Kuren im Ausland - Gleiche Qualität und gleiche Leistung?

Eine Kur im Ausland – und zwar in der Europäischen Union - ist grundsätzlich möglich. Immer mehr deutsche Krankenkassen haben bereits Verträge mit osteuropäischen Kurhotels abgeschlossen. Jede vierte Kassen-Kur wird bereits im Ausland gemacht – vor allem, weil die Preise um bis zu 70 Prozent unter denen von Kuren in Deutschland liegen. Kuren – oder wie es heute heißt Rehabilitation, Prävention und Gesundheitsförderung – sind sogar gesetzlich geregelt im Sozialgesetzbuch. Die Kur basiert auf dem Prinzip, die körpereigenen Heilkräfte zu aktivieren. Ansprechpartner Nr. 1 für die Kurverschreibung ist der behandelnde Arzt, also Hausarzt, Facharzt oder auch Betriebsarzt, der gegenüber der Krankenkasse per Formblatt die Notwendigkeit einer Kurmaßnahme bescheinigen muss.

Kosten sparen in Karlsbad & Co.

Die Krankenkassen bewilligen mittlerweile auch Kuren im Ausland. Einige Kassen, allen voran die Betriebskrankenkassen (BKK), haben Verträge mit Einrichtungen in anderen EU-Ländern geschlossen, zum Beispiel in Polen, Tschechien und Ungarn. Möglich ist das seit dem EU-Beitritt der osteuropäischen Länder am 1. Mai 2004. Die Verträge mit osteuropäischen Kurbädern wurden abgeschlossen mit der Begründung, bessere Rabatte und Sonderleistungen ausgehandelt zu haben. Für alle Kassen zählt dabei vor allem der Kostenfaktor: In Tschechien sind Kuren erheblich billiger als in Deutschland.

Ein Beispiel: Karlsbad wurde um das Jahr 1350 vom römischen Kaiser und tschechischen König Karl IV. gegründet. Der Ort wurde aufgrund seiner warmen Heilquellen in der ganzen Welt berühmt. Etwa hundert dieser Quellen entspringen hier, zwölf werden gegenwärtig für Trinkkuren genutzt. Das Quellwasser ist vor allem bei Stoffwechselstörungen heilsam. Die Kosten für Unterbringung und Verpflegung liegen um rund 40 Prozent unter denen in deutschen Kurorten. Und: Sprachprobleme gibt es so gut wie keine, man spricht deutsch von der Schwester bis zum Chefarzt. Das wundert nicht, denn ungefähr der Viertel der Kurgäste kommen inzwischen aus Deutschland.

Die Sendung "Plusminus" der ARD vom April 2005 berichtete, dass das Einspar-Potenzial im Ausland riesig sei, die Qualität dabei vergleichbar und die Erfahrungen gut. Bis zu 70 Prozent billiger sind die Kur-Anwendungen in Tschechien oder Polen im Vergleich zu deutschen Kurorten. Mit der Konkurrenz aus Osteuropa erhalte der Wettbewerb eine neue Dimension und die ersten deutschen Kurorte bekämen das bereits zu spüren.

Mehr Wettbewerb – und Wellness

Doch der Wettbewerb hat auch sein Gutes: Deutsche Kurorte – 320 gibt es hierzulande - setzen auf Qualität – wie Bad Elster und Bad Brambach: Beide Kurbäder liegen unmittelbar an der Grenze zu Tschechien und haben die Konkurrenz direkt vor Augen. Ihr Konzept setzt auf mehr Qualität und "modernes Auftreten".

Bad Brambach bietet u.a. eine 21 Tage Gesund Premium-Kur, die anspruchsvollen Anforderungen gerecht werden soll – hier ist die Grenze zwischen klassischer Kur und Wellness-Angebot fließend. Bei dieser Form stellt der Badearzt dem Patienten ein individuelles Kurprogramm zusammen. Ergänzend profitiert der Patient noch von zusätzlichen Angeboten wie Ayurveda, Massagen mit heißem Stein und anderen Wellness-Offerten. Diese Anwendungen müssen aber privat bezahlt werden

. Das neue Gütesiegel des Deutschen Heilbäderverbandes "Wellness im Kurort" steht für ein spezielles Gesundheitsangebot. Das bedeutet: Orte, die das Siegel tragen, bieten eine Palette an medizinischen Anwendungen an, zusätzlich aber auch neuere Wellness-Angebote. Zu den zehn Qualitätsanforderungen gehören neben ganzheitlicher medizinischer und Therapeutischer Kompetenz auch staatlich anerkannte Qualitätsmerkmale wie ein natürliches Heilklima.

Wichtig sind ebenfalls guter Service und gute kulturelle Angebot. Nach Aussage des Heilbäderverbandes ist das Konzept gedacht für Interessierte, die vorbeugend etwas für ihre Gesundheit tun wollen. Aber: Die Kosten müssen aus eigener Tasche bezahlt werden.

Ambulante und stationäre Kuren

Bei einer Kur unterscheidet man zwischen einer "ambulanten Vorsorgeleistung" und der "stationären Vorsorge- bzw. Rehabilitationsleistung". Zusammen mit dem Arzt wählt man den geeigneten Kurort aus – auch einen Ort im Ausland. Der Arzt informiert vorab über die notwendigen Behandlungsformen am Kurort. Die ambulante Vorsorgekur wird in Zusammenarbeit mit dem Arzt bei der Krankenkasse beantragt. Nach Genehmigung muss sie innerhalb von sechs Monaten angetreten werden.

Unterkunft und Verpflegung bezuschusst die Krankenkasse mit einem Betrag bis zu 13 EURO pro Tag (je nach Krankenkasse). Die Kosten des Badearztes werden bis auf die Praxisgebühr komplett übernommen. Bei den therapeutischen Leistungen kommen die Rezeptgebühr und eine Eigenbeteilung von zehn Prozent noch dazu.

Ambulante Kuren:
Ambulante Kuren können im Abstand von drei Jahren genehmigt werden. Die ambulante Vorsorgeleistung kann angezeigt sein bei Vorliegen nachgewiesener Risikofaktoren, wenn diese durch die Maßnahme beseitigt oder beeinflusst oder dem Patienten die Bewältigung dieser Faktoren erleichtert werden kann. Beispiele sind Übergewicht, Bluthochdruck, Neigung zu somatischen Erkrankungen und wiederkehrende Schmerzzustände des Stütz- und Bewegungsapparates. Der Patient muss in diesem Fall Urlaub beim Arbeitgeber beantragen.

Stationäre Kuren:
Bei einer stationären Behandlung in einer Vorsorge- bzw. Rehabilitationseinrichtung empfiehlt Krankenkasse ein entsprechendes Vertragshaus. Stationäre Kuren sind angezeigt, wenn zum Beispiel nach überstandener schwerer Krankheit die Arbeitsfähigkeit wiederhergestellt werden soll – etwa nach einem überstandenen Herzinfarkt. In diesem Fall bedeutet Kur: man ist weiterhin krank geschrieben, muss also keinen Urlaub beantragen.

Stationäre Wiederholungskuren werden in der Regel nach Ablauf von vier Jahren bewilligt. Es gibt aber auch - je nach Krankheitsverlauf - medizinisch indizierte Ausnahmen zur Unterschreitung dieses Intervalls. Bei einer stationären Kur muss der Patient 10 EURO täglich zuzahlen.

Wie bei einer ambulanten Kur in Deutschland übernimmt die Kasse die Kosten für die ärztliche Betreuung und die Anwendungen - und sie rechnet direkt mit den Einrichtungen im Ausland ab. 2004 sind rund 30.000 Kuren im europäischen Ausland von den Krankenkassen bezahlt worden. Gemessen an den rund 118.000 ambulanten Vorsorgemaßnahmen, die in Deutschland genehmigt wurden, beträgt der Anteil der Auslandskuren rund ein Viertel.

In der EU gibt es übrigens rund 1.100 Kurorte und Heilbäder, rund 190 in den neuen osteuropäischen Mitgliedstaaten.

Kritik am Kurexport

Der Deutsche Heilbäderverband jedoch kritisiert den "Kurexport". Die Kassen würden den Wirtschafts- und Dienstleitungsstandort Deutschland gefährden, heißt es in einer Pressemeldung des Verbands. „Damit werden deutschen Heilbäder und Kurorten, die hohe kostenträchtige Qualitätsansprüche erfüllen, Kurgäste entzogen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind bereits spürbar." Im Jahr 2004 musste ein Rückgang der ambulanten Kuren um 22,8 Prozent hingenommen werden. Der Verband fordert einheitliche Qualitätsstandards für ganz Europa. Für die Kassen aber zählen zunächst die Kosten, die in vielen osteuropäischen Ländern erheblich niedriger sind als hierzulande.

Für den Patienten letztlich zählt, ob Qualität und Leistung den Standards in deutschen Kurkliniken entsprechen. Das gilt im medizinisch-therapeutischen Bereich und bei Unterkunft und Verpflegung. Bereits vor dem Arztbesuch sollte man sich daher über mögliche Kurorte in EU-Ländern informieren. Im Antrag kann man nur einen Wunschkurort angeben.

Die Krankenkasse erstattet nur die Kosten bei einer Kur im Ausland, die sie auch in Deutschland übernehmen würde. Mehrkosten muss der Patient selbst bezahlen. Unter den Krankenkassen, die als eine der ersten die Auslandskur bewilligten, ist die Hanseatische Ersatzkasse.

Laut Aussage der HEK sind die Kurorte qualitätsgeprüft – die Unterbringung der Patienten erfolgt z.B. in Marienbad in Häusern der Danubius-Gruppe. Die bisherigen Erfahrungen sind positiv. Indirekt profitieren die Patienten von dem schärfer werdenden Wettbewerb aus dem Ausland, denn die Heilbäder und Kurorte in Deutschland reagieren mit zusätzlichen Angeboten und hohem Qualitätsstandard. Auskunft über zugelassene Kurorte bei Kurärztliche Verwaltungsstelle 44141 Dortmund, Westfalendamm 67 Tel.0231-94117920

Aktualisiert: 25.05.2012 - Autor: bo

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?