Ernährung und Lebensstil: So beeinflusst unsere Lebensweise die Ernährung

Gesunde Ernährung © rawpixel

In den westlichen Industrieländern hängen mehr als 70 % aller Erkrankungen von der Lebens- und Ernährungsweise ab. Beim Thema Übergewicht führen die Deutschen neuen Untersuchungen zufolge die Spitze an. Da stellt sich die Frage, wie es zu einer solchen Entwicklung kommen konnte. Ein Erklärungsansatz ist die Veränderung des Lebensstils in den letzten 5 Jahrzehnten.

Essen ist ein grundlegender Bestandteil unseres Lebens. Essen sorgt nicht nur für die Versorgung mit Energie und Nährstoffen, sondern ist auch Teil unserer Lebenskultur und -gewohnheiten. Unsere Gesellschaft und damit der Lebenswandel und die Esskultur haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert.

Von der Balance zum Überschuss

Bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde von dem Großteil der Bevölkerung schwere körperliche Arbeit geleistet, zum Beispiel im Bergbau und auf den Feldern. Die heutige Zeit ist charakterisiert durch Bewegungsarmut aufgrund von Motorisierung und Automatisierung. Betrachten wir die durchschnittliche Energieaufnahme und den -verbrauch über die letzten 5 Jahrzehnte, so zeigt sich, dass über diesen Zeitraum die Schere immer weiter auseinander gegangen ist.

Der Arbeits- und Bewegungsumsatz ist innerhalb der letzten Jahrzehnte drastisch geschrumpft. Bei einem durchschnittlichen erwachsenen Deutschen ist dieser vermutlich um rund 40 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig ist ab den 50er Jahren als Reaktion auf die Hungerjahre die Energiezufuhr stark gestiegen. Über die Jahrzehnte hat die Kalorienzufuhr stetig weiter zugenommen und stagniert heute auf hohem Niveau. Durchschnittlich hat jeder Deutsche einen Energieüberschuss von mehreren hundert Kilokalorien.

Vom Zeitkonflikt beim Thema Essen

Wir haben uns vom Nahrungsproduzenten zum reinen Konsumenten entwickelt. Damit haben auch die Fähigkeiten, Fertigkeiten und die Bereitschaft selbst zu kochen abgenommen. Unser modernes Berufsleben erfordert häufig eine flexible Zeitplanung. Die Folge ist, dass das Thema Essen immer mehr in den Hintergrund rückt:

1. Es gibt nicht mehr das typische Mahlzeitenmuster

Nach wie vor werden zwar in der Regel drei Hauptmahlzeiten eingehalten, aber feste Essenszeiten im Kreis der Familie werden seltener. Es wird nicht mehr zu festen Zeiten gegessen, sondern eher wenn der Terminplan es zulässt. Der spontane Hunger wird häufig im Vorbeigehen durch Fast Food gestillt.

Genauso wenig, wie die Mahlzeit an sich wahrgenommen wird, ist vielen die Kalorienmenge des kleinen Pausensnacks bewusst. Oder hätten Sie gewusst, dass ein Hamburger Royal TS mit einer mittleren Portion Pommes frites und einer kleinen Cola mit rund 1000 kcal zu Buche schlägt und damit knapp die Hälfte des Kalorienbedarfs einer Durchschnittsperson gedeckt ist?

2. Der Aufwand für die Essenszubereitung sinkt und es werden mehr Fertigprodukte eingesetzt

Gerichte aus der Tiefkühltruhe oder der Dose – sogenanntes Convenience-Food – kommen diesen Bedürfnissen des Zeitsparens entgegen: Sie sind schnell zubereitet, fertig zusammengestellt. Kochen und Abschmecken werden überflüssig. Pauschal zu sagen, dass diese Gerichte unausgewogen sind, ist jedoch aus ernährungswissenschaftlicher Sicht unangebracht, denn die Angebotspalette ist heute sehr breit und die ernährungsphysiologische Qualität der Angebote sehr unterschiedlich.

Zu bemängeln ist, dass uns mit dem steigenden Einsatz von Fertigprodukten der ursprüngliche Geschmack der Grundnahrungsmittel sowie der kompetente Umgang mit ihnen immer fremder werden.

3. Immer häufiger wird außer Haus gespeist

Zunehmend wird außer Haus gegessen, sei es weil Geschäfte sich am besten bei einer guten Mahlzeit abwickeln lassen oder weil der Gang zum Italiener um die Ecke nach einem langen Arbeitstag entspannter ist, als selber den Kochlöffel zu schwingen. Laut Ernährungsbericht 2004 isst gut ein Viertel der deutschen Bevölkerung mindestens einmal pro Tag außer Haus.

Ob Kantine, Mensa, Restaurant oder Imbiss um die Ecke, der Trend zur Außer-Haus-Verpflegung ist ungebrochen. Vor allem die Mittagsmahlzeit wird immer weniger zu Hause eingenommen. So manche Kalorienbombe wird uns dabei aufgetischt. Doch auch hier gilt: Wer mit offenen Augen das Angebot kritisch prüft, kann eine gesunde Auswahl treffen.

Gesund leben – Krankheiten vorbeugen

Wie eingangs erwähnt, wird eine Vielzahl von Erkrankungen durch einseitige Ernährung und ungesunden Lebensstil begünstigt. Das wiederum bedeutet, dass wir mit gesundem Essen, regelmäßiger Bewegung und Vermeiden von Rauchen, Alkohol und Übergewicht aktiv etwas für unsere Gesundheit tun können. Den Einfluss von Ernährung und Lebensstil auf die Entstehung von Krankheiten bzw. die Erhaltung der Gesundheit wollen wir in einer Artikelserie für Sie unter die Lupe nehmen und Ihnen viele Tipps geben, wie Sie in unserem heutigen Lebensumfeld aktiv einen gesunden Lebensstil verfolgen können.

Aktualisiert: 27.09.2018 – Autor: Dr. rer. med. Angela Jordan (Diplom-Oecotrophologin)

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