Der Gebrauchswert

Spritzen die Landwirte heutzutage mehr als früher?

Wenn bei der Lebensmittelkontrolle Rückstände von mehreren Pflanzenschutzmitteln gefunden werden, spricht man allgemein von Mehrfachrückständen. Hört man diesen Begriff, so denken viele, dass in der Landwirtschaft unreflektiert mit Spritzmitteln umgegangen wird.

Hierzu ist zu sagen, dass sich der Pflanzenschutz in den letzten Jahrzehnten grundlegend geändert hat. Früher wurden vorwiegend Breitbandwirkstoffe eingesetzt, die gegen alle Organismen wirken. Heute werden Schädlinge gezielt und selektiv bekämpft, wobei die verwendeten Mittel meist nützlingschonend sind. Mitunter ist der Einsatz mehrerer Wirkstoffe erforderlich. Mittels Rückstandsanalytik können Rückstände dieser Wirkstoffe nachgewiesen werden. Verbesserungen der Rückstandsanalytik ermöglichen die Bestimmung einer weitaus größeren Zahl an Substanzen in geringsten Konzentrationen.

Betrachtet man die Ergebnisse der Nationalen Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände für das Jahr 2004, so sind ca. sechzig Prozent der Lebensmittel mit Rückständen von Pflanzenschutzmitteln belastet. Die gesetzlich festgelegten Grenzwerte wurden jedoch nur bei rund sieben Prozent der Proben überschritten.

Der Gebrauchswert

Für den Verbraucher äußert sich der Gebrauchswert eines Nahrungsmittels in erster Linie im Preis, in der Haltbarkeit und in der Verarbeitung. Die individuellen Ansprüche der Verbraucher sind dabei sehr unterschiedlich. Grundsätzlich besteht jedoch der Trend Lebensmittel einzukaufen, die möglichst preisgünstig sind, eine lange Haltbarkeit aufweisen und einfach in der Verarbeitung sind.

Durchschnittlich gibt die deutsche Bevölkerung knapp 14 % ihres verfügbaren Einkommens für Essen und Trinken aus. In den 1950er Jahren war es noch fast die Hälfte. Dies ist primär auf die Einkommenssteigerungen bei vergleichsweise geringem Anstieg der Nahrungsmittelpreise zurückzuführen.

Eine Untersuchung des "Institute of European Food Studies" (IEFS) an rund 14.000 erwachsenen Westeuropäern ergab, dass für die Mehrzahl in erster Linie preisgünstige Produkte ausschlaggebend für die Kaufentscheidung sind. Zusätzlich wollen viele Menschen bei der Essenszubereitung im häuslichen Bereich keine Zeit verlieren.

Diesen Bedürfnissen kommt das so genannte Convenience-Food entgegen. Aus der Tiefkühltruhe oder der Dose sind Fertiggerichte, wie der Name schon ausdrückt, fertig zusammengestellt, gewürzt und stehen in kürzester Zeit auf dem Tisch. In den letzten Jahrzehnten haben Fertiggerichte einen wahren Boom erlebt. Sie sind aus deutschen Haushalten nicht mehr wegzudenken.

Sind Fertiggerichte ungesund?

Pauschal zu sagen, dass diese Gerichte ungesund und unausgewogen sind, ist aus ernährungswissenschaftlicher Sicht unangebracht, denn die Angebotspalette ist heute sehr breit und die ernährungsphysiologische Qualität der Angebote deshalb sehr unterschiedlich. Fertiggerichte gibt es in den unterschiedlichsten Zusammensetzungen und Bearbeitungsstufen. Wenig verarbeitete, tiefgekühlte Lebensmittel (z. B. Gemüse, Obst, Kräuter) beispielsweise sind in punkto Vitaminerhalt und Qualität eine gute und zeitsparende Alternative zur Frischkost.

Konservierungsstoffe sind zur Haltbarmachung in der Regel nicht erforderlich. Stark verarbeitete Fertiggerichte dagegen enthalten in der Regel zahlreiche Zusatzstoffe. Diese sind meist notwendig, um bestimmte Produktattribute (z. B. Geschmack, Haltbarkeit, etc.) zu erzielen. Dies bedeutet aber nicht, dass es sich per se um ungesunde Kost handelt, denn die Zugabe von Zusatzstoffen ist streng gesetzlich geregelt und darf nur kontrolliert erfolgen.

Viel wichtiger ist die Zusammensetzung der Fertiggerichte. Werfen Sie einen Blick auf die Nährwertangaben pro Portion: Eine vollwertige Mahlzeit sollte max. 600 bis 800 kcal haben und der Fettanteil max. 40 % der Gesamtenergie ausmachen. Der Hauptanteil in Fertiggerichten sollten Gemüse, Obst, Nudeln, Reis oder Kartoffeln sein. Achten Sie deshalb auf die Zutatenliste: die Zutaten werden mengenmäßig in absteigender Reihenfolge aufgeführt, d. h. das Lebensmittel, das den größten Anteil ausmacht, steht an erster Stelle.

Aktualisiert: 27.09.2018 – Autor: Dr. rer. med. Angela Jordan (Diplom-Oecotrophologin)

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