Gicht 1)

Roche Lexikon Logo
Gicht
  • 1)

  • Synonyme: Harnsäuregicht; Uratgicht

  • Englischer Begriff: gout

Störung des Purinstoffwechsels mit Ablagerung von Harnsäure in Gelenken (Gelenkgicht, Arthritis urica) u. Organen. Häufig gleichzeitiges Auftreten mit Adipositas, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus u. Hypertonie (metabolisches Syndrom). Zählt zu den Kristallarthropathien. Ätiol.: Die Veranlagung zur primären Gicht wird vererbt, betrifft v.a. Männer mittleren Alters, selten auch Frauen jenseits der Menopause. Bei erhöhter Zufuhr von Purinen kann die anfallende Harnsäure nicht ausreichend über die Nieren ausgeschieden werden (Hyperurikämie). Deshalb lagern sich die Harnsäurekristalle v.a. in den Gelenken, seltener in den Nieren ab u. führen dort zur typischen Entzündungsreaktion. Seltener ist die sekundäre Gicht, v.a. als Folge eines erhöhten Zelluntergangs (z.B. bei myeloischer Leukämie). Klinik: Oft lösen äußere Faktoren einen Anfall aus, z.B. purin- u. aminosäurereiche Nahrung, Alkoholgenuss, körperliche Anstrengung, Unterkühlung. In der Nacht oder frühmorgens kommt es plötzlich zu einem akuten Gichtanfall. Das betroffene Gelenk (meist monoartikulär, v.a. das Großzehengrundgelenk; Podagra) ist hochrot, überwärmt u. sehr druckschmerzhaft, evtl. besteht mäßiges Fieber. Bei Frauen über 65 Jahren häufiger Befall der Fingermittel- u. -endgelenke. Im weiteren Verlauf Wechsel zwischen akuten Gichtanfällen (immer kürzere Abstände, zunehmend geringere Schmerzhaftigkeit) u. symptomfreien Intervallen. Nach 5–15 Jahren ohne Therapie Entwicklung der chronischen Gicht mit Gelenkdeformierungen u. Harnsäureablagerungen in Weichteilen u. Knochen (Gichtknoten), besonders an Finger- u. Zehengelenken sowie im Bereich des Ohrknorpels. Zusätzlich kann in allen Stadien durch Uratablagerungen eine Schädigung innerer Organe (Gicht, viszerale), insbesondere der Niere (Gichtnephropathie) auftreten. Diagn.: beim akuten Gichtanfall Blutuntersuchung (Hyperurikämie mit Serumwerten über 420 μmol/l bzw. 7,0 mg/dl; Blutsenkung beschleunigt, Leukozytose), selten Gelenkpunktion (mikroskopisch Uratkristalle nachweisbar); Nachweis der chronischen G. mittels Röntgenuntersuchung des betroffenen Gelenks. Diagn. Kriterien (WHO- u. andere internationale Empfehlungen, gekürzt): typische Anfälle akuter u. stark schmerzhafter Arthritis mit kompletter Remission innerhalb von 14 Tagen; erhöhte Harnsäurekonzentration im Serum; Nachweis von Harnsäurekristallen in der Synovia; Nachweis von Gichtknoten. Ther.: im akuten Anfall Colchicin (und Corticosteroide sowie Antiphlogistika), zusätzlich kühlende Alkoholumschläge u. Ruhigstellung des betroffenen Gelenks; in der interkritischen Phase v.a. Gabe von Allopurinol (ein Xanthinoxidase-Hemmer) oder Urikosurika wie Probenecid, Sulfinpyrazon. Unterstützend Ernährungsanpassung (purinarme Kost) u. Gewichtsreduktion bei Adipositas (keine Fastenkuren, da Harnsäurespiegel dadurch erhöht wird). Hohe Flüssigkeitszufuhr; tägliche Urinmenge sollte mindestens 2 l betragen (Vorbeugung gegen Harnsäuresteinbildung); bei Bewegungseinschränkung Maßnahmen wie bei Rheuma. Prophyl.: Unterkühlung u. extreme körperliche Anstrengung vermeiden, Verzicht auf Kaffee, Bier, Innereien, Wild, Sardinen u. Fleischextrakte; Fleisch nur in kleinen Portionen; geeignete Eiweißträger sind Milch, Milchprodukte u. Eier. Progn.: unter Ther. gut, abhängig von einer evtl. vorhandenen Nierenschädigung.

Medizin-Lexikon durchsuchen

Wonach suchen Sie? Bitte geben Sie Ihren Suchbegriff ein:

Roche Lexikon – ein Service von Urban & Fischer/Reed Elsevier

Das Roche Lexikon Medizin gibt es auch als Buch, CD-Rom, Kombiausgabe und mit Rechtschreibprüfung.