Schädel-Hirn-Trauma

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  • Schädel-Hirn-Trauma

  • Synonyme: SHT (Abk.)

  • Englischer Begriff: craniocerebral trauma; head injury (open; closed)

Folge einer Krafteinwirkung auf die als Einheit anzusehende Körperregion Schädel (Weichteile, Knochen) u. Gehirn (Hirnhäute, Hirnsubstanz, Gefäße). Betroffen sind in unterschiedlichem Maße immer beide Formationen. Zu unterscheiden sind die Sofortfolgen, die in ihrer Ausdehnung mit dem Unfallgeschehen vorliegen, von den Sekundärfolgen, welche erst nach einem Intervall von Stunden oder Tagen klinisch manifest werden. Eine Beurteilung des zerebralen Zustands wird mit der Glasgow Coma Scale vorgenommen. Für die Bewertung des frühen posttraumatischen Abschnitts haben Klassifizierungen, wie leichtes, moderates oder schweres Schädel-Hirn-Trauma oder eine Gradeinteilung (SHT I: Bewusstlosigkeit bis 30 Min.; SHT II: Bewusstlosigkeit bis 1 Std. SHT III: länger dauernde Bewusstlosigkeit) wenig klinische Relevanz. Der klinische Zustand des oft polytraumatisierten Verletzten wird mit dem Anführen der gesamten Verletzungsfolgen beschrieben. Das Vermeiden oder das rechtzeitige Erkennen der Sekundärfolgen ist das Grundprinzip des Behandlungsregimes. Einteilung: unterschieden als offene oder gedeckte (stumpfe) Verletzungen, wobei als Kriterium für „offen“ die zerstörte Dura gilt (mit Austritt von Liquor u./oder Hirnsubstanz). Gedeckte Formen: Commotio, Contusio u. Compressio cerebri (intrakranielle Blutungen, raumfordernde Kontusionsherde u. traumatisches Hirnödem). Offene Formen: penetrierende Schädeldachverletzung, fronto-, rhino- u. laterootobasale Schädel-Hirn-Verletzung. Klinik: psychische Erscheinungen: sofortige, evtl. nur Sekunden, Minuten, mitunter aber auch Tage, Wochen u. Monate anhaltende Bewusstseinsstörung unterschiedlicher Grade, Erinnerungslücke an den Unfall, oft kombiniert mit einer solchen an die Zeit vor dem Unfall (retrograde Amnesie). Vegetative Erscheinungen (durch die traumatische Schädigung der im Hypophysen-Zwischenhirn-System liegenden Zentren): Störungen von Pulsfrequenz, Blutdruck, Gefäßtonus, Stoffwechsel, Temperatur u. Atmung sowie Erbrechen. Das neurologische Syndrom ist gekennzeichnet durch Reflexstörungen, Augensymptome (u.a. Pupillenzeichen, Nystagmus) sowie Paresen. Ther.: Sofortmaßnahmen am Unfallort mit Stabilisierung der Atmungs- u. Kreislauffunktionen (Schockbekämpfung). Orientierende u. neurologische Beurteilung mit Befundfixierung. Steriler Verband bei offenen Formen. Vorbereitung auf den Transport. In der Klinik erfolgen Diagnostik u. Therapie, die sich nach Art u. Schwere des SHT richten. Kompl.: intrakranielle posttraumatische Blutungen, raumfordernde Kontusionen u. posttraumatisches Hirnödem. Spätfolgen: organneurologische u./oder psychische Ausfälle. Progn.: betrifft besonders die Differenzierung zwischen Commotio u. Contusio cerebri. Früher nach der Einteilung von Tönnis u. Loew abschließend beurteilt (für gutachterliche Beurteilungen der Hirnschäden): I. funktionelle Störungen bis zu 4 Tagen, völlige Rückbildung; II: mit funktionellen Störungen, die innerhalb von 3 Wochen abklingen; III: mit funktionellen Störungen über 3 Wochen u. meist irreparablen Schäden. Modifikationen dieser Einteilung sind gebräuchlich.

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