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Zupfen macht die Haut elastisch: Was die Orangenhaut zum Verschwinden bringt

Frau zupft Haut gegen Orangenhaut © istockphoto, nensuria

Orangenhaut macht sich durch kleine Dellen an Oberschenkeln und Po bemerkbar. Oft ist auch die Haut am Bauch nicht ganz so straff wie frau es sich wünscht. Kein Wunder, dass in Deutschland pro Jahr mehr als 14,5 Millionen Euro für Hautpflegeprodukte ausgegeben werden, die straffe Haut versprechen – Tendenz steigend. Das Angebot an speziellen Geräten und Cremes nimmt von Jahr zu Jahr zu, obwohl die Wirksamkeit in Testberichten und auch von Dermatologen immer wieder bezweifelt wird. Ein Gespräch mit Herrn Dr. Neufang, Pharmazeut und Hautforscher: Was ist gesichert in der Therapie der Cellulite?

Herr Dr. Neufang, warum bekommen gerade Frauen Cellulite?

Dr. Neufang: Cellulite ist ein sehr häufiges Schönheitsproblem. Mindestens zwei von drei Frauen sind betroffen, auch Mädchen und sehr junge Frauen bleiben häufig nicht verschont. Die Hormonumstellung in der Pubertät macht das Bindegewebe dehnbar und zusammen mit der dann häufigen Gewichtszunahme entstehen unschöne Dellen und Unebenheiten. Bei Cellulite kommt es zu einer Anhäufung von Stoffwechselprodukten in den Fettzellen an Oberschenkeln und Po und alle wirksamen Maßnahmen müssen darauf zielen, die Menge dieser Stoffwechselabfälle zu reduzieren.

Jedes Jahr gibt es neue "Wundermittel", die den Frauen zu straffen, glatten Oberschenkeln verhelfen sollen – was hilft denn nun wirklich?

Dr. Neufang: Wenn man sich klarmacht, welche Ursachen zu Cellulite führen, kann man daraus auch die erfolgversprechendsten Maßnahmen ableiten, die nicht unbedingt teuer sein müssen. Ein Dreiklang aus entschlackender Ernährung, einem Minimum an sportlichen Aktivitäten und Unterstützung des Lymphflusses durch Gewebemassage hilft in den meisten Fällen.

Es werden sehr viele spezielle Geräte und Cremes für die Anti-Cellulite-Massage angeboten. Was ist denn nun sinnvoll?

Dr. Neufang: Es ist leider so, dass die Erfolge sich nicht unmittelbar nach Beginn der Massage einstellen. Ultraschalluntersuchungen haben aber gezeigt, dass bei einem täglichen Zeitaufwand von etwa 10 Minuten Massage Erfolge erzielt werden können. Wichtig ist aber, dass gleichzeitig eine Ernährungsumstellung erfolgt und zumindest eine halbe Stunde täglich Sport getrieben wird. So ist nach zwei Monaten, auf jeden Fall aber nach einem halben Jahr eine deutliche Besserung der Cellulite zu erreichen.

Bei der Massage ist ausschlaggebend, dass der Lymphrückfluss angeregt wird. Dies kann mit Hilfe von Massagegeräten aber auch durch Massagetechniken ohne Gerät erreicht werden. Für eine wirksame Massage ist es wichtig, dass das verwendete Präparat eine gute Gleitwirkung hat und lange genug auf der Haut bleibt. So wird die Verwenderin praktisch "gezwungen" die Massage ausreichend lange durchzuführen. Unsere Studie mit einem Pflegeöl mit Vitamin A und Vitamin E zeigt, dass die regelmässige Massage mit diesem Öl die Haut um durchschnittlich 20 Prozent straffer macht. In der Studie wurde kein spezielles Massagegerät verwendet, sondern das Öl wurde von Hand in die trockene Haut einmassiert.

Wenn man kein Massagegerät verwendet, wie sollte das Öl dann einmassiert werden?

Dr. Neufang: Allgemein wird angenommen, dass eine Förderung der Durchblutung günstig ist. Jedoch kommen mit der Blutfülle auch mehr Nährstoffe in die Zellen, die wieder abtransportiert werden müssen. Für die Anregung des Lymphflusses ist eine milde Zupfmassage oder ein "Ausstreichen" des Öls mit entsprechendem Druck günstiger.

Effektiver als eine unkontrollierte Massage kreuz und quer ist, das Öl vom Knie her nach oben bis in den Unterbauch auszustreichen. Im Bauchraum bündeln sich die Lymphgefäße, und das überschüssige Gewebewasser kann ungehindert abfließen. Die Massage ist also ein wichtiger Bestandteil im Dreiklang der Anti-Cellulite-Maßnahmen.

Welche Sportarten sind für die Straffung der Problemzonen besonders effektiv?

Dr. Neufang: Unspektakuläre Betätigungen wie Radfahren, Schwimmen und kleine gymnastische Übungen, die in den Tagesablauf eingebaut werden, sind viel wirksamer als alle Trendsportarten, die ja häufig mit einer stärkeren aber kurzdauernden Belastung verbunden sind.

Kleine Übungen, die die Muskelpumpe aktivieren, sind z.B. die gute alte Kniebeuge, auf dem Rücken liegend Rad fahren und das "Wippen" mit den Füßen, bei dem abwechselnd die Zehen gestreckt und gebeugt werden. Durch diese Übung wird der Wadenmuskel gestärkt und die Muskelpumpe aktiviert, die den Rückfluss von Blut und Lymphe verbessert.

Aktualisiert: 21.05.2012 – Autor: frei-Hautforschungsinstitut

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