Immer müde: Ursachen & Tipps gegen die Müdigkeit

Müde Frau gähnt
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Viele Menschen fühlen sich häufig müde, abgeschlagen und kaputt. Oftmals steckt nur zu wenig Schlaf hinter den Beschwerden. Doch wenn man immer müde ist und die Leistungsfähigkeit dadurch dauerhaft beeinträchtigt wird, kann auch eine Erkrankung die Ursache für die Müdigkeit sein. So kann Müdigkeit beispielsweise durch einen Nährstoffmangel, etwa einen Eisen- oder Vitaminmangel, hervorgerufen werden. Aber auch schwerwiegendere Krankheiten wie eine Krebserkrankung oder eine Depression können mögliche Auslöser sein. Wir haben für Sie die häufigsten Ursachen zusammengetragen, die zu einem ständigen Müdigkeitsgefühl führen können und geben Tipps, was gegen die dauernde Müdigkeit hilft.

Warum werden wir müde?

Die akute Müdigkeit stellt einen Schutzmechanismus dar, um uns vor Überanstrengung zu schützen. Während des Schlafens regeneriert sich unser Körper nämlich und kann neue Kraft sammeln. Wenn zu wenig Schlaf die Ursache der Müdigkeit darstellt, kann ein quantitativer oder ein qualitativer Schlafmangel hinter der Müdigkeit stecken: Entweder man schläft also zu wenig oder die Qualität des Schlafes ist gering und der Schlaf somit nicht ausreichend erholsam.

Wird dem Körper dauerhaft Schlaf entzogen, führt dies zu einer chronischen Müdigkeit. Diese kann sich unter anderem in Konzentrationsproblemen, zunehmender Schmerzempfindlichkeit sowie brennenden Augen zeigen. In den meisten Fällen stecken Schlafstörungen oder Stress dahinter, wenn man sich nach dem Schlafen nicht erholt fühlt. Chronische Müdigkeit kann aber auch ein Anzeichen für einen Nährstoffmangel oder eine Erkrankung darstellen. Fühlt man sich immer müde und kaputt, sollte man daher auch eine Unterversorgung mit Nährstoffen oder eine Krankheiten als mögliche Ursache in Betracht ziehen. Ist die Ursache der ständigen Müdigkeit bekannt, kann diese meist mit einer entsprechenden Behandlung bekämpft werden.

Nährstoffmangel als Ursache von Müdigkeit

Wenn Sie immer müde sind, sollten Sie darüber nachdenken, ob Sie sich ausgewogen genug ernähren. Denn ein Mineralstoff- oder Vitaminmangel kann dazu führen, dass sich der Körper schlapp und müde fühlt. Trotz einer gesunden Ernährung gelingt es nicht immer, seinen Bedarf an Nährstoffen ausreichend über die Nahrung zu decken.

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihre Müdigkeit auf einen Nährstoffmangel zurückzuführen sein könnte, sollten Sie ärztliche Rücksprache halten. Lassen Sie überprüfen, ob bei Ihnen eine Mangelversorgung vorliegen könnte. Sollte dies der Fall sein, können neben einer langfristigen Umstellung der Ernährung auch geeignete Nährstoffpräparate helfen, einen Mangel an Mikronährstoffen auszugleichen.

Krankheiten als Ursache von Müdigkeit

Müdigkeit und Abgeschlagenheit können als Begleitsymptom verschiedener Erkrankungen auftreten. Daher müssen sie stets in Zusammenhang mit anderen Symptomen gesehen werden. Zu den krankheitsbedingten Ursachen von Müdigkeit können beispielsweise die folgenden gehören:

  • Blutarmut
  • Schlafapnoe
  • Infektionskrankheiten
  • Stoffwechselkrankheiten
  • Krebs
  • Chronisches Erschöpfungssyndrom
  • Psychische Ursachen

Daneben können noch viele weitere Ursachen dafür sorgen, dass man immer müde ist. Ein wichtiges Indiz, ob es sich um eine natürliche, gesunde Müdigkeit oder eine durch eine Erkrankung hervorgerufene Müdigkeit handelt, stellt das eigene Befinden dar: Nehmen Sie Ihre Müdigkeit als normal wahr oder kommt Ihnen Ihre Müdigkeit merkwürdig vor? Dauert die Müdigkeit über einen ungewöhnlich langen Zeitraum an und schränkt Sie stark in Ihrer Leistungsfähigkeit ein?

Immer müde – Blutarmut als Ursache

Wenn man immer müde ist, kann eine Blutarmut (Anämie) die Ursache darstellen. Sie kann beispielsweise durch eine gestörte Blutbildung im Knochenmark oder einen vermehrten Abbau beziehungsweise Verlust von roten Blutkörperchen entstehen. Daneben kann aber auch ein Mangel an Vitamin B12, Folsäure oder Eisen eine Blutarmut zur Folge haben.

Ein Eisenmangel ist die häufigste Ursache einer Blutarmut: Der Großteil aller Anämien ist auf einen Eisenmangel zurückzuführen. Eisen ist für die Blutbildung zwingend notwendig, denn der Mineralstoff ist ein Bestandteil des Hämoglobins, das den Sauerstoff im Blut bindet. Da unser Blut den Sauerstoff durch unseren Körper transportiert, wird bei einem Eisenmangel den Zellen weniger Sauerstoff zur Verfügung gestellt. Wird das Gehirn mit zu wenig Sauerstoff versorgt, wird man müde.

Eisen ist vor allem in Lebensmitteln wie Fleisch, Eiern und Milch vorhanden. Aber auch Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte gelten als eisenreich. Wenn bei der Eisenaufnahme genügend Vitamin C im Körper vorliegt, kann der Körper Eisen übrigens besonders gut aufnehmen. Darüber hinaus können Eisenpräparate helfen, eine Unterversorgung mit Eisen zu beheben.

Ständig müde? Schlafapnoe als Ursache

Hinter dem Begriff Schlafapnoe verbergen sich kürzere Atemaussetzer während des Schlafens. Diese entstehen durch ein starkes Erschlaffen der Muskulatur des Rachenraums. Dadurch kann es passieren, dass der obere Teil der Luftröhre zusammenfällt und somit der Luftstrom behindert wird. Solche Atemaussetzer können im Extremfall bis zu zwei Minuten andauern, dann schlägt der Körper Alarm und man wacht – meist nach Luft schnappend – auf. Häufig kommt es aber auch vor, dass man nicht aufwacht, sondern nur bestimmte Körperfunktionen hochgefahren werden. Betroffene bemerken die Schlafapnoe daher oft selbst gar nicht.

Durch die Atemaussetzer werden der Körper und vor allem das Gehirn nicht mehr mit genügend Sauerstoff versorgt. Zudem ist der Schlaf durch das nächtliche Aufwachen – an das man sich am nächsten Morgen oft nicht mehr erinnern kann – nicht mehr erholsam. Über Tag kann es deswegen zu ständiger Müdigkeit oder sogar zu Sekundenschlaf kommen.

Typische Symptome einer Schlafapnoe sind neben der extremen Müdigkeit auch Kopfschmerzen und Schwindel nach dem Aufstehen, Mundtrockenheit sowie nächtliches Schwitzen. Nachts äußert sich die Schlafapnoe außerdem durch Schnarchen, welches durch Atemaussetzer unterbrochen wird. Oft enden diese Atempausen mit einem heftigen Aufseufzen oder einem besonders lauten Schnarchen. Die Wahrscheinlichkeit einer Schlafapnoe wird unter anderem durch Übergewicht, Alkoholgenuss sowie Diabetes erhöht.

Infektionskrankheiten als Ursache

Unter einer Infektionskrankheit versteht man eine Erkrankung, die durch Erreger hervorgerufen wird. Zur Gruppe der Infektionskrankheiten gehören beispielsweise die Grippe, die Lungenentzündung, COVID-19, Borreliose oder das Pfeiffersche Drüsenfieber.

Da der Körper durch eine Infektionskrankheit geschwächt wird und er im Schlaf am besten regenerieren kann, ist man während der Erkrankung häufig müde. Dieses Gefühl der Müdigkeit und Abgeschlagenheit kann man gut während einer Erkältung beobachten.

Doch während eine Erkältung meistens nach rund einer Woche wieder abgeklungen ist, können andere Infektionskrankheiten langwieriger sein: Die Symptome können sich über Monate oder sogar Jahre langsam entwickeln. Einige Infektionskrankheiten wie beispielsweise das Pfeiffersche Drüsenfieber werden häufig lange Zeit nicht diagnostiziert, da typische Symptome fehlen.

Schlafkrankheit und Narkolepsie

Eine Infektionskrankheit, die immer wieder mit ständiger Müdigkeit in Verbindung gebracht wird, ist die Schlafkrankheit (Trypanosomiasis). Bei dieser durch die Tsetsefliege übertragenen Erkrankung treten im zweiten Stadium der Erkrankung starke Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus auf. Die Fliege, deren Stiche den Erreger übertragen, ist in verschiedenen Regionen Afrikas verbreitet.

Im Volksmund wird häufig auch die Narkolepsie als Schlafkrankheit bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine neurologische Erkrankung, bei der es tagsüber immer wieder zu Schlafattacken kommt. Da die Schlafattacken meist sehr plötzlich auftreten und mit einem starken Tonusverlust der Muskulatur einhergehen, kommt es häufig zu Stürzen der Betroffenen. Narkolepsie wird vermutlich durch körpereigene Immunzellen verursacht. Diese greifen bestimmte Hirnzellen an, die für die Produktion von Hypocretin verantwortlich sind – ein Stoff, der für die Erhaltung von Schlaf- und Wachzuständen wichtig ist.

Häufig müde? Stoffwechselkrankheiten als Ursache

Bestimmte Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder eine Schilddrüsenunterfunktion können ebenfalls hinter einer ständigen Müdigkeit stecken. So kann das Gefühl, immer müde zu sein, mit einer schlechten Einstellung des Blutzuckerspiegels im Rahmen einer Diabetes-Erkrankung zusammenhängen.

Ebenso kann eine Schilddrüsenunterfunktion dafür sorgen, dass man sich permanent müde fühlt. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion werden in der Schilddrüse zu wenige Hormone produziert. Mögliche Symptome sind neben ständiger Müdigkeit auch Appetitlosigkeit, erhöhte Infektanfälligkeit, Konzentrationsstörungen und Gewichtszunahme.

Ständige Müdigkeit – Krebs als Ursache?

Wird für die ständige Müdigkeit keine andere Ursache gefunden, sollte auch in Betracht gezogen werden, ob hinter der Müdigkeit eine Krebserkrankung stecken könnte. Denn die meisten Krebsarten gehen mit Müdigkeit einher. Bei einer Krebserkrankung tritt das Gefühl der Müdigkeit meist gemeinsam mit anderen Empfindungen wie Schwäche, Mattigkeit und Kraftlosigkeit auf. Diese besondere Form der Müdigkeit wird auch als Fatigue bezeichnet, was im Französischen Mattigkeit oder Ermüdung bedeutet.

Häufig ist das Gefühl, permanent müde zu sein, nicht nur auf die Erkrankung selbst, sondern auch auf die Behandlungsmethoden gegen den Krebs, wie beispielsweise eine Chemotherapie zurückzuführen. Um gegen die Müdigkeit vorzugehen, empfiehlt sich ein fester Schlafrhythmus sowie maßvolles Sporttreiben.

Dauernd müde – chronisches Erschöpfungssyndrom als Grund

Zu unterscheiden von der Fatigue bei und nach Krebserkrankungen ist das Chronische Erschöpfungssyndrom (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue Syndrom, ME/CFS). Darunter ist ein schwerer und langandauernder Erschöpfungszustand zu verstehen. Zusätzlich zur Müdigkeit können Symptome wie Kopf-, Hals- und Muskelschmerzen, Sehstörungen und Konzentrationsprobleme auftreten, oft verschlimmern sich die Beschwerden bereits nach kleineren Anstrengungen.

Wodurch das chronische Erschöpfungssyndrom ausgelöst wird, ist bislang nicht geklärt. Neben anderen akuten Belastungen wie beispielsweise einer Infektion könnten auch psychische Belastungen eine Rolle spielen. Das Chronische Müdigkeitssyndrom wird als neurologische Erkrankung klassifiziert.

Weitere Krankheiten als Ursache von Müdigkeit

Müdigkeit und Abgeschlagenheit können außerdem Symptom vieler weiterer Erkrankungen sein. Dazu gehören unter anderen:

Daneben kann Müdigkeit auch bei einer Schwangerschaft oder als Nebenwirkung von Medikamenten auftreten.

Müdigkeit: Psychische Ursachen

Müdigkeit kann nicht nur körperliche, sondern auch psychische Ursachen haben. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die Müdigkeit mit Abgeschlagenheit, Antriebslosigkeit und einer gedrückten Stimmung einhergeht. Die Ursache der Müdigkeit kann dann in einer Depression liegen.

Personen, die an einer Depression leiden, fällt es häufig schwer, abends einzuschlafen. Außerdem schlafen sie meist nicht die ganze Nacht durch, sondern wachen häufiger auf. Typisch ist darüber hinaus, dass man sich trotz ausreichend Schlaf nicht frisch und erholt, sondern weiterhin müde und erschöpft fühlt. Falls Sie immer müde sind, sich antriebslos und "leer" fühlen, sollten Sie darüber nachdenken, sich psychologisch Hilfe zu suchen.

Auch ein Burnout-Syndrom kann sich durch ständige Erschöpfung äußern. Betroffene fühlen sich ausgelaugt und verspüren einen Mangel an Energie – häufig liegen die Ursachen in einer permanenten Überlastung im Alltag oder Beruf.

Daneben kommen beispielsweise auch Angststörungen oder Stress als Auslöser ständiger Müdigkeit in Betracht.

Immer müde – das hilft!

Wenn Sie immer müde sind, sollten Sie herauszufinden versuchen, worauf Ihre Müdigkeit zurückzuführen sein könnte. Anschließend sollten Sie überprüfen, ob Sie Ihre Müdigkeit mit ein paar einfachen Tricks bekämpfen können:

  1. Versuchen Sie herauszufinden, ob Schlafmangel die Ursachen für Ihre Müdigkeit sein könnte. Testen Sie, ob Ihre Müdigkeit beispielsweise nach einem kurzen Mittagsschlaf (20 bis 30 Minuten) verschwindet. Achten Sie auf regelmäßige und ausreichende Schlafenszeiten. Vorsicht: Auch zu langes Schlafen macht müde.
  2. Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mindestens 1,5 Liter pro Tag).
  3. Ernähren Sie sich ausgewogen und vitaminreich. Obst und Gemüse sind empfehlenswert, den Fleischkonsum sollten Sie eher gering halten. Gegebenenfalls können geeignete Nährstoffpräparate helfen, einen Mangel an Mikronährstoffen zu beheben.
  4. Verzichten Sie möglichst auf Alkohol und Zigaretten, da diese Ihren Körper belasten.
  5. Probieren Sie aus, ob sich Ihre Müdigkeit mit Wechselduschen oder einer kalten Dusche am Morgen vertreiben lässt.
  6. Seien Sie körperlich aktiv! Bewegung bringt den Kreislauf in Schwung und kann Müdigkeit vertreiben.
  7. Gönnen Sie sich Ruhe. Entspannungsübungen können beim Abschalten helfen, falls Ihre Müdigkeit durch Stress verursacht wird.

Sollten Ihre Beschwerden trotzdem nicht besser werden, sollten Sie ärztlichen Rat suchen, um die Ursache der Müdigkeit abklären zu lassen. Vor allem, wenn weitere Symptome auftreten, kann hinter der Müdigkeit auch ein Nährstoffmangel oder eine Erkrankung stecken. Werden diese behandelt, verschwinden häufig auch die Beschwerden und Sie fühlen sich wieder erholt und ausgeschlafen.

Aktualisiert: 07.10.2021 - Autoren: Kathrin Mehner, Medizinredakteurin | Silke Hamann, Medizinredakteurin

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