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Jod für eine gesunde Schilddrüse

Jodhaltiger Fisch © rawpixel

Rund jeder dritte Deutsche hat eine vergrößerte Schilddrüse. In manchen Gegenden kommen bis zu sechs Prozent der Babys mit einem Kropf auf die Welt. Dies wäre ebenso vermeidbar wie etwa 100.000 Schilddrüsenoperationen im Jahr. Denn eigentlich ist deren Prävention so einfach: Genügend Jod hilft der Schilddrüse, in geregelten Bahnen zu arbeiten. Doch mit der Jodversorgung scheinen es die Deutschen nicht so genau zu nehmen, wie die Zahlen zeigen. Nach Untersuchungen des Bundesgesundheitsministeriums ist die Versorgung zwar besser geworden, aber noch lange nicht gut. Dem Normalbürger fehlen täglich etwa 60 bis 80 µg Jod auf dem Speiseteller; bei schwangeren und stillenden Frauen sind es oft gar 120 bis 140 µg.

Tagesbedarf an Jod

Wie viel Jod jeder täglich braucht, zeigt die Tabelle:

Personengruppe Tägliche Zufuhr von Jod in µg/Tag
Säuglinge 50 - 80
Kleinkinder 100 - 120
Schulkinder 140 - 180
Jugendliche 200
Erwachsene bis 35 Jahre 200
Erwachsene über 35 Jahre 180
Schwangere 230
Stillende 260

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung

Jod in Nahrungsmitteln

Als essenzielles Spurenelement muss Jod mit der Nahrung aufgenommen werden. Jedoch: Das Schmelzen der Gletscher nach der Eiszeit hat Jod aus den Böden ausgewaschen und in die Meere geschwemmt, Intensivanbau und Überdüngung taten ihr Übriges und haben die Ackerböden ausgelaugt. Jodarme Lebensmittel sind die Konsequenz. Wie kann man dennoch verhindern, in einen Jodmangel hineinzurutschen?

Jodbomben sind eigentlich nur Seefische. 75 Gramm Seelachs, 165 Gramm Kabeljau, 270 Gramm Goldbarsch oder 380 Gramm Hering liefern den Tagesbedarf von 200 µg Jod. Durch Konservierung und kräftiges Kochen kann der Gehalt deutlich abnehmen. Auch Milch und Milchprodukte sind jodreicher als andere Lebensmittel. Mit Gemüse und Obst kommt man dagegen nicht weiter. Beispiel: Acht Kilogramm Gurken oder 200 Birnen am Tag liefern ebenfalls 200 µg Jod, sind aber nicht nur ziemlich einseitig, sondern auch wenig realistisch.

Deshalb gilt: Das wöchentliche Jod-Soll schafft man mit zwei bis drei Fischmahlzeiten pro Woche, täglich Milch und Milchprodukten sowie der Verwendung von Jodsalz. Wer dann noch darauf achtet, beim Bäcker oder Metzger nur Lebensmittel einzukaufen, die mit Jodsalz zubereitet wurden, kann seinem Jodkonto ebenfalls Gutes tun.

Jodsalz in der Industrie

Bislang verwendet nur ein Drittel der industriellen Lebensmittelerzeuger das angereicherte Salz. Den staatlichen Behörden ist es nicht erlaubt, Trinkwasser od er Viehfutter mit Jodsalz zu versetzen. Die Jodversorgung erfolgt in Deutschland freiwillig.

Deshalb der Tipp: Auf das blaue Jodsiegel in Restaurants und Kantinen sowie bei Bäckereien und Metzgereien achten. Auch gilt es, mit einem weit verbreiteten Irrtum aufzuräumen. Nur Jodsalz im eigenen Haushaltsstreuer reicht für eine gute Jodversorgung nicht aus. Man müsste davon schon fünf bis zehn Gramm am Tag zu sich nehmen, um auf 100 bis 200 µg Jod zu kommen. Das ist wegen der Gefahr einer Blutdruckerhöhung nicht sinnvoll.

Fehlendes Jod mit Tabletten ergänzen

Man bezeichnet es auch gerne als Vitamin I der Schilddrüse. Der Wer es nicht schafft, regelmäßig Seefisch auf den Teller und Jodsalz in den Streuer zu bringen, dem raten Apotheker und Ärzte zur täglichen Einnahme von 100 µg Jodid-Tabletten.

Jod ist ein natürliches Spurenelement, das jeder Mensch braucht und hat nichts mit Chemie zu tun. Der Vitamincharakter des Jods begründet sich darin, dass ein Überschuss über die Nieren ausgeschieden wird. Die gesunde Schilddrüse regelt genau, wie viel Jodid sie aus dem Blut aufnimmt.

Jod bei Schwangeren und stillenden Müttern

Wichtigster Adressat für die Einnahme von Jodid-Tabletten sind schwangere und stillende Frauen. Damit sollten werdende Mütter schon im ersten Schwangerschaftsdrittel beginnen. Um die zehnte Schwangerschaftswoche produziert die Schilddrüse des Embryos nämlich selbst Hormone - wenn das Ungeborene ausreichend Jod aus dem mütterlichen Blut bekommt. Eine ausreichende Jodversorgung ist für die normale Entwicklung des Nervensystems, Körperreifung und -wachstum des Kindes essenziell.

Hormonproduktion durch Jod

Wozu braucht die kleine schmetterlingsförmige Drüse unterhalb des Kehlkopfes das Spurenelement Jod überhaupt? Ihre Zellen, die Thyreozyten, arbeiten wie in einer kleinen Synthesefabrik: Hier werden die zwei Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und L-Thyroxin (T4) produziert. Beide enthalten Jod. Die Thyreozyten reichern Jodid aus dem Blut an. Anschließend erfolgt die Oxidation des Jodids zu Jod und die Anlagerung von Jodatomen. Über mehrere Stufen entsteht so die Speicherform der Hormone, aus der sie bei Bedarf freigesetzt und in das Blut abgegeben werden.

Folgen von Jodmangel

Fehlt das Jodangebot im Blut, können die Thyreozyten nicht mehr genügend Hormone produzieren. Die Schilddrüse versucht zu kompensieren. Völlig nutzlos werden zur vermeintlichen Erhöhung der Hormonproduktion neue Drüsenzellen gebildet. Das ist wenig effektiv, da es am Rohstoff Jod mangelt. Resultat ist eine vergößerte Schilddrüse, die auch als Struma oder Kropf bezeichnet wird.

Über kurz oder lang kommt es zu knotigen Veränderungen. "Kalte Knoten" sind funktionsloses Gewebe, das entarten kann und deshalb beobachtet werden muss. Heiße Knoten produzieren unkontrolliert Hormone, sobald Jod auf sie einstürmt. Sie werden auch autonome Adenome genannt, weil sie so viel Hormone bilden können, dass sich eine Schilddrüsen-Überfunktion (Hyperthyreose) entwickelt. Das Überangebot an T3 und T4 treibt Stoffwechselprozesse an, der Energieumsatz im Organismus wird in die Höhe geschraubt. Dies erklärt, warum Patienten mit einer Überfunktion oft an Herzklopfen und Durchfall leiden und mit Schlaflosigkeit und Unrast zu kämpfen haben.

Umgekehrtes gilt für die Unterfunktion, die Hypothyreose: Die Betroffenen sind oft übergewichtig, leicht ermüdbar und leiden an Verstopfung. Ohne Jod fühlt sich der Betroffene wie ein Auto ohne Treibstoff.

Behandlung eines Kropfes

Hat sich ein Kropf gebildet, gilt es, so früh wie möglich zu therapieren. Beim Arzt kann man den Jodstatus bestimmen und die Schilddrüse untersuchen lassen. Ziel ist es, die Drüse wieder auf Normalgröße zu schrumpfen. Bei jungen Menschen gelingt dies oft mit Jodid-Tabletten. Die Dosis legt der Arzt fest. Wenn dies nicht ausreicht, verordnen Mediziner L-Thyroxin oder eine Kombination aus beiden.

Mitunter kann ein langjähriger Jodmangel auch eine Operation an der kleinen Drüse erforderlich machen. Das ist immerhin etwa 100.000-mal pro Jahr in Deutschland erforderlich. So ist eine Operation unumgänglich, wenn die vergrößerte Schilddrüse auf benachbarte Organe wie die Luftröhre drückt, wenn einzelne Areale Unmengen an Hormonen produzieren und somit zur Überfunktion führen, bei speziellen knotigen Veränderungen oder bösartigen Geschwulsten. Auch nach der Operation kommt man um Jod nicht umhin, denn meist wird nicht das gesamte Schilddrüsengewebe entfernt.

Aktualisiert: 04.07.2019

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