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Gesundheits-Check: Sicherheit ab 35

Frau beim Gesundheits-Check © istockphoto, demaerre

Mehr für die Gesundheit tun und die Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen: Männer und Frauen haben nach Vollendung des 35. Lebensjahres alle drei Jahre Anspruch auf eine Gesundheitsuntersuchung zur Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und Nierenerkrankungen. Woraus besteht der Check-up 35, wie ist der Ablauf und was bedeuten die Ergebnisse? Wir informieren über den Basis-Gesundheits-Check.

Was beinhaltet der Gesundheits-Check ab 35?

Der Basis-Gesundheits-Check besteht aus einer umfassenden Aufnahme der Krankengeschichte und Vorerkrankungen sowie der Erhebung des Ganzkörperstatus, also:

  • Kopf
  • Hals
  • Brustkorb
  • Lunge
  • Bauch
  • Größe und Gewicht (BMI)
  • Haut
  • Muskeltonus
  • Gleichgewicht
  • Bewegungsapparat
  • Reflexe

Zudem wird auch der Impfstatus überprüft. Außerdem gehören die folgenden Maßnahmen zum Check-up 35.

Gesamtanamnese und Blutuntersuchung beim Check-up 35

Auch die Krankengeschichte der engeren Familie wird erhoben. Individuelle Risiken, die sich aus der genetischen Veranlagung ergeben können, werden so berücksichtigt.

Bei der begleitenden Blutuntersuchung werden der Gesamtcholesterin-Spiegel und Glukosewert (Blutzucker) gemessen. Die Urin-Untersuchung auf Eiweiß, Glukose, Erythrozyten, Leukozyten und Nitrit ist ebenfalls Bestandteil der "Rundum-Untersuchung" beim Arzt. Mit der Urin-Untersuchung können beispielsweise Nierenerkrankungen oder Nierensteine, ein Mangelernährung, Diabetes oder bakterielle Infektionen erkannt werden.

Aus den Ergebnissen wird ein vollständiges Lipidprofil erstellt, das Gesamtcholesterin, LDL- und HDL-Cholesterin sowie Triglyceride umfasst. Auch Zuckerwerte, die Pulsfrequenz und der Blutdruck werden überprüft.

Laboruntersuchungen von Blut und Urin

Bestandteil des Check-ups ab 35 sind die Untersuchung von Blut und Urin. Das bedeuten die Laborwerte:

  • Blutzucker (Glukose): Ein erhöhter Blutzuckerspiegel kann ein Zeichen für die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) sein. Normale Werte: Nüchternblutzucker: 70 bis 110 Milligramm pro Deziliter Blut (mg/dl).
  • Cholesterin (CHOL): Cholesterin kommt in zwei Komponenten vor: Das "gute" HDL-Cholesterin transportiert die Blutfette aus dem Körpergewebe und bietet einen gewissen Schutz vor Arteriosklerose. Das "schlechte" LDL-Cholesterin lagert sich an den Arterienwänden ab und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf- Erkrankungen. Beim Routine-Check wird das Gesamtcholesterin im Blut bestimmt. Normale Werte: bis 200 mg/dl Blut.
  • Triglyceride (TG): Triglyzeride zählen zu den Blutfetten. Besonders in Kombination mit einem hohen LDL-Cholesterinspiegel sind hohe Triglyzeridwerte ein Risikofaktor für eine Koronare Herzkrankheit. Normale Nüchternwerte: bis 150 mg/dl Blut.
  • Kreatinin: Bei jeder Muskelbewegung entsteht das Stoffwechselprodukt Kreatinin, das über die Nieren mit dem Harn ausgeschieden wird. Wie viel Kreatinin im Blut kursiert, hängt von der Funktionstüchtigkeit der Nieren ab und von der vorhandenen Muskelmasse. Ein zu hoher Keratininwert kann deshalb auf eine Nierenstörung hinweisen. Normale Werte: Frauen: 0,6 bis 1,1 mg/dl Blut; Männer: 0,7 bis 1,3 mg/dl.
  • Harnsäure: Harnsäure fällt als Endprodukt im Stoffwechsel an. Der Körper bildet Harnsäure auch aus Nahrungsmitteln wie Fleisch und Innereien. Fällt zu viel Harnsäure im Körper an oder wird die Ausscheidung durch Alkohol gehemmt, lagert sie sich in Form von Kristallen in Gelenken oder Nieren ab. Schmerzhafte Gichtknoten und Nierensteine sind die Folge. Normale Werte: Frauen: 2,5 bis 5,9 mg/dl Blut; Männer: 3,5 bis 7,1 mg/dl.
  • Rote Blutkörperchen (Erythrozyten): Die roten Blutkörperchen transportieren den Sauerstoff von der Lunge in den ganzen Körper. Zu wenige Erythrozyten weisen auf eine Anämie (Blutarmut) hin, eine zu hohe Zahl auf eine Störung der Blutkörperchenbildung. Normale Werte: Frauen: 3,5 bis 5,0 Millionen pro Mikroliter Blut (Mio./yl); Männer: 4,3 bis 5,9 Mio./yl.
  • Weiße Blutkörperchen (Leukozyten): Die weißen Blutkörperchen spielen eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Krankheitserregern. Eine Veränderung der Leukozytenzahl kann auf eine Infektion oder Entzündung hinweisen. Normale Werte: Männer und Frauen: 4.000 bis 10.000 pro Mikroliter Blut.

Abschließendes Beratungsgespräch

Im Anschluss an den Gesundheits-Check-up erfolgt ein Beratungsgespräch. Dies findet meist einige Tage nach der Untersuchung statt, wenn die entsprechenden Laborwerte vorliegen.

Der Arzt informiert in diesem Gespräch über die Ergebnisse und klärt über mögliche gesundheitliche Folgen auf. Abhängig von den individuellen Befunden und den ermittelten Risikofaktoren gibt er beispielsweise Tipps zur Änderung der Ernährung oder Lebensweise und informiert darüber, welche Verhaltensweisen künftig wünschenswert oder zu vermeiden sind. Außerdem informiert er über Möglichkeiten der Krebsvorsorge.

Besteht der Verdacht auf das Vorliegen einer Krankheit oder wurde bereits eine Diagnose gestellt, werden weitere Schritte zur Diagnostik beziehungsweise Behandlung in die Wege geleitet.

Wo und wann ist ein Check-up 35 möglich?

Die Vorsorgeuntersuchung kann bei allen praktischen Ärzten, Allgemeinmedizinern oder auch Internisten durchgeführt werden.

Sowohl Frauen als auch Männer ab 35 Jahren haben alle drei Jahre Anspruch auf einen vollständigen Check-up. Auch vor dem 35. Lebensjahr wird die Untersuchung einmalig (ab dem 18. Lebensjahr) von der Krankenkasse bezahlt. Dabei wird allerdings auf die Urinuntersuchung verzichtet, die Untersuchung des Blutes findet nur bei entsprechendem Risikoprofil statt.

Weitere wichtige Vorsorgeuntersuchungen

Der Gesundheits-Check ab 35 umfasst zwar den Gesamtcholesterin-Spiegel, aber eine Reihe von anderen wichtigen Blutwerten nicht. Wer sich zum Beispiel ohne die medizinisch begründete Notwendigkeit regelmäßig über seine Leberwerte informieren möchte, der muss die Kosten dafür selbst tragen.

Ab einem Alter von 40 Jahren sollte man überdies regelmäßig alle zwei Jahre seinen Augeninnendruck messen lassen – zumindest, wenn man einer Risikogruppe angehört (zum Beispiel bei familiärer Vorbelastung, Diabetes, Bluthochdruck oder extremer Kurzsichtigkeit). Die Glaukom-Untersuchung wird beim Augenarzt durchgeführt, die Kosten aber von den Krankenkassen nur in begründeten Ausnahmefällen übernommen. Der Nutzen dieser Vorsorgeuntersuchung ist jedoch umstritten, eine zusätzliche Kontrolle von Gesichtsfeld und Sehnerv ist daher ratsam.

Vergessen Sie den Zahnarzt nicht! Kranke Zähne stehen oft in Verbindung mit weiteren Erkrankungen, besonders aus dem rheumatischen Formenkreis. Verschiebungen im Kiefer können die Ursache für Kopfschmerzen und Nackenprobleme sein und eine unbehandelte Zahnfleischentzündung kann schwere Folgen nach sich ziehen. Daher lohnt sich der Gang zum Zahnarzt auf jeden Fall.

Krebsvorsorge ist besonders wichtig

Unter diesem Motto stehen auch die zahlreichen Programme zur Krebsvorsorge, die von den Krankenkassen unterstützt werden. Während bei Männern ab dem 45. Lebensjahr die Prostata-Untersuchung im Vordergrund steht, werden Frauen bereits ab dem 20. Lebensjahr auf Krebs der Geschlechtsorgane und ab dem 30. Lebensjahr auf Brustkrebs untersucht. Das Brustkrebs-Screening erfolgt zunächst durch Abtasten – im Alter von 50 bis 69 Jahre übernimmt die Krankenkasse alle zwei Jahre eine Mammographie.

Ab dem 50. Lebensjahr kann bei Männern und ab dem 55. Lebensjahr bei Frauen eine Darmspiegelung im Rahmen der Darmkrebs-Vorsorge gemacht werden. Wenn keine medizinische Notwendigkeit für eine frühere Wiederholungsuntersuchung vorliegt, wird sie nach zehn Jahren auf Kosten der Krankenkasse wiederholt. Zudem ist ab dem 50. Lebensjahr ein Test auf okkultes Blut im Stuhl möglich, der ebenfalls der Früherkennung von Darmkrebs dient.

Vorsorge: Vorbeugen und Wissen

Die Gesundheitsuntersuchung ist für die medizinische Betreuung der Patienten entscheidend und sollte nicht unterschätzt werden. Die regelmäßige Untersuchung bietet die Möglichkeit, potenzielle Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu behandeln oder wenigstens zu beobachten. Selbst viele kleine Veränderungen in fast allen Bereichen des täglichen Lebens können sich in Bezug auf die Gesundheit des Einzelnen als eine große Veränderung in Richtung Krankheit erweisen.

Bei fast jedem zweiten Teilnehmer einer Früherkennungsuntersuchung werden tatsächlich eine Erkrankung oder entsprechende Risikofaktoren festgestellt. Wenn sie frühzeitig erkannt werden, können diese Faktoren in der Regel durch Verhaltensänderungen ausgeräumt oder Erkrankungen rechtzeitig behandelt werden.

Ziel aller Vorsorgeuntersuchungen ist es daher, den Beginn von Störungen so rechtzeitig zu erfassen, dass mit einer einzuleitenden Therapie schwere und vor allem bleibende Funktionsstörungen der Organe verhindert werden können. Die rechtzeitige Diagnose ist und bleibt in den meisten Fällen die beste Therapie: Je eher behandelt werden kann, desto größer sind die Heilungschancen. Daher ist es unbedingt zu empfehlen, den Check-up 35 regelmäßig wahrzunehmen und so der Entwicklung schwerer Gesundheitsprobleme vorzubeugen.

Aktualisiert: 10.05.2019 – Autor: bo

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