Quallen: Keine Augen, keine Ohren, kein Gehirn - aber raffiniert bewaffnet

Quallen © Silke Hamann

Millionen von Touristen zieht es jedes Jahr ans Meer. Und mit schöner Regelmäßigkeit zieht es Millionen von Quallen an die Strände von Nord- und Ostsee und ins Mittelmeer. Auch in diesem Sommer treibt die Leuchtqualle in Massen auf die Balearen zu. Schon viele Urlauber haben sich an ihren Nesselfäden regelrecht verbrannt. Wen es erwischt, sollte Essig oder Rasierschaum dabei haben.

Die Leuchtqualle

Nachts leuchtet sie im Meer, tagsüber verursacht sie bei den Badenden schmerzhafte Verbrennungen - die Leuchtqualle - Pelagia noctiluca, hat sich im westlichen Mittelmeer in den letzten Jahren zu einer regelrechten Plage entwickelt. Meeresbiologen vermuten, dass ein wichtiger Faktor bei der Quallenplage die Erwärmung des Wassers ist. Das Mittelmeer ist derzeit ein Grad wärmer als normal.

Eine weitere Ursache sei die Überfischung, wodurch natürliche Feinde der Quallen wie Tunfisch oder Meeresschildkröten stark reduziert werden. Quallen - rund 300 Arten sind bekannt - sind gefährliche Räuber, und das seit weit über 600 Millionen Jahren.

Auf den Tentakeln und Armen der Medusen sowie am Rand des Schirmes, manchmal auch obenauf, sitzen Tausende der gefürchteten Nesselkapseln. Diese werden wie winzige Harpunen auf die Opfer geschleudert und dadurch gelähmt - meist sind dies Planktontiere und kleine Fische. Vor allem aber schützen sich die Quallen so effektiv vor Feinden.

Das Gemeine daran: sogar abgerissene Tentakelstücke und tote Quallen nesseln noch.

Quallen in Europa

An den deutschen Küsten und im Mittelmeer ist die Feuerqualle am häufigsten. Die Feuerqualle wird bis zu 30 cm breit und hat bis zu 5 Meter lange Fangfäden, die selbst im losgerissenen Zustand die Haut bei Berührung verbrennen können - die Verletzung sieht aus wie ein Peitschenschlag. Die blaue Feuerqualle ist etwas kleiner als die rote Feuerqualle, brennt aber genauso. Sie ist an den Küsten der Nord- und Ostsee nur in den Sommermonaten zu finden.

Die Ohrenqualle hingegen hat nur ein schwaches Gift, das jedoch manche Menschen auf dünnen Hautpartien wie etwa im Gesicht irritieren kann.

Die Kompassqualle, die rund 30 cm groß werden kann, verursacht ebenfalls leichte bis mittlere Verbrennungen.

Die im Mittelmeer lebende Leuchtqualle besitzt eine 8 cm große Glocke, kann aber bis zu 10 Meter lange, haarfeine Tentakeln ausbilden. Sie verursacht sehr schmerzhafte Verbrennungen. Zu erkennen sind Leuchtquallen an ihrer rosa Färbung und der warzigen Schirmoberfläche. "Diese Quallenart kann so unangenehm nesseln, dass Wunden oft längere Zeit nicht verheilen, sondern ständig nässen und erst allmählich vernarben." sagt der Meereszoologe Dr. Robert A. Patzner von der Universität Salzburg.

Die gefährlichsten Quallen

Einige Quallenarten sind so giftig, dass sie sogar einen Menschen töten können. Dazu gehört die "Portugiesische Galeere". Ihre Tentakel werden bis zu 5 Meter lang. Sie lebt in allen Ozeanen, vorwiegend jedoch im tropischen Atlantik bis zu den Hebriden, der Karibik und selten auch im Mittelmeer.

Das Tier ist keine "richtige" Qualle, sondern eine Polypenkolonie, deren Einzeltiere sich zu einem "Staat" verbunden haben. Beim Kontakt mit den in Australien auch "Bluebottle" genannten Polypen darf man keinen Essig verwenden - nur Salzwasser zum Abwaschen. Dann sollte man so schnell wie möglich zum Arzt.

Zu den gefährlichsten Quallen überhaupt zählt die australische Seewespe - sie gehört zur Gattung der Würfelqualle. Ihr Gift tötet einen Menschen in nur wenigen Minuten. In Australien sterben sogar mehr Menschen durch das Gift der Seewespe ("Box Jellyfish") als durch Schlangenbisse. Der Schirm der Qualle erinnert an einen Würfel mit abgerundeten Kanten, daher der Name. An diesen vier Kanten sitzen einzelne oder ganze Bündel von Tentakeln. Die Seewespe ist im Pazifik zu Hause und hält sich besonders in Küstennähe auf. Außerdem ist sie schnell - bis zu vier Knoten (ca. 7 bis 8 km/h).

Von Mai bis Oktober sollte man daher vor Australiens Nord- und Nordostküste nur mit speziellen Lycra-Anzügen schwimmen. Teilweise gibt es an den Stränden Absperrungen, mit denen die Badenden geschützt werden sollen. An den Erste-Hilfe-Stellen bekommt man Essig zur Behandlung der Wunden: die Säure deaktiviert die Nesselzellen - in jedem Fall muss man aber noch einen Arzt aufsuchen.

Erste Hilfe

Innerhalb von nur wenigen Sekunden können Berührungen mit Quallen zu schmerzhaftem Brennen und Fieber führen, manchmal sogar zum Schock. Die Bandbreite der Symptome reicht von

Meist erwischt es die Badenden im Wasser, denn Quallen sind nur schlecht zu sehen. Wenn man den brennenden Schmerz spürt, sollte man zumindest in Europa nicht in Panik verfallen, denn hier sind die Quallen nicht lebensbedrohlich. Man sollte allerdings sofort das Wasser verlassen und die Verletzungen untersuchen. Nach einem Kontakt mit der Qualle sitzen noch zahlreiche ungeplatzte Nesselkapseln auf der Haut. Auf keinen Fall darf man mit der Hand die Hautstellen reiben.

Die Schutzstation Wattenmeer empfiehlt: Noch am Strand, wenn man keinen Essig dabei hat, ist es sinnvoll, die Haut erst an der Luft trocknen zu lassen und dann mit trockenem Sand abzureiben - doch Vorsicht bei den Händen, denn die Nesselkapseln können auch die Handflächen verbrennen. Sollte man Essig, ersatzweise Zitrone, zur Verfügung haben, kann man mit einem getränkten Lappen die Hautstellen vorsichtig abreiben. Eine Antihistamin-Salbe, wie man sie auch bei Insektenstichen einsetzt, kühlt. Bei sehr großflächigen Verbrennungen sollte man zum Arzt gehen.

Die Küstenstationen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) setzt auf Rasierschaum: die betroffenen Hautstellen mit Essig oder Rasierschaum einreiben, den Schaum dann trocknen lassen und mit einem stumpfen Gegenstand wie einem Messerrücken oder einer Plastik-Kinderschaufel abreiben, um so die Nesseln von der Haut zu lösen. Bei starken Schmerzen und Hautrötungen sollte zur Vorsicht der Arzt aufgesucht werden. Wer keinen Rasierschaum dabei hat, sollte die DLRG- Rettungsstationen aufsuchen, dort ist das "Hausmittel" verfügbar. Gegen Verbrennungen helfen auch verdünnter Salmiakgeist oder kühlende Salben.

Aktualisiert: 01.06.2012 - Autor: (bo)

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?