherapie, Vergiftungen, akute Erkrankungen des Herzens, Azidose (Übersäuerung), körperliche Belastung, Blutungen, Schwangerschaft, bestimmte Krebsarten wie Leukämie, Schilddrüsenüberfunktion, Hämolyse
  • Wert zu niedrig: Schädigung des Knochenmarks, vermindertes Zellwachstum der Leukozyten, etwa bei Neugeborenen oder älteren Menschen oder infolge von Alkoholmissbrauch, bestimmte Medikamente, etwa Antibiotika, oder bei einer Chemotherapie

Segmentkernige Granulozyten:

  • Wert zu hoch: Stress, Entzündungen, körperliche Belastung, Azidose, Vergiftungen, gestörte Zellproduktion im Knochenmark, etwa durch Anämie (zum Beispiel infolge von Folsäuremangel), Strahlen- oder Chemotherapie
  • Wert zu niedrig: bestimmte Infektionen wie Masern, Mumps, Typhus, Windpocken, Röteln oder Malaria, megaloblastäre und myelophthisische Anämie, Therapie mit Zytostatika (Chemotherapie) oder Strahlentherapie, angeborener Mangel

Auch durch Medikamente wie Glukokortikoide, die Einnahme von hormonellen Verhütungsmitteln, Epinephrin oder Lithium können die neutrophilen Granulozyten erhöht sein. Weitere Gründe für zu niedrige Werte sind beispielsweise eine Leberzirrhose oder die Autoimmunerkrankung Lupus erythematodes.

Eosinophile Granulozyten

Zu hohe oder zu niedrige Werte bei den eosinophilen Granulozyten können beispielsweise folgende Ursachen haben:

  • Wert zu hoch: Infektionen mit Würmern, bestimmte Krebsarten, Hautkrankheiten wie Psoriasis, allergische Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Einnahme von Medikamenten wie Acetylsalicylsäure oder Penicillin
  • Wert zu niedrig: akute Infektionen wie Blutvergiftung, Entzündung des Bauchfells, Lungenentzündung oder Typhus, Stress, Therapie mit Kortikoiden, Cushing-Syndrom

Basophile Granulozyten

Erhöhte oder zu niedrige Basophile können unter anderem diese Gründe haben:

  • Wert zu hoch: Chronisch-myeloische Leukämie, Polycythaemia vera
  • Wert zu niedrig: Tritt nur auf, wenn der Gesamt-Leukozyten-Wert erniedrigt ist.

Aktualisiert: 16.05.2022
Autor*in: Kathrin Mehner, Medizinredakteurin

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