Jod und Jodmangel

Lebensmittel mit viel Jod
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Jod ist ein lebensnotwendiges Spurenelement, das für die Produktion von Schilddrüsenhormonen und somit wichtige Stoffwechselfunktionen benötigt wird. Es steckt vor allem in Lebensmitteln wie Seefisch und Meeresfrüchten, doch auch das mit dem Spurenelement angereicherte Jodsalz kann helfen, einem Jodmangel vorzubeugen. Wofür wir Jod benötigen, welche Rolle der Nährstoff in der Schwangerschaft spielt und an welchen Symptomen man einen Jodmangel erkennen kann, erfahren Sie hier. Außerdem erklären wir Ihnen, wann Jodtabletten sinnvoll sind und warum der vielseitige Stoff auch in der Radiojodtherapie, als Desinfektionsmittel oder nach einem Atomunfall zum Einsatz kommt.

Was ist Jod?

Jod (auch Iod) ist ein Spurenelement, das für uns lebensnotwendig ist, denn es wird für den Aufbau von Schilddrüsenhormonen und damit für einen funktionierenden Stoffwechsel benötig. Das Spurenelement kann vom menschlichen Körper jedoch nicht selbst hergestellt werden. Deshalb muss die Aufnahme über die Nahrung erfolgen.

Chemisch betrachtet handelt es sich bei Jod um ein Element, das im Periodensystem mit dem Buchstaben I (Iod) gekennzeichnet wird.

Wofür braucht man Jod?

Als wesentlicher Bestandteil der Schilddrüsenhormone, vor allem von Thyroxin (T3) und Triiodthyronin (T4), ist Jod für das kindliche Wachstum, die Entwicklung des Gehirns und Nervensystems, die Knochenbildung, den Energiestoffwechsel und zahlreiche weitere Stoffwechselvorgänge unverzichtbar. Alle unsere Organe benötigen Jod. Auch seine Wirkung auf die Körpertemperatur ist nicht zu unterschätzen, denn ohne Jod ließe diese sich nicht aufrechterhalten. Insbesondere seine Funktion in Zusammenhang mit Zellteilung und Zellwachstum macht eine ausreichende Jodzufuhr in der Schwangerschaft wichtig.

Wird dem Körper dauerhaft zu wenig Jod zugeführt, kann die Schilddrüse nicht mehr genügend Hormone produzieren und dadurch ihrer Aufgabe nicht mehr ausreichend nachkommen.

In der Medizin wird Jod außerdem auch als Desinfektionsmittel, als Röntgenkontrastmittel sowie in der Radiojodtherapie eingesetzt.

Tagesbedarf: Wie viel Jod benötigen wir?

Der Tagesbedarf an Jod ist unter anderem abhängig vom Alter, aber auch vom Gesundheitszustand. Gesunde Erwachsene sollten pro Tag etwa 200 Mikrogramm (µg) Jod zu sich nehmen. Folgende Empfehlungen gelten für die tägliche Jodzufuhr laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE):

Alter Empfohlener Tagesbedarf an Jod
0 bis unter 4 Monate 40 µg
4 Monate bis unter 1 Jahr 80 µg
1 bis unter 4 Jahre 100 µg
4 bis unter 7 Jahre 120 µg
7 bis unter 10 Jahre 140 µg
10 bis unter 13 Jahre 180 µg
13 bis unter 51 Jahre 200 µg
ab 51 Jahre 180 µg

In der Schwangerschaft haben Frauen einen erhöhten Jodbedarf und sollten täglich 230 Mikrogramm Jod zu sich nehmen. In der Stillzeit wird eine Jodzufuhr von 260 Mikrogramm pro Tag empfohlen. Die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegen im Vergleich zu denen der DGE etwas niedriger, lediglich für Babys unter vier Monaten wird eine höhere Zufuhr empfohlen.

Gemäß der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sollte die tägliche Jodaufnahme erwachsener Personen 600 Mikrogramm nicht überschreiten, für Kinder liegt die Obergrenze entsprechend niedriger. Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) setzt den Maximalwert sogar etwas niedriger: Demnach sollten Erwachsene in Deutschland nicht mehr als 500 Mikrogramm pro Tag aufnehmen.

Der Jodstoffwechsel kann durch einen Mangel an Selen, Zink oder Eisen beeinflusst werden. Darüber hinaus können Lebensmittel wie Rettich, Kresse, Lein, Kohl oder Hirse ebenso wie das Rauchen die Aufnahme von Jod in die Schilddrüse beeinträchtigen.

Welche Lebensmittel enthalten Jod?

Jod ist in größeren Mengen in Seefisch und Meeresfrüchten enthalten. Außerdem findet sich das Spurenelement in Milch und Eiern sowie in allen Lebensmitteln, bei deren Zubereitung Jodsalz (mit Jod versetztes Salz) verwendet wurde. Jodsalz enthält 1,5 bis 2,5 Milligramm Jod pro 100 Gramm Salz. Da der Jodgehalt in Böden sehr gering ist, liefern Lebensmittel aus dem Ackerbau in der Regel nur sehr wenig Jod.

Folgende Lebensmittel mit Jod eignen sich für eine optimale Jodversorgung:

  • Meeresfisch (zum Beispiel Schellfisch, Seelachs, Kabeljau oder Scholle)
  • Meeresfrüchte (zum Beispiel Miesmuscheln oder Austern)
  • Eier, Milch und Milchprodukte
  • Lebensmittel mit jodiertem Speisesalz (etwa Fleisch, Wurst und Brot)
  • Jodsalz

Auch Seetang und Meeresalgen (insbesondere Braunalgen wie Arame, Kombu, Wakame und Hijiki) sind sehr jodhaltig, da sich der Stoff in ihnen stark anreichert. Vor allem getrocknete Algenprodukte können daher schon bei geringen Verzehrmengen dazu führen, dass die empfohlene Tagesdosis überschritten wird und es zu negativen Effekten auf die Gesundheit kommt. Achten Sie beim Kauf von Algen unbedingt auf entsprechende Warnhinweise auf der Verpackung.

Jodmangel: Symptome erkennen

Viele Menschen nehmen zu wenig Jod zu sich. Je nach Jodvorkommen im Boden und damit dem Jodgehalt von Ackerfrüchten kann es regional vermehrt zu Jodmangel kommen. Auch sind Einwohner*innen von Ländern, in denen weniger Fisch und Meeresfrüchte verzehrt werden, häufiger von einer mangelhaften Jodversorgung betroffen. In Deutschland nehmen laut Angabe des Bundesinstituts für Risikobewertung knapp ein Drittel der Erwachsenen und 44 Prozent der Kinder und Jugendlichen zu wenig Jod zu sich.

Ein Jodmangel verursacht oft für lange Zeit keine Symptome. Äußerlich sichtbares Anzeichen eines Jodmangels kann ein Kropf (Struma) sein, also eine vergrößerte Schilddrüse, mit der der Körper den Mangel auszugleichen versucht. Diese Jodmangelstruma kann unter anderem zu Problemen beim Schlucken oder pfeifenden Atemgeräuschen führen. Auch kann ein Jodmangel die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und bei Frauen Zyklusstörungen auslösen.

Besonders gravierende Folgen kann ein Jodmangel in der Schwangerschaft beziehungsweise bei Neugeborenen und kleinen Kindern haben. Es besteht die Gefahr von schwerwiegenden, unumkehrbaren Entwicklungsstörungen des Skelett- und Nervensystems bis hin zum Kretinismus. Auch Fehl- und Totgeburten können die Folge eines schweren Jodmangels in der Schwangerschaft sein.

Die Diagnose eines Mangels erfolgt unter anderem durch einen Bluttest zur Bestimmung der Schilddrüsenwerte und des schilddrüsenstimulierenden Hormons (TSH-Wert).

Symptome bei Schilddrüsenunterfunktion durch Jodmangel

Ein chronischer Jodmangel kann eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) zur Folge haben. Mögliche Symptome sind:

  • Müdigkeit und Schwäche
  • verminderte Leistungsfähigkeit (körperlich und psychisch) und Konzentrationsschwäche
  • Gewichtszunahme
  • Blässe, trockene Haut, brüchige Nägel und Haarausfall
  • verlangsamter Herzschlag
  • Appetitlosigkeit
  • Verstopfung
  • depressive Verstimmungen
  • Kälteempfindlichkeit
  • leichte Erhöhung des TSH-Werts

Daneben kann ein Jodmangel jedoch auch zu sogenannten "heißen Schilddrüsenknoten" und einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) führen, die sich in entgegengesetzten Symptomen äußern kann, zum Beispiel Gewichtsabnahme, Heißhunger und Ruhelosigkeit.

Jodmangel vorbeugen: Was kann man gegen Jodmangel tun?

In Deutschland reicht der natürliche Jodgehalt in Nahrungsmitteln nicht für eine zufriedenstellende Jodversorgung aus. Um Jodmangel vorzubeugen, wurde daher im Jahr 1989 die Jodsalzverordnung erlassen, durch die das Spurenelement in geringen Mengen dem herkömmlichen Speisesalz zugesetzt werden darf.

Mittlerweile wird Jodsalz (jodiertes Speisesalz) in vielen deutschen Haushalten verwendet. Auch als Zusatz in Futtermittel kommt Jod zum Einsatz, was zu einem höheren Gehalt an Jod in Milchprodukten und Eiern führte. Seitdem kommt Jodmangel in Deutschland nur noch relativ selten vor – im Jahr 2021 meldete das Bundesinstitut für Risikobewertung allerdings, dass die Jodversorgung hierzulande wieder rückläufig und die Bevölkerung nicht optimal versorgt sei.

Neben dem Verzehr jodhaltiger Lebensmittel wie Seefisch und Milchprodukten sollte man daher darauf achten, auch im eigenen Haushalt Jodsalz zu verwenden. Gegebenenfalls kann der Bedarf nach ärztlicher Rücksprache auch mithilfe von Jodtabletten gedeckt werden. In der Regel sind Tabletten oder jodhaltige Nahrungsergänzungsmittel jedoch nicht erforderlich, um einen Jodmangel zu beheben oder seine Entstehung zu verhindern.

Wann ist die Einnahme von Jodtabletten sinnvoll?

In bestimmten Fällen kann die Einnahme von Jodtabletten mit dem Wirkstoff Kaliumjodid zur Vorbeugung oder Behandlung eines Jodmangels sinnvoll sein. Man spricht auch von Jodid-Tabletten.

Einen erhöhten Jodbedarf haben zum Beispiel Frauen in der Schwangerschaft und Stillzeit. Auch wer keinen Fisch und keine Eier oder Milchprodukte zu sich nimmt (etwa wegen einer vegetarischen oder veganen Ernährung oder Laktoseintoleranz) oder sich sehr salzarm ernährt (zum Beispiel aufgrund von Bluthochdruck), nimmt möglicherweise über die Nahrung nicht genügend Jod zu sich. Dann kann – nach ärztlicher Rücksprache – die Einnahme von Jodtabletten ratsam sein.

Die Dosierung des Medikaments kann dabei variieren:

  • Schwangeren und stillenden Frauen wird nach Rücksprache mit ihrem*ihrer Frauenarzt*Frauenärztin eine Dosis von 100 bis 150 Mikrogramm Jodid pro Tag empfohlen. Für diese speziellen Lebensphasen gibt es auch Kombinationspräparate mit Folsäure zu kaufen, da der Bedarf an diesem Vitamin dann ebenfalls erhöht ist.
  • Zur Vorbeugung eines Kropfes wird Jodid meist in den Dosierungen 100 oder 200 Mikrogramm verschrieben.
  • Wer aufgrund von Jodmangel eine vergrößerte Schilddrüse hat, sollte größere Jodmengen zu sich nehmen. Zur Verkleinerung eines Kropfes werden meist 200 bis 500 Mikrogramm Jodid eingenommen.

Kommt es als Nebenwirkung der Tabletten zu den Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion oder -unterfunktion, sollten Sie sofort ärztlichen Rat einholen. Nicht ratsam ist eine zusätzliche Jodeinnahme bei bestimmten Schilddrüsenerkrankungen wie Hashimoto-Thyreoiditis.

Zu viel Jod – Überdosierung selten

Eine Jod-Überdosierung oder Jodvergiftung entsteht hierzulande in der Regel nicht durch eine normale Ernährung, auch nicht bei der Verwendung von jodiertem Salz: Einem Kilo Salz dürfen nicht mehr als 25 Milligramm Jod zugesetzt werden. Eine Überdosierung geht daher häufig auf den unsachgemäßen Gebrauch von Jodtabletten zurück. Doch auch manche Algenprodukte haben einen sehr hohen Jodgehalt, sodass bei deren Verwendung Vorsicht geboten ist. Daneben können jodhaltige Medikamente, Kontrastmittel oder Desinfektionsmittel (infolge einer Aufnahme über die Haut) für eine Überversorgung mit dem Spurenelement verantwortlich sein.

Eine starke Jod-Überdosierung kann sich durch einen messingartigen Geschmack im Mund, eine erhöhte Speichelproduktion und Verdauungsstörungen äußern. Auch ein als Jod-Akne bezeichneter Hautausschlag gehört zu den möglichen Symptomen.

Eine zu große Menge an Jod kann zu einer Schilddrüsenüberfunktion führen, der Überschuss kann jedoch auch eine Schilddrüsenunterfunktion auslösen und so einen Kropf verursachen. Insbesondere bei bereits bestehenden Schilddrüsenerkrankungen wie Morbus Basedow oder Hashimoto-Thyreoiditis kann sich ein sogenannter Jodexzess auf die Funktion der Schilddrüse auswirken.

Bei gesunden Menschen wird eine einmalige Überdosierung von bis zu 1.000 Mikrogramm am Tag in der Regel folgenlos mit dem Urin wieder ausgeschieden. Gerade ältere Menschen, die mit einem Jodmangel aufgewachsen sind, können jedoch sehr empfindlich auf große Mengen Jod reagieren.

Jod bei einem nuklearen Notfall

Bei einer Kernspaltung infolge eines Atomunfalls wird radioaktives Jod freigesetzt. Wenn diese Isotope in den menschlichen Körper gelangen, lagern sie sich in der Schilddrüse ab. Dies kann die Zellen erheblich schädigen und sogar zu Schilddrüsenkrebs führen.

Aus diesem Grund hält die Regierung für Reaktorunfälle und andere nukleare Katastrophen hochdosierte Kaliumiodid-Tabletten vorrätig, die in solchen Fällen an die Bevölkerung verteilt werden. Werden die Jodtabletten zum richtigen Zeitpunkt eingenommen, kann dies die Schilddrüse schützen und die Aufnahme des radioaktiven Jods blockieren: Das gefährliche Jod kann dann nicht mehr in die Schilddrüse gelangen.

Dennoch sollte man solche Kaliumiodid-Tabletten keinesfalls eigenständig und ohne ausdrückliche Aufforderung durch die zuständigen Behörden einnehmen, denn um die erhoffte Wirkung einer Jodblockade zu erzielen, sind der richtige Zeitpunkt und die korrekte Dosierung entscheidend. Durch die eigenständige vorsorgliche Einnahme der Jodtabletten bleibt nicht nur der gewünschte Effekt aus, sondern es kann auch zu schweren Nebenwirkungen infolge von unerkannten Schilddrüsenerkrankungen oder Jodallergien kommen.

Aufgrund der erhöhten Risiken von Nebenwirkungen werden die Jodtabletten im Falle eines Atomunfalls nur für Personen bis 45 Jahren empfohlen.

Jod in der Medizin

In der Medizin wird Jod in verschiedenen Formen eingesetzt. Bei der sogenannten Radiojodtherapie wird das radioaktive Jod-131 zur Behandlung von Schilddrüsentumoren genutzt. Die Schilddrüse nimmt das Jod auf und speichert es. Beim Zerfall des Jods entsteht Strahlung, welche die Schilddrüsenzellen zerstört.

Jod wird in der Medizin auch als Kontrastmittel eingesetzt, um beispielsweise bei einer Computertomographie (CT) Gefäße sichtbar zu machen.

Auch als Antiseptikum findet Jod Verwendung. Bei dem in der Medizin sehr beliebten Desinfektionsmittel Povidon-Iod handelt es sich um eine Verbindung aus Jod und Polyvinylpyrrolidon (PVP, Povidon). Kennzeichnend für das antiseptische Mittel ist seine rot-braue Farbe. Es findet häufig als Salbe oder in flüssiger Form (als verdünnte Lösung) Anwendung und kann auch auf Schleimhäuten eingesetzt werden, da es nicht brennt. Neben offenen Wunden sind mögliche Anwendungsgebiete zum Beispiel Pilzinfektionen oder Entzündungen. Handelsnamen sind unter anderem Betaisodona®, Betadona® oder Betadine®.

Im Gegensatz dazu enthält Iodtinktur unter anderem Alkohol und kann daher zu einem starken, brennenden Gefühl führen. Aus diesem Grund hat sich in der Medizin das Povidon-Iod als Antiseptikum durchgesetzt.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
E01.-

Aktualisiert: 09.03.2022
Autor*in: Silke Hamann, Medizinredakteurin

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