Sterbehilfe

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  • Sterbe|hilfe

Herbeiführung eines erleichterten u. schmerzlosen Sterbens, i.d.R. durch Verabfolgung schmerzstillender Mittel. Unterschieden werden die Hilfe beim Sterben sowie die Hilfe zum Sterben. Die Hilfe beim Sterben umfasst alle Maßnahmen, die geeignet sind, ein schmerzloses Sterben ohne Lebensverkürzung zu ermöglichen. Eine Sonderform ist die hier die indirekte S., d.h. Eingriffe, die allein eine Schmerzlinderung zum Ziel haben, als unbeabsichtigte Nebenfolge aber zugleich eine Lebensverkürzung bewirken können, wobei jedoch kein weniger invasives u. Erfolg versprechendes Mittel zur Verfügung steht. Die Hilfe zum Sterben schließt aktive Maßnahmen der Lebensverkürzung ein. Eine solche Hilfe (aktive S.) ist nach § 216 StGB grundsätzlich strafbar. Das gilt auch für den Fall, dass der Patient diesen Schritt ausdrücklich wünscht. Maßnahmen, die dem Patienten das Sterben erleichtern (z.B. die Applikation stark wirkender Schmerzmittel) u. evtl. das Leben unbeabsichtigt verkürzen können (z.B. als Folge einer durch Schmerzmittel bedingten Immobilität), sind nach dem Gesetz erlaubt. Als passive S. gilt der Verzicht auf therapeutische Maßnahmen, die das Leben eines unheilbar Kranken zwar verlängern, aber in demselben Maße auch sein Leiden. Passive S. ist nach dem Gesetz nur dann erlaubt, wenn der Patient den Behandlungsverzicht im Sinne einer freien Willensentscheidung ausdrücklich selbst wünscht u. dieser Wunsch dokumentiert ist oder die mutmaßliche Einwilligung des Patienten anzunehmen ist. Ist der Patient bewusstlos oder nicht mehr in der Lage, frei verantwortlich eine Entscheidung bzgl. des Behandlungsabbruchs zu treffen, so muss der mutmaßliche Wille des Patienten erforscht werden. In diesem Fall ist eine mutmaßliche Einwilligung bei Abwesenheit von Angehörigen (die den mutmaßlichen Willen des Patienten bezeugen könnten) dann anzunehmen, wenn bei unheilbarer Erkrankung nach allen Erkenntnissen der Wissenschaft mit dauerhafter Bewusstlosigkeit bis zum Todeseintritt zu rechnen ist, eine Weiterbehandlung zwar lebensverlängernd wirkt, damit aber das unheilbare Leiden nur verlängert wird. Die Ansichten der Angehörigen bzgl. des Patientenwillens haben jedoch nur indizielle Bedeutung. Sicherer ist ein aktuelles u. konkretes Patiententestament u./oder die Bestellung eines Vorsorgebevollmächtigten. Ferner sind die Regeln des Betreuungssrechts zu beachten.

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