Mineralwasser, Leitungswasser & Co. – welches Wasser soll ich trinken?

Wasser © sulox32

Unser Körper und unsere Organe sind darauf angewiesen, ausreichend mit Wasser versorgt zu werden. Wie viel Wasser beziehungsweise Flüssigkeit wir täglich zu uns nehmen sollten, ist individuell verschieden. Da der Körper uns aber erst bei einem Engpass durch Durst signalisiert, dass die Vorräte knapp werden, gilt die Faustregel: 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit in Form von Getränken pro Tag. Aber: Wasser ist nicht gleich Wasser. Die Unterschiede zwischen Leitungswasser, Mineralwasser, Quellwasser & Co. erfahren Sie im Folgenden.

Kleines 1x1 der Wassersorten

Außer dem allseits bekannten Mineralwasser gibt es noch eine Reihe anderer Wassersorten, die sich alle deutlich voneinander unterscheiden: durch ihre Entstehung, ihre Zusammensetzung und den Geschmack. Wir haben also die Qual der Wahl zwischen:

  • Trinkwasser (Leitungswasser)
  • natürlichem Mineralwasser
  • Heilwasser
  • Quellwasser
  • Tafelwasser

Allen Wassersorten gemeinsam ist, dass sie keine Kalorien haben. Die Besonderheiten der verschiedenen Wasserarten und die Definition zu deren Unterscheidung stellen wir Ihnen im Folgenden vor.

Trinkwasser (Leitungswasser)

Leitungswasser wird nicht wie Mineralwasser aus Tiefenwasser, sondern aus Grund- oder Oberflächenwasser gewonnen. Die Qualität dieses Wassers ist nicht überall gleich, es variiert vielmehr von Ort zu Ort.

Im Gegensatz zu Mineralwasser ist es nicht von natürlicher Reinheit. Je nachdem wie sauber es ist, muss es deshalb von den Wasserwerken aufbereitet und gereinigt werden. Es kann zum Beispiel mit Chlor behandelt oder zusätzlich durch Aktivkohle gefiltert werden.

In Deutschland wird das Trinkwasser häufig und gründlich kontrolliert. Man kann also von einer guten Qualität ausgehen. Vorsicht ist allerdings geboten, wenn das Wasser aus veralteten Bleirohren fließt.

Natürliches Mineralwasser

Mineralwasser ist ein reines Naturprodukt, das aus dem sogenannten Tiefenwasser gewonnen wird. Dieses hat sich in vielen Jahrzehnten aus Niederschlagswasser gebildet. Es wird natürlich gereinigt und gefiltert, indem es durch Erd- und Gesteinsschichten (insbesondere Karbonat- und Salzgesteine) sickert.

Auf diesem Weg nimmt das Wasser außerdem Kohlensäure und Mineralstoffe auf. Je mehr Kohlensäure ein Wasser enthält, desto mehr Mineralien werden aus den umgebenden Gesteinsschichten gelöst.

Mineralwasser muss aus einer unterirdischen Quelle stammen und von natürlicher Reinheit sein. Es wird direkt am Quellort abgefüllt und ist das einzige Lebensmittel, das amtlich anerkannt werden muss.

Bei natürlichem Mineralwasser darf nichts zugesetzt werden. Lediglich die Entfernung von Eisen und die Regulierung des Gehaltes an Kohlensäure sind zulässig. Außerdem muss auf dem Etikett vermerkt sein:

  • Behandlungsverfahren
  • Quellname
  • Abfüllort
  • Datum und Ergebnis der amtlich anerkannten Analyse

Heilwasser als Arzneimittel

Natürliches Heilwasser muss noch höheren Ansprüchen gerecht werden. Es muss aus speziellen Heilquellen stammen und unterliegt den strengen Richtlinien des Arzneimittelgesetzes – somit ist eine Zulassung erforderlich.

Als sogenannte Fertigarzneimittel müssen Heilwässer eine medizinische Wirksamkeit aufweisen, also beispielsweise Krankheiten vorbeugen, lindern oder sogar heilen können. Mögliche Anwendungsgebiete sind zum Beispiel chronische Magen-Darm-Erkrankungen, verschiedenen Nierenleiden und Osteoporose.

Quellwasser: Wasser aus der Tiefe

Auch Quellwasser stammt aus unterirdischen Wasservorkommen. Es muss aber keine nachweisbaren Wirkungen auf die Gesundheit haben, keine gleichbleibende Menge an Mineralien enthalten und wird nicht amtlich anerkannt.

An die Zusammensetzung von Quellwasser werden die gleichen Maßstäbe wie an Leitungswasser angelegt.

Tafelwasser – eine Mischung

Tafelwasser muss nicht natürlichen Ursprungs sein. Es ist eine industriell hergestellte, künstliche Mischung aus Leitungswasser und anderen Zutaten wie Salzwasser oder Mineralwasser. Im Rahmen des allgemeinen Lebensmittelrechts dürfen dem Tafelwasser Zusatzstoffe zugegeben werden.

Da Tafelwasser nicht an eine bestimmte Quelle gebunden ist, darf es an jedem Ort hergestellt und abgefüllt werden (auch über Container und Tankwagen) und auch "lose", also über Zapfanlagen, angeboten werden. Im Gegensatz zu Mineralwasser muss es nicht amtlich anerkannt werden.

Glossar: Angaben rund um Mineralwasser

Folgende Begriffe und Angaben sind im Kontext von Wasser häufig zu finden:

  • enteisent: Das ursprünglich im Wasser enthaltene Eisen wurde aus der Quelle herausgefiltert. Wird das Wasser nicht "enteisent", oxidiert es bei Kontakt mit Sauerstoff – der Inhalt der Flasche würde sich etwa eine Stunde nach dem Öffnen rostbraun färben.
  • Geringer Mineralsalzgehalt unter 500 Milligramm pro Liter (mg/l): dieses Wasser ist geeignet für den täglichen Gebrauch.
  • Sehr niedriger Mineralsalzgehalt unter 50 mg/l: Bei Nierensteinen und Bluthochdruck ist ein niedriger Mineralsalzgehalt empfehlenswert.
  • Hoher Mineralsalzgehalt bis zu 1500 mg/l: Dieses Wasser ist nicht für den täglichen Gebrauch geeignet und sollte nur bei medizinischer Indikation verwendet werden, etwa bei Stoffwechselstörungen, Erkrankungen der Verdauungswege oder der Bauchspeicheldrüse.
  • Bicarbonatgehalt mehr als 600 mg/l: Dieses Wasser unterstützt die enzymatischen Vorgänge der Verdauung.
  • Sulfatgehalt mehr als 200 mg/l: Eine abführende Wirkung ist zu erwarten.
  • Chloridgehalt mehr als 200 mg/l: Der Chloridgehalt fördert die Funktion von Darm, Galle und Leber.
  • Calciumgehalt mehr als 150 mg/l: Ein solches Wasser sorgt für Calcium bei Milchunverträglichkeit, ist geeignet in der Schwangerschaft und für Kinder im Wachstum.
  • Magnesiumgehalt mehr als 50 mg/l: Dieses Wasser ist besonders geeignet bei Stress und für sportlich aktive Menschen.
  • Fluorgehalt mehr als 1 mg/l: Bei Osteoporose ist dieses Wasser besonders geeignet.
  • Gehalt an zweiwertigem Eisen (Fe2+) mehr als 1 mg/l: Dieses eisenhaltige Wasser ist geeignet bei Blutarmut.
  • Natriumgehalt mehr als 200 mg/l: Ein solcher hoher Gehalt an Natrium wirkt förderlich auf die Darmtätigkeit, Gallengänge und Leber; ist jedoch bei Bluthochdruck nicht geeignet.
  • Natriumgehalt 20 mg/l, Nitratgehalt 10 mg/l: Ein solches Wasser ist geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung.
  • Natriumgehalt weniger als 20 mg/l: Dieses Wasser ist geeignet für natriumarme Ernährung, zum Beispiel bei Bluthochdruck.

Qualität von Leitungswasser

Viele Leute trinken gerne Leitungswasser – weil es ihnen gut schmeckt, sie keine Kisten schleppen oder Müll vermeiden möchten. Auch auf kohlensäurehaltiges Wasser muss man dabei nicht verzichten, denn mit sogenannten Sodabereitern kann man das Wasser selbst aufsprudeln. Aber wie steht es um die Qualität des Trinkwassers: Kann man Leitungswasser bedenkenlos trinken?

Bevor Trinkwasser in das öffentliche Netz eingespeist wird, durchläuft es mehrere Reinigungsschritte. Die Vorschriften der deutschen Wasserverordnung sind so streng, dass das Wasser aus dem Hahn in Deutschland als das am strengsten kontrollierte Lebensmittel gilt.

Zwar kann das Grundwasser – größtenteils infolge von landwirtschaftlicher Düngung – zu viel Nitrat enthalten. Diesbezüglich gilt jedoch ein Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat je Liter. Wird dieser überschritten, darf das Wasser gar nicht erst durch die Wasserversorger eingespeist werden.

Gelegentlich enthält Trinkwasser auch geringe Mengen Uran, die auf natürliche Weise in Wasser (auch in Mineralwasser) vorkommen können. Lokale Wasserversorger kontrollieren den Urangehalt des Leitungswassers und können Auskunft darüber geben. Außerdem stellen sie die Einhaltung der Grenzwerte sicher.

Verunreinigung durch Wasserleitungen

Auch wenn das Wasser beim Versorger strenge Kontrollen durchlaufen hat, kann es in seltenen Fällen auf seinem Weg durch die Leitungen im Haushalt verunreinigt werden, etwa wenn es durch Rohre aus Blei oder Kupfer läuft:

  • Wasser mit einem pH-Wert unter 7 kann Teilchen aus den Kupferrohren lösen, die sich im Wasser anreichern. Deshalb sieht die Trinkwasserverordnung vor, dass der pH-Wert des Wassers vonseiten der Wasserversorger nach Möglichkeit auf einen Wert von 7,8 oder höher eingestellt wird. Kupferrohre dürfen nur verwendet werden, wenn die Beschaffenheit des Trinkwassers es erlaubt.1
  • Bleirohre, die in Teilen Deutschlands bis 1973 verbaut wurden, können Blei ins Wasser abgeben, insbesondere wenn das Wasser lange in den Leitungen stand. Bleileitungen sollten deshalb ausgetauscht werden.2

Sind Sie unsicher über die Qualität Ihres Leitungswassers oder möchten Sie es zur Zubereitung von Säuglingsnahrung verwenden, können Sie eine Anfrage bei Ihrem Wasserversorger stellen oder Ihr Wasser von einem unabhängigen Institut untersuchen lassen. pH-Wert und Härtegrad lassen sich anhand von Teststreifen sogar selbst ermitteln.

Grundsätzlich sollten Sie Wasser, das lange in der Leitung gestanden hat (Stagnationswasser), auch aufgrund der möglichen Keimbelastung ablaufen lassen und es nicht als Trinkwasser verwenden.

Kalk im Leitungswasser

Kalk im Trinkwasser ist unschön anzusehen und kann Haushaltsgeräte wie den Wasserkocher mit weißen Ablagerungen verunreinigen. Gesundheitsschädlich ist hartes, also kalkhaltiges, Wasser aber nicht. Denn hartes Wasser enthält mehr Mineralien, konkret die Härtebildner Kalzium und Magnesium, welche aus gesundheitlicher Sicht sogar wünschenswert sind.

Ist Ihr Wasser zu kalkhaltig, können Wasserfilter mit Aktivkohle helfen, es von Kalk zu befreien und so beispielsweise den Geschmack von Tee zu verbessern – denken Sie aber daran, die Kartuschen wegen der möglichen Keimbildung regelmäßig auszuwechseln. Laut Stiftung Warentest können Tischfilter übrigens auch dazu beitragen, den Gehalt an Blei und Kupfer zu reduzieren – nicht aber an Nitrat.3

Enthärtungsanlagen wie Ionentauscher sind jedoch umstritten, da sie einerseits ohne ausreichende Wartung die Keimbelastung im Wasser erhöhen können und andererseits durch Dosieranlagen der Gehalt an (im Trinkwasser unerwünschten) Phosphat erhöht werden kann.4

Zu wenig Wasser verursacht Schwindel

Wenn das Klima heiß und drückend ist, können Beschwerden wie Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme mit Schwindelgefühlen ein Hinweis auf einen Wassermangel im Körper sein. Viele Menschen trinken zwar genug, aber nicht das Richtige. Alkoholika, zuckerhaltige Limonaden, Milchmischgetränke oder Säfte sind keine guten Durstlöscher – im Gegenteil.

Viel besser geeignet sind Mineralwasser oder gutes Trinkwasser. Wer es pur nicht mag, kann es auch mit Saft mischen, wobei das Mischungsverhältnis ein Teil Saft und zwei Teile Mineralwasser betragen sollte. Da beim Schwitzen auch reichlich Salz verloren geht, ist ein Mineralwasser mit mindestens 250 Milligramm Natriumgehalt zu empfehlen.

Wichtig ist außerdem, dass nicht zu viel auf einmal getrunken wird, sondern in kleinen Schlucken über den Tag verteilt. Denn zu schnell aufgenommenes Wasser wird auch schnell wieder von den Nieren ausgeschieden beziehungsweise an heißen Tagen ausgeschwitzt.

Wasser für die Verdauung

Die richtige Trinkmenge ist jedoch nicht nur für den Wasserhaushalt des Körpers wichtig, sondern auch für die Verdauung. Denn der Körper resorbiert das Wasser aus dem Darm. Wer bei warmem Wetter plötzlich unter Verstopfung leidet, sollte unbedingt die tägliche Zufuhr erhöhen. Denn ein zu fester Stuhlgang deutet auf eine deutlich zu geringe Trinkmenge hin.

Das passende Wasser auswählen

Wasser reguliert den Mineralstoffhaushalt in unserem Körper. Die Mineralstoffe sind wichtig für unseren Stoffwechsel, die Erregungsleitung in den Nerven und die Aktivität der Muskeln. Abhängig von den individuellen Bedürfnissen kann das passende Wasser helfen, den jeweiligen Verbrauch an Mineralstoffen auszugleichen:

  • Wer viel Stress hat, sollte zu einem Mineralwasser mit einem hohen Anteil an Magnesium greifen, denn dieses stärkt Konzentration und Nerven.
  • Sportler und Personen, die körperlich anstrengende Tätigkeiten ausüben, sollten nicht nur viel trinken, sondern ein Wasser mit viel Natrium wählen, welches der Körper durch Schwitzen verliert. Natrium ist wichtig für den Wasserhaushalt des Körpers sowie den Säure-Basen-Haushalt.
  • Kinder in der Wachstumsphase benötigen viel Calcium, daher ist ein Wasser mit einem hohen Calciumgehalt für sie besonders empfehlenswert. In Mineralwasser liegt das Calcium bereits in gelöster Form vor und kann daher vom Körper besonders gut aufgenommen werden.
  • Wer weder viel schwitzt noch viel Stress oder aus anderen Gründen einen erhöhten Mineralstoffbedarf hat, kann zu einem leicht mineralisierten und daher recht geschmacksneutralen Mineralwasser greifen.

In manchen Situationen kann es auch ratsam sein, das Wasser nach dem Geschmack auszuwählen. In Restaurants wird als Aperitif gerne ein leicht salziges Mineralwasser mit viel Kohlensäure gereicht, das den Geschmack anregt. Zum Essen sollte die Wahl dann auf ein Mineralwasser mit einem mittleren oder geringen Gehalt an Mineralstoffen und Kohlensäure fallen, da dieses das Aroma der Speise nicht überdeckt.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Bundesinstitut für Risikobewertung (1998): Kupferrohre nicht für alle Trinkwasserinstallationen geeignet.
  2. Umweltbundesamt (2018): Blei im Trinkwasser.
  3. Stiftung Warentest (2015): Wasserfilter im Test. Gut filtert keiner.
  4. Stiftung Warentest (2009): Filter- und Enthärtungsanlagen für Trinkwasser. Meist überflüssig.

Aktualisiert: 02.06.2019 – Autor: überarbeitet: Silke Hamann

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