Leben mit MS: Ernährung, Sport und Arbeit

Plan zur gesunden Lebensweise und Äpfel © iStock.com/http://www.fotogestoeber.de

Mit Multipler Sklerose kann man entgegen vieler Vermutungen ein ganz normales Leben führen. In Bezug auf die Ernährung können einige Aspekte beachtet werden. Sowohl der Körper als auch die Seele können von regelmäßigem Sport profitieren. Die Diagnose der chronischen Erkrankung stellt für die meist jungen Betroffenen jedoch meist einen drastischen Einschnitt in ihrem Lebens dar und bedeutet eine Neudefinition der beruflichen und privaten Zukunft.

Ernährung bei Multipler Sklerose

Die genauen Auslöser von MS sind bisher ebenso wie die Ursachen nicht bekannt. MS tritt besonders häufig in industriell entwickelten Ländern mit eher gemäßigten Klimazonen auf. In diesen Ländern sind fettreiche Lebensmittel, wie Fleisch, Wurst Käse und Butter Bestandteil der Ernährung. Klima, Ernährung und Lebensgewohnheiten scheinen daher Einfluss auf die Multiple Sklerose zu haben.

Wissenschaftlich belegt ist nicht, dass sich eine bestimmte Ernährungsform positiv auf den Verlauf von MS auswirkt. Dies wird lediglich vermutet und von Betroffenen berichtet. Wie in den allgemeinen Ernährungsempfehlungen, sollte auch die Ernährung bei MS möglichst ausgewogen und vollwertig sein, mit viel frischem Obst und Gemüse, wenig Fleisch und Fett.

Es wird vermutet, dass für die fehlgerichtete Immunreaktion bei MS bestimmte Botenstoffe verantwortlich sind. Diese werden aus der mehrfach ungesättigten Fettsäure Arachidonsäure gebildet, die hauptsächlich in tierischen Nahrungsmitteln enthalten ist. Aus diesem Grund sollte sich die Ernährung bei MS auf maximal zwei Fleischmahlzeiten pro Woche beschränken. Fette Wurst und Innereien sollten vermieden werden.

Anstelle der tierischen Fette wie Butter, Schweineschmalz und Gänsefett eignen sich Diätmargarine und pflanzliche Öle (Sojaöl, Leinöl, Weizenkeimöl). Ideal ist ein hoher Anteil an Omega-3-Fettsäuren, die nachweislich die Bildung von Entzündungsstoffen im Körper hemmen. In hoher Konzentration verfügen auch viele Fischarten über diese Fettsäuren. Ein optimaler Speiseplan umfasst pro Woche mindestens zwei- bis drei Mahlzeiten mit fettem Seefisch.

Gesunde Ernährung bei Multiple Sklerose auf einen Blick

  • täglich Obst und Gemüse (besonders Beeren werden empfohlen sowie täglich frische Kräuter)
  • regelmäßig Fisch und eiweißhaltige Lebensmittel
  • bevorzugt Produkte aus Vollkorn (Nudeln, Reis, Brot, Mehl)
  • wenig tierische Produkte, wie Fleisch, Wurst, Eier und aus Milch
  • wenig Fett
  • wenig Alkohol

Sport bei Multipler Sklerose

Sport hat viele positive Effekte auf Körper und Seele – das gilt auch bei Multipler Sklerose. So werden das Körpergefühl und die Beweglichkeit verbessert, aber auch das Risiko für eine Depression gesenkt.

Generell kann Sport eine Vielzahl von Vorteilen für die Gesundheit mit sich bringen:

  • Wer regelmäßig in Bewegung ist, bringt sein Herz-Kreislauf-System in Schwung und baut Stress ab.
  • Durch Sport lässt sich der Cholesterinwert senken.
  • Sport kann das Risiko, an Osteoporose oder Arteriosklerose zu erkranken, positiv beeinflussen.
  • Auch das Immunsystem kann von Sport und Bewegung profitieren.
  • Wer an MS erkrankt ist, kann durch die Ausübung bestimmter Sportarten die Physiotherapie sinnvoll ergänzen.
  • Sport wirkt sich positiv auf die Fatigue bei MS aus.

Worauf sollten Betroffene achten?

Nach aktuellem Wissensstand ist eine Mischung aus Ausdauer- und Krafttraining am sinnvollsten für Menschen mit Multipler Sklerose. Es ist wichtig, ein gesundes Maß der Anstrengung zu finden und Überabstrengung zu vermeiden. Empfohlen werden laut der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche mit jeweils zehn bis 40 Minuten Dauer.

Da die Temperaturregulierung bei MS-Betroffenen oftmals beeinträchtigt ist, ist beim Sport besonders wichtig darauf zu achten, dass dieser nicht in überhitzten Räumen oder bei extremer Wärme im Freien durchgeführt wird. Zudem ist es ratsam vor, während sowie nach dem Sport ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Bei MS tritt häufig das sogenannte Uthoff-Phänomen auf. Das bedeutet, dass sich neurologische Symptome bei einer Erhöhung der Körpertemperatur durch Sport verschlechtern. Dies bildet sich aber nach dem Sport in der Regel zurück und kann beispielsweise durch kühles Duschen wieder reguliert werden.

Es ist ratsam, vor der sportlichen Betätigung Rücksprache mit dem Arzt beziehungsweise dem Physiotherapeuten zu halten, um bestmögliche therapeutische Effekte erzielen zu können.

Wahl der Sportart bei Multiple Sklerose

Mehrere Faktoren sind für die Wahl der Sportart bei MS entscheidend. Zum einen spielt die körperliche Verfassung eine große Rolle sowie die bislang aufgetretenen Symptome. Zum anderen sind natürlich auch individuelle Fähigkeiten sowie persönliche Neigungen zu bestimmten Sportarten ausschlaggebend.

Sportarten, die sich bei Menschen mit MS bewährt haben:

  • Schwimmen: Für viele Menschen mit MS ideal, da durch die Schwerelosigkeit im Wasser sogar Gymnastikübungen möglich sind, die außerhalb des Wassers durch die Erkrankung eingeschränkt sein können. Schwimmen kann die Ausdauer sowie die Koordination fördern, daher sind positive Wirkungen auf Bewegungsstörungen (Ataxie) sowie Fatigue möglich. Durch die Bewegungsabläufe kann eine vorhandene Spastik minimiert werden. Allerdings ist beim Schwimmen zu beachten, dass bei einer stark ausgeprägten Spastik das Risiko einer Muskelhypertonie durch den Auftrieb des Wassers auch erhöht werden könnte. Daher sollte Sport im Wasser bei MS zuvor mit einem Arzt beziehungsweise Physiotherapeuten abgeklärt werden.
  • Yoga: Typische Yoga-Bewegungen sowie Dehnungsübungen können zu Verbesserungen der Spastik führen. Atemübungen im Yoga bewirken eine ganzheitliche Entspannung im Körper. Kräftigung sowie Koordination verbessern Störungen in den Bewegungsabläufen.
  • Nordic Walking: Ideal für das Herz-Kreislauf-System. Nordic Walking trainiert Ausdauer, kräftigt Arme und Beine und verbessert die Koordination. Nordic Walking kann je nach MS-Stadium Ataxie, Spastik sowie Lähmungen positiv beeinflussen.
  • Tai Chi: Langsame sowie bewusst ausgeführte Übungen im Tai Chi unterstützen die Koordination und trainieren das Gleichgewicht. Bewegungen können auch im Stehen die Spastik reduzieren.

Beruf und Arbeitsplatz mit Multipler Sklerose

Mehr als gesunde Menschen müssen MS-Betroffene darauf achten, sowohl physischen als auch psychischen Stress zu vermeiden, um gut mit ihrer Krankheit leben zu können. MS verläuft sehr unterschiedlich: Während manche Erkrankte stark beeinträchtigt werden, können viele andere ohne große Einschränkungen gut damit leben. Daher sollte die MS-Diagnose nicht automatisch auch zur Berufsaufgabe führen. Im Gegenteil kommen viele Betroffene durch die Ablenkung und die Bestätigung durch den Job sogar besser mit der Krankheit klar.

Menschen mit Multipler Sklerose sollten auch im Beruf Stress möglichst vermeiden, um keine Krankheitsschübe zu provozieren. Daher eignen sich Berufe mit Nacht- oder Doppelschichten ebenso wenig wie Arbeiten mit hohem Stressfaktor oder langen Fahrtwegen. Der Arbeitsplatz selbst sollte so gestaltet sein, dass Sie sich wohlfühlen und in Ruhe arbeiten können. Sorgen Sie dafür, dass der Weg zum nächsten WC möglichst kurz ist und Sie Zugang zu einem Fenster haben, das Sie während der Arbeitszeit öffnen können, um eine kleine Erholungspause an der frischen Luft zu machen.

Offener Umgang mit der Krankheit

Im Bewerbungsgespräch sind Sie nicht dazu verpflichtet, von der Krankheit zu berichten. Wenn der Job aber viel abverlangt und Sie sich nicht sicher sind, ob sie ihn auch in vollem Umfang leisten können, müssen Sie den potentiellen Arbeitgeber aufklären. Dies gilt auch bei einer bestätigten Schwerbehinderung.

Wenn Sie in Ihrem Job nach der Diagnose der Multiplen Sklerose von Ihrem Chef Unterstützung in Form flexibler Arbeitszeiten oder einer Versetzung erwarten, müssen Sie ihn über Ihre Beweggründe aufklären. Sehen Sie sich aber dazu in der Lage weiterhin unverändert in Ihrem bisherigen Job zu bleiben, liegt die Entscheidung bei Ihnen, ob Sie Arbeitgeber und Kollegen über die Erkrankung aufklären.

Überlegen Sie sich, wie offen Sie mit der Erkrankung umgehen möchten. Während positiver Stress und die persönliche Bestätigung durch die Herausforderung bei der Arbeit für Menschen mit MS wichtig und wohltuend sind, kann zu viel Stress schnell das Gegenteil bewirken. Auch das Verschweigen der Krankheit kann durch das Verstecken und Überspielen der Symptome negative Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf haben.

Bietet Ihr Job ein harmonisches Arbeitsumfeld, kann es hilfreich sein, mit offenen Karten zu spielen. Informieren Sie die Kollegen genau über die Krankheit Multiple Sklerose und Ihre Symptome und Beschwerden damit. Haben Sie verständnisvolle Kollegen, werden diese künftig mehr Rücksicht nehmen, wenn Sie einmal unter Müdigkeit oder Konzentrationsschwäche leiden.

Erklären Sie jedoch auch, dass Sie nicht automatisch im Rollstuhl landen, sondern dass die Krankheit ganz unterschiedlich verlaufen kann. Somit nehmen Sie den Kollegen die Angst und Scheu vor MS und zeigen ihnen, dass sie weiterhin mit einem vollwertigen Mitarbeiter rechnen können. Gesetzlich verpflichtet sind MS-Patienten nicht, im Job von der Erkrankung zu erzählen. Es sei denn, die Symptome der Multiplen Sklerose stellen in Ihrem Job eine Gefahr für Sie und andere dar.

Arbeitsplatz

Extra große Monitore und Tastaturen können je nach Beschwerden die Arbeit am PC erleichtern. Da der Verlauf von MS schwer absehbar ist, sollten Sie auch im Hinterkopf behalten, ob Ihr Arbeitsplatz bei Bedarf auch mit dem Rollstuhl erreicht werden oder zumindest barrierefrei umgestaltet werden könnte. Da hohe Temperaturen vielen Betroffenen zusetzen, sorgen Sie für eine möglichst niedrige Raumtemperatur. Eine Klimaanlage ist im Sommer meist sinnvoll. Falls normales Arbeiten mit MS in Ihrem Büro nicht möglich ist, können Sie sich mit Ihrem Chef über Arbeit im Homeoffice beraten. Dies würde auch den möglicherweise anstrengenden Weg zur Arbeit entfallen lassen.

Leiden Sie unter schubweisen Schwindelanfällen, Gleichgewichtsstörungen und Konzentrationsschwäche, sollten Sie Arbeiten in großer Höhe oder an schweren Maschinen vermeiden.

Ob sich ein Betroffener dazu entscheidet, sich aus dem Berufsleben zurückzuziehen, hängt zunächst davon ab, wie schwer er durch die Krankheit beeinträchtigt ist. Kann er sich beispielsweise durch extreme Müdigkeit (Fatigue) und Schmerzen kaum aus dem Bett quälen, ist an eine Vollzeitbeschäftigung nicht mehr zu denken.

Bevor Sie Ihren Job ganz aufgeben, wären jedoch Maßnahmen wie Umschulung, Teilzeitarbeit, Teilzeitberentung oder die Versetzung innerhalb der Firma auf einen weniger anstrengenden Posten in Erwägung zu ziehen. Dies trägt nicht nur zur finanziellen Unabhängigkeit und dem Selbstbewusstsein des Betroffenen bei, sondern erhält dem Chef auch die Erfahrung und Kompetenz eines wertvollen Mitarbeiters.

Betroffene, die jedoch recht gut mit ihrer Krankheit klarkommen und sich in ihrem Job wohlfühlen, können ohne weiteres im Arbeitsleben bleiben. Immerhin arbeitet über ein Drittel aller MS-Erkrankten in Deutschland bis zum Rentenalter in einem ganz normalen Job. Sind Sie sich nicht sicher, ob Sie den Ansprüchen eines Fulltime-Jobs genügen können, sollten Sie sich zunächst mit Ihrem Arzt und dann mit dem Arbeitgeber absprechen.

Hilfe und Kontakt zu anderen Betroffenen finden Sie bei der Deutschen Multiplen Sklerose Gesellschaft.

Aktualisiert: 22.04.2020 - Autor: Kristina Klement, Miriam Funk

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