Masern

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  • Ma|sern

  • Synonyme: Morbilli

  • Englischer Begriff: measles

Abbildung

durch das Masernvirus hervorgerufene exanthematische Infektionskrankheit von hoher Kontagiosität. Häufigkeitsgipfel im 5.–7. Lj. (junge Säuglinge sind durch mütterliche Leihimmunität geschützt). Kommt in dichtbesiedelten Gebieten endemisch vor (3- bis 5-jährliche Epidemiegipfel); hinterlässt lebenslange stabile Immunität. Übertragung erfolgt v.a. durch Tröpfchen (auch auf Distanz, von Raum zu Raum, als sog. fliegende Infektion), u. zwar meist im Prodromalstadium, wobei Augenbindehaut u. Atemwege die Eintrittspforte sind. Klinik: Nach einer Inkubationszeit von 9–11 Tag (bei Vorliegen passiver Antikörper länger) kommt es zu Virämien (eine erste bis zum 3. Tag mit diskreten Krankheitszeichen; die zweite vom 5.–7. Tag bis zum Exanthem); klinisch entspricht dies einem 2- bis 4-tägigen Prodromalstadium mit Fieber, Atemwegskatarrh, Konjunktivitis, Kopfschmerzen, psychischen Veränderungen, Koplik-Flecken u. beginnendem Enanthem. Nach kurzer Entfieberung folgt das 4- bis 5-tägige Exanthemstadium (Masernexanthem) mit 2. Fieberschub, typischem „Maserngesicht“, Reizhusten, Milzschwellung u. allgemeiner Lymphknotenschwellung, evtl. auch Durchfall. Am 7.–8. Tag erfolgt lytische Entfieberung. Besondere Verlaufsformen sind möglich. Diagn.: Das Blutbild zeigt eine Leukopenie mit Neutrophilie u. Linksverschiebung, später Neutro- u. Eosinopenie; oft besteht eine febrile Albuminurie; positive Diazoreaktion. Die klinische Diagnose wird erhärtet durch Hämagglutinationshemmtest, Neutralisationstest, KBR, ELISA-Test u. Zytologie (Masernriesenzellen, Synzytialzellen in Sekreten etc.). Kompl.: Die Prognose ist gut, jedoch sind Komplikationen (auch bakteriell u. allergisch) möglich: Bronchiolitis, Krupp, Pneumonie (meist bakterielle Superinfektion), Appendizitis, Enzephalitis, Otitis media (Mittelohreiterung in der 2. Wo.), Polyradikulitis, Pemphigoid (auch unabhängig vom Exanthem); ferner bestehen eine erhöhte Disposition zur Erkrankung an Diphtherie (prognostisch ungünstig; ebenso die Kombination mit Keuchhusten) u. Gefahr der Aktivierung einer Tuberkulose (es besteht Tuberculin-Anergie). Prophyl.: erfolgt im Rahmen des Impfkalenders als Erstimpfung im 11.–14., jedoch nicht vor dem 9. Monat mit MMR-Impfstoff zusammen mit Mumps u. Röteln; bis zum 2. Lj. muss die 2. Impfung erfolgt sein. Passive Immunisierung mit γ-Globulin (0,2–0,4 ml/kg) ist bis zum 5. Tag in 80% krankheitsverhütend. Seit dem 1. März 2020 gilt in Deutschland für Masern eine Impfpflicht. Grundlage ist das Masernschutzgesetz.

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