Dinkel - Gesundes Urkorn

Sack voll Dinkel © istockphoto, al62

Dinkel, ein naher Verwandter des Weizens, erobert langsam aber sicher die Regale der Supermärkte, denn er ist ausgesprochen gesund und vielseitig. Menschen, die auf Weizen allergisch reagieren, finden häufig im Dinkel eine Alternative. Das alles ist Dinkel: Im Wachstum ist er anspruchslos, aber er braucht guten Ackerboden. Er ist kaum anfällig für Schädlinge, der Winter kann ihm nichts anhaben, aber Kunstdünger treibt ihn nicht zu Höchstleistungen an und Zuchterfolge sind mit ihm nicht zu haben. Er schmeckt leicht nussig, ist beim Backen unproblematisch und steckt voller Vitamine und Mineralstoffe. Er ersetzt Kaffee und aus seinen Spelzen macht man Kissen, die Nacken und Schultern im Schlaf massieren.

Inhaltsstoffe von Dinkel

Dinkel, so heißt es bei der heiligen Hildegard von Bingen (1098 – 1179), ist das "beste Korn", es "macht seinem Esser rechtes Fleisch und rechtes Blut, frohen Sinn und freudig menschliches Denken". Was die Äbtissin, Heilkundige und Naturforscherin vor langer Zeit längst wusste, ist heute wissenschaftlich nachgewiesen: Dinkel hat mehr Mineralstoffe und Vitamine zu bieten als der beste Weizen. Sein hoher Gehalt an Kieselsäure wirkt sich positiv auf Denkvermögen und Konzentration sowie die Gesundheit von Haut und Haaren aus.

Wegen seines hohen Anteils an so genanntem Klebereiweiß, den Gluten, hat Dinkel hervorragende Backeigenschaften. Dinkel liefert ca. 62 Prozent Kohlenhydrate, 2,7 Prozent Fett, 8,8 Prozent Ballaststoffe, und 12 Prozent wertvolles Eiweiß, das in Spuren alle essenziellen Aminosäuren enthält.

Dinkel: Anspruchsloses Schwabenkorn

Dinkel ist mit dem Weichweizen verwandt und aus den Urweizenarten Einkorn und Emmer hervorgegangen. Im Gegensatz zum Weizen ist Dinkel anspruchsloser, standfester und wetterhärter. Vor weit über 3000 Jahren kam Dinkel aus Asien nach Spanien und Mitteleuropa. „Im Mittelalter", dies berichtet die AOK, „wurde er in weiten Teilen der Schweiz, in Tirol, Baden-Württemberg und Mittelfranken angebaut, wobei ihm die deutschen Anbaugebiete den Beinamen Schwabenkorn eintrugen."

Erst im 20. Jahrhundert, als Bauern ihre Ernteerträge mittels Kunstdünger immer weiter steigerten, wurde Dinkelanbau zu Gunsten des Weizens zurückgeschraubt, da seine Ernteerträge deutlich geringer ausfallen als beim Weizen und das Entfernen des fest mit dem Korn verwachsenen Spelzes aufwändig und teuer ist.

Grünkern gegen Hungersnot, Muckefuck als Kaffeeersatz

Urkundlich wurde Grünkern erstmals im Jahre 1660 in einer Kellereirechnung des Klosters Amorbach erwähnt. Nasse Sommer mit Regen und Hagel, der das Getreide zu Boden drückt, hat es schon immer gegeben. Da machten die Bauern aus der Not eine Tugend: sie schnitten die noch unreifen Dinkelähren ab und trockneten (darrten) sie über dem Feuer, die noch unreifen Körner wurden jedoch nicht vermahlen, sondern gekocht. Wohlschmeckende und nahrhafte Speisen entstanden und halfen so, eine Hungersnot zu verhindern.

Heutzutage wird der Erntezeitpunkt, der Tag der so genannten Teigreife, genau abgepasst. Anschließend wird der Grünkern gedarrt, wodurch er seine Keimfähigkeit einbüßt, aber mahlfähig wird. Grünkern erfreut sich zunehmender Beliebtheit, denn er schmeckt nicht nur Vegetariern. Und gesund ist er auch, denn sein hoher Gehalt an Kalium, Magnesium, Phosphor und Eisen sind wichtige Bausteine für eine ausgewogene Ernährung.

Neben Hildegard von Bingen begeisterte sich auch Pfarrer Sebastian Kneipp für dieses Getreide. Er benutzte gerösteten Dinkel wegen seiner wertvollen Eigenschaften als Kaffeeersatz, der Muckefuck, wie sein Dinkelkaffee im Volksmund später genannt wurde, war entstanden. Schließlich ist auch der vom Korn abgetrennte Spelz kein Abfallprodukt: Als Kissenfüllung gilt er schon seit Hildegard von Bingens Zeiten als Mittel zur Schmerzlinderung und Entspannung.

Aktualisiert: 09.12.2013 – Autor: bo

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