Lifeline Logo

Esskultur

Die Entwicklung der Esskultur

War es in der Frühgeschichte noch primäres Ziel der Jäger und Sammler durch die mehr oder weniger regelmäßige Nahrungsaufnahme zu überleben, so entdeckten spätere Generationen, dass Speisen durch besondere Zubereitung an Geschmack gewannen. Neue Techniken der Haltbarmachung, der Umgang mit Kräutern und Gewürzen, die Entstehung von Tischsitten und Essritualen sind nur einige Meilensteine auf dem Weg zu unserer heutigen Esskultur.

Unzählige verschiedene Esskulturen

Esskultur kann von Region zu Region sehr unterschiedlich sein, was wir auf Reisen in ferne Länder immer wieder feststellen.

Auch andere Faktoren, wie beispielsweise die Religionszugehörigkeit, können eine große Rolle spielen. Hierin eingebettet entwickeln in der Regel Familien als kleinste, aber vermutlich wichtigste, Einheit eine familiäre Esskultur.

Die Esskultur der Familie

Schon früh wird geprägt, was ein Kind später gerne essen wird und was es kategorisch ablehnt. Auch Rituale rund um das Essen werden schon in früher Kindheit verinnerlicht. Mit der Geburt übernimmt ein Kind nach und nach die familiäre Esskultur. Dabei spielen Emotionen eine große Rolle. Besondere Geschmacksnuancen oder auch bestimmte Speisen sind mit positiven Kindheitserinnerungen wie Geborgenheit, Wohlgefühl und Sicherheit verbunden. Andere lösen vielleicht Abneigungen aus, da sie mit unangenehmen Emotionen belegt sind.

Kinder bekommen in dieser Phase vermittelt, welche Bedeutung Essen und Trinken haben. Sie entwickeln sich entweder zum "Geniesser", der das Essen mit allen Sinnen wahrnimmt, oder aber zum "Schlinger", der das Essen als notwendiges Übel betrachtet.

In welche Richtung die Tendenz geht, ist von zahlreichen Faktoren abhängig:

  • Welche Lebensmittel und Speisen werden ausgewählt?
  • Wie viel Zeit - sowohl für die Zubereitung als auch den Verzehr - wird für das Essen eingeräumt?
  • Werden die Sinne angeregt durch das Kennenlernen verschiedener Lebensmittel und neuer Geschmacksnuancen?
  • Gibt es eine bestimmte Tischkultur oder Rituale, die das Essen mit positiven Emotionen belegen?
  • Gibt es feste Essenszeiten im Kreis der Familie, bei denen Raum für genussvolles Essen und Gespräche ist?

Fehlt uns die Zeit für genussvolles Essen?

Einige Trends der heutigen Zeit zeigen, dass dem Essen eine immer geringere Bedeutung beigemessen wird. Es wird nicht mehr zu festen Zeiten gegessen, sondern eher wenn der Terminplan es zulässt. Nach wie vor werden zwar in der Regel drei Hauptmahlzeiten eingehalten, aber feste Essenszeiten im Kreis der Familie werden seltener.

Oftmals findet das Essen nebenher statt, z. B. während der Fernseher läuft oder am Computer gespielt wird. Unser modernes Berufsleben erfordert häufig eine flexible Zeitplanung. Der Aufwand für die Essenszubereitung sinkt, es werden mehr Fertigprodukte eingesetzt und immer häufiger wird Außer-Haus gespeist. Der spontane Hunger wird im Vorbeigehen durch Fast Food gestillt. Der Trend geht zum Einheitsgeschmack, der durch Pizza, Pommes frites und Burger bestimmt wird.

Plagt uns das schlechte Gewissen?

Mehr als die Hälfte aller Deutschen haben ein paar Pfündchen zu viel auf den Hüften. Für viele ist deshalb das schlechte Gewissen ständiger Begleiter beim Essen. Kaum ist der Leckerbissen verzehrt, so schlägt das Wissen um die zusätzlichen Kalorien auch schon Alarm und verdirbt den Spaß am Essen. Kann man da von Genuss sprechen?

Bei vielen wird Essen zum innerlichen Zwiespalt zwischen Engelchen und Teufelchen. Während das Teufelchen allen Versuchungen unterliegt, so warnt das Engelchen beständig vor zu viel Süßem und zu viel Fettem.

Geht es Ihnen auch so? Hat man sich endlich dazu durchgerungen, dem Engelchen etwas mehr Gehör zu schenken und sich etwas zu zügeln, so scheint das Teufelchen allgegenwärtig zu sein und jeden noch so vagen Essensduft wahrzunehmen. Da wird Essen schnell zur Folter und von genussvollem Essen kann nicht die Rede sein.

Aktualisiert: 27.09.2018 – Autor: Dr. rer. med. Angela Jordan (Diplom-Oecotrophologin)

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?