Schwindelgefühl - Was steckt dahinter?

Frau verspürt Schwindelgefühl © istockphoto, m-imagephotography

Auf dem Schiff, im Aufzug oder beim Autofahren – das Gefühl, aus dem Gleichgewicht zu geraten, kennt wohl jeder. Denn für den Körper ist es gar nicht so einfach, Balance zu halten. Dafür ist ein komplexes Zusammenspiel zwischen den beiden Gleichgewichtsorganen im Innenohr und den anderen Sinnesorganen erforderlich.
Drei flüssigkeitsgefüllte Bogengänge in den Gleichgewichtsorganen ermitteln die Drehbewegungen des Kopfes. Gleichzeitig registrieren dort kleine Klaziumkarbonat-Kristalle, die so genannten Otholiten, die Beschleunigung des Körpers. Bei der Orientierung im Raum hilft außerdem ein System der Tiefenwahrnehmung, das über Fühler an Gelenken, Muskeln und Sehnen die Anspannung und Entspannung des Körpers registriert. Die Fülle der Informationen wird an das Gehirn geleitet und dort so verarbeitet, dass ein stabiles Bild der Umgebung entsteht.

Ursachen von Schwindelgefühlen

Wird die Kommunikation in diesem System gestört, gerät die Welt aus dem Gleichgewicht. Beim Lesen im Auto etwa sind die Augen auf die bewegungslose Schrift fixiert, während das Gleichgewichtsorgan und die Tiefenwahrnehmung die Beschleunigungen registrieren. Zu ähnlichen Unstimmigkeiten kommt es bei Schiffsreisen, im Aufzug oder beim Blick aus großer Höhe. Normalerweise verschwinden die Beschwerden bald wieder.

Doch bei vielen Menschen gerät die Welt auch ohne ersichtliche Ursache immer wieder ins Wanken. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Neurologie ist Vertigo, so der medizinische Fachbegriff für den Schwindel, nach Kopfschmerzen das zweithäufigste Krankheitssymptom der Deutschen. 17 bis 39 Prozent der Bevölkerung klagen über Schwindelprobleme. Die Beschwerden reichen dabei von leichten Gangunsicherheiten bis hin zu massiven Drehschwindel-Attacken mit Übelkeit und Erbrechen. Auch wenn die Symptome beängstigend sein können: Ernsthafte neurologische Erkrankungen sind nur selten die Ursache von Schwindelgefühlen. Häufiger liegen Störungen des Gleichgewichtsorgans zugrunde, aber auch Kreislaufbeschwerden, Erkrankungen der Halswirbelsäule oder Sehstörungen.

Häufig ist der Schwindel auch seelisch bedingt. Jeder zweite bis dritte Betroffene leidet unter dem so genannten psychogenen Schwindel, bei dem keine organischen Ursachen gefunden werden. Hier sind es oft Ängste oder Depressionen, die die Patienten aus dem Gleichgewicht bringen. Auch Medikamente können Schwindelbeschwerden auslösen. Der Hinweis steht meist im Beipackzettel. Bei Beschwerden sollte man ebenfalls den Arzt darauf ansprechen. Bei fast allen Medikamenten gibt es Alternativpräparate, die der Patient einnehmen kann.

Therapie

Meist kann der Arzt schon anhand der Schilderung des Patienten die Ursachen der Schwindelgefühle klären. Deshalb ist es wichtig, dass der Patient die Art seines Schwindels und die Situationen, in denen die Beschwerden auftreten, dem Arzt möglichst genau beschreibt. Sind die Ursachen erst einmal gefunden, lässt sich der Schwindel gezielt behandeln.

Spezielle Lagerungsübungen, die der Arzt beim Patienten unterstützt, helfen beispielsweise, wenn die Kristalle im Gleichgewichtsorgan ihre Position verändert haben. In manchen Fällen empfiehlt der Arzt ein Gleichgewichtstraining oder die Grunderkrankung wird behandelt, zum Beispiel zu niedriger Blutdruck. Liegen Durchblutungsstörungen vor, lohnt in manchen Fällen ein Behandlungsversuch mit Gingko-Spezialextrakten.

Aktualisiert: 14.09.2012

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