Cholesterin

Eier mit viel Cholesterin © rawpixel

Cholesterin ist, chemisch gesehen, ein Molekül mit einem Steroid-Gerüst. Es handelt sich dabei um eine für den menschlichen Organismus lebenswichtige Verbindung, die wir zum einen über die Nahrung aufnehmen, zum anderen aber auch selbst herstellen und wiederverwerten können. Durch verschiedene enzymatische Vorgänge wandelt unser Körper das Cholesterin in mehrere verwandte Stoffe um, die für seine Funktion und für seine Struktur unentbehrlich sind. Daneben hat Cholesterol selbst unterschiedliche Wirkung auf Zellen und Organe.

Endprodukte von Cholesterin und deren Funktionen

End­produkt Funktion Bemerkung
Testo­steron Männliches Geschlechts­­hormon Wirkt anabol,
verantwortlich für
Geschlechts­merkmale
Östrogene Weibliche Geschlechts­­hormone Wirken anabol,
verantwortlich für
Geschlechts­merkmale
und den weiblichen Zyklus
Progesteron Weibliche Geschlechts­­hormone Wirkt katabol, ist am
weiblichen Zyklus beteiligt und ist wichtig während einer Schwanger­­schaft
Cortison Stress­hormon, katabol Hormon der
Neben­nierenrinde
Aldosteron Reguliert den Wasser­haushalt und den Blutdruck Hormon der
Neben­nierenrinde
Gallensäure Emulgation Hilft bei der Verdau­ung von Fetten
Zell­­membranen Struktur­­bildung Ist wichtig für die
"Flüssig­haltung" von
Membranen
Vitamin D Kalzium­haushalt Vitamin D kann auch als Hormon wirken und vom Körper selbst gebildet werden.
Nerven­zellen im Gehirn Bildet die Struktur ("Isolierschicht" um Nerven­zellen) Das Gehirn ist das cholesterin­­reichste Organ
Lipoproteine (VLDL, LDL, HDL) Transport­­form von Cholesterin im Blut LDL = die "Schlechten": verteilen das
Cholesterin;
HDL = die "Guten":
nehmen Cholesterin auf und trans­portieren es ab
Mit Cholesterin gefüllte Fresszellen, Cholesterin- einlagerungen "Aufbrechen" der innersten Gefäßschicht, Ablagerung von Cholesterin, "Verstopfung" der Gefäße Das Blut­­cholesterin ist nur einer der Faktoren, der zur "Gefäß­verkalkung"
(Arterios­klerose) führt

Vorkommen in Nahrungsmitteln

Cholesterin kommt besonders in Lebensmitteln tierischer Herkunft vor oder in solchen, die mit tierischen Produkten (Butter, Schweineschmalz, Eier etc.) hergestellt wurden. Innereien und Eier sind dabei die cholesterinreichsten Vertreter, wobei wissenschaftlich nicht abschließend geklärt ist, ob und wie Eier sich tatsächlich auf den Cholesterinspiegel auswirken:

Nahrungsmittel Cholesteringehalt (in mg pro 100 g)
Kalbshirn 2000
Eigelb 1400
Rinderniere 375
Schweineleber 340
ein Ei (ca. 60 g) 289
Butter 240
Biskuit 202
Ölsardinen, abgetropft 140
Wild 110
Bockwurst 100

Beeinflussung des Cholesterinspiegels

Der Cholesterinspiegel im Blut wird nicht nur durch den Cholesteringehalt der eingenommenen Nahrungsmittel, sondern auch durch zahlreiche andere Faktoren beeinflusst. Der wichtigste Faktor für den Blutcholesterin-Wert ist die genetische Konstitution. Die Gene und somit auch die genetischen Voraussetzungen unserer Vorfahren sind am wesentlichsten dafür verantwortlich, ob wir eine hohen Cholesterinspiegel haben oder nicht.

Die Ernährung selbst, so wird vermutet, vermag das Blutcholesterin um maximal 10 bis 15 Prozent zu beeinflussen. Grund dafür ist, dass die körpereigene Neubildung gesteigert wird, sobald weniger durch die Nahrung zugeführt wird. Trotzdem muss der Hebel beim eigenen Verhalten angesetzt werden, da nicht nur das Cholesterin alleine, sondern zahlreiche Begleitumstände (Bluthochdruck, Adipositas, Diabetes, Rauchen) mitentscheiden, ob von einem überhöhten Cholesterinspiegel die Gefahr einer Gesundheitsschädigung (Arteriosklerose, Herz- und Hirninfarkt, etc.) ausgeht.

Durch folgende Faktoren wird der Cholesterinspiegel beeinflusst

Erhöht den Cholesterinspiegel Erniedrigt den Cholesterinspiegel
Fett (besonders gesättigte Fettsäuren)* Gewisse pflanzliche Fettsäuren
Cholesterinhaltige Lebensmittel Omega 3 Fettsäuren (Fischöl)
Alkohol in grossen Mengen Ballaststoffe (besonders aus Hülsenfrüchten und Hafer)
Gewisse Medikamente (Anabolika, Medikamente gegen Akne, etc.) Alkohol in geringen Mengen (ein Glas Wein)
Bewegungsarmut Medikamentöse Cholesterinsenker
Adipositas Sport
Unterernährung in der Kindheit (wird vermutet) Gewichtsreduktion bei Übergewicht
Stress Schilddrüsenhormon
Rauchen Phytosterole

* bei gleichzeitiger Einnahme von Eiern und Mayonnaise erhöht sich der Cholesterinspiegel im Blut möglicherweise zusätzlich. Neben dem Cholesterin der Eier gelangt dann auch "eigenes" Cholesterin aus der Gallensäure in das Blut. Die Gallensäure wird besonders dann ausgeschieden, wenn fettreiche Sachen gegessen werden. Inwiefern Eier den Cholesterinspiegel tatsächlich beeinflussen, ist jedoch nicht völlig geklärt.

Höhe des Cholesterinspiegels im Blut

Es ist keinesfalls einfach, einen Richtwert für einen normalen oder erhöhten Cholesteringehalt des Blutes zu bestimmen. Schliesslich gibt es beträchtliche Schwankungen innerhalb und zwischen Individuen und auch zwischen verschiedenen Völkern. Somit ist es auch schwierig festzusetzen, wann Handlungsbedarf angebracht ist. Die "Risikogrenze" wurde beim Serumcholesterin auf > 5,2 mmol ( > 200mg/dl) festgelegt (andere Quelle: Normalwerte: 3,6-6,4 mmol/l.

Fest steht jedoch, dass es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Höhe des Cholesterinspiegels und der Bildung von Gefässablagerungen gibt. Neben dem absoluten Cholesterinwert entscheiden noch zahlreiche andere Faktoren über das Schädigungspotential. Ernährungsweise, körperliche Betätigung, Raucherstatus, Blutdruck, Blutzuckerspiegel, Blutfettspiegel und familiäre Belastung sind ebenfalls ausschlaggebend.

Daneben müssen natürlich auch die Lipoproteine und deren Verhältnis zueinander betrachtet werden. Ein LDL-Wert von über 3,9 mmol/l (150 mg/dl) muss ebenso als Risikofaktor angesehen werden wie ein HDL-Wert von unter 1,0 mmol/l (40 mg/dl).

So lässt es sich erklären, dass gewisse Menschen mit einem Cholesterinwert von 7 mmol/l oder darüber zeitlebens keine Herzkreislaufprobleme haben, während andere mit dem selben Wert bereits mit 50 Jahren einen Herzinfarkt erleiden.

Aktualisiert: 04.12.2018

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?